«Nicht gesperrt»: Aussie-Teenies prahlen nach Social-Media-Verbot

Belinda Schwenter
Belinda Schwenter

Australien,

In Australien gilt seit Mittwoch ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Diese wehren sich gegen das neue Gesetz.

Social Media
Seit gestern gilt in Australien ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Kinder unter 16 Jahren gilt in Australien seit gestern ein Social-Media-Verbot.
  • Dafür hagelt es von vielen Seiten Kritik.
  • Die Jugendlichen wehren sich gegen das neue Gesetz und ziehen bis vor das oberste Gericht.
  • In den sozialen Medien prahlen viele damit, dass sie trotz Verbot weiterhin aktiv seien.

Seit gestern ist es so weit: In Australien dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren auf vielen grossen Social-Media-Plattformen keine eigenen Konten mehr besitzen.

Dies betrifft zehn Dienste, darunter Instagram, Tiktok, Snapchat, Facebook, Youtube, X, Reddit und Twitch. Ausgenommen von dem Verbot sind Messaging-Dienste, E-Mail, Sprach- und Videoanrufe, Online-Spiele und Bildungsangebote.

Das Gesetz tritt trotz reichlich Kritik und einer Klage vor Gericht ein. Erst Ende November war vor dem Obersten Gericht in Canberra von der Organisation «Digital Freedom Project» Klage eingereicht worden.

«Direkter Angriff auf das Recht junger Menschen»

Zwei 15-jährige Jugendliche treten als Kläger auf. Die Gruppe argumentiert, das Verbot sei übertrieben und ein «direkter Angriff auf das Recht junger Menschen auf freie politische Kommunikation».

Die junge Klägerin Macy Newland betonte, das Gesetz erinnere an George Orwells Roman «1984», der eine totalitäre Überwachungsgesellschaft beschreibt.

Findest du das Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren sinnvoll?

Gegenüber der «Deutsche Welle» sagt sie: «Das Verbot hindert junge Menschen vor ihrem 16. Lebensjahr daran, sich an Demokratie und gesellschaftlichen Diskussionen zu beteiligen. Das ist falsch.»

Sie gibt zu, dass soziale Medien und Online-Gaming Probleme verursachen können, betont jedoch: «Es gibt kein Zurück und kein Leugnen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der technologische Fortschritte sich beschleunigen. Und in der Online-Kommunikation Teil unseres täglichen Lebens ist».

75 Prozent wollen das Verbot umgehen

Eine Befragung des australischen Senders «ABC» zeigt: Mehr als 17'000 australische Jugendliche – also 75 Prozent – werden versuchen, das Verbot zu umgehen. Daher glaubt Macy nicht daran, dass das Verbot effektiv durchgesetzt werden kann.

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Unter-16-Jährige verabschieden sich nun provokant von Social Media. - Tiktok / @leila.mum

Und tatsächlich: Australiens Premierminister Anthony Albanese bestätigt gegenüber «Sky News»: «Einige junge Leute, die noch nicht aus den sozialen Medien entfernt wurden, veröffentlichen Beiträge, in denen sie damit prahlen.»

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Australierinnen prahlen damit, dass ihr Konto noch nicht gesperrt wurde. - Tiktok / @jennawiththepink

«Ich wurde nicht gesperrt», sagen zahlreiche Teenager in die Kamera. Und prahlen auch damit, dass ihre Freunde halt schon aussehen wie 16.

Bloss: Sie liefern sich so selbst ans Messer. Albanenese sagt: «Damit geben sie den Plattformen bekannt, wer sie sind. Deshalb werden diese gelöscht.»

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Diese junge Australierin postete nochmals ein Video auf Tiktok. - Tiktok / @elassecret0

Auch die Kinderhilfsorganisation UNICEF Australien kritisiert das Verbot und erklärt: «Die vorgeschlagenen Änderungen werden die Probleme, mit denen junge Menschen online konfrontiert sind, nicht beheben.»

Anthony Albanese räumte in einem Interview mit dem Sender 7News ein, dass das Gesetz sicher nicht perfekt sei. Es werde aber helfen, Online-Mobbing einzudämmen und junge Leben zu retten.

«Wir sind hier weltweit führend, die Welt wird Australien folgen», ist er überzeugt.

Kommentare

User #6526 (nicht verifiziert)

Was haben wir als Kinder und Jugendliche am liebsten gemacht? Genau, das, was verboten war. Die jungen Leute sind nicht so dumm, wie die unwissenden Politiker. Die werden einen Weg finden, um sich irgendwie einzuloggen. Sei es über VPN oder eine Satellitenverbindung. Vielleicht hilft auch der gute Elon ....

User #5822 (nicht angemeldet)

Statt Medienkompetenz zu lehren, macht man einfach mal ein Verbot? Es wird genauso gut wie bei Zigaretten, Alkohol, Drogen, Pornografie... funktionierdn, nämlich gar nicht.

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