Nestlé

    Nestlé bleibt trotz Krieg im Iran

    Stephan Felder
    Stephan Felder

    Iran,

    Trotz Krieg und Sanktionen hält Nestlé an seiner Präsenz im Iran fest. Der Konzern produziert nicht nur weiter: Er sucht sogar neue Mitarbeitende!

    Nestlé
    Der frühere Konzernchef Peter Brabeck-Letmathe erklärt, weshalb Nestlé in Krisenregionen präsent bleibt. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nestlé betreibt weiterhin eine Fabrik im Iran und hat derzeit mehrere Jobs ausgeschrieben.
    • Der Konzern bleibt laut früherem Chef auch in Konflikten präsent.
    • Lebensmittelhersteller berufen sich auf ihre Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung.

    Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé hält trotz der angespannten Sicherheitslage im Iran an seiner Präsenz fest.

    Während zahlreiche westliche Unternehmen das Land wegen des Kriegs verlassen haben, produziert der Konzern weiterhin vor Ort. Die «NZZ» weiss: Er sucht sogar neue Mitarbeitende!

    Auf einem iranischen Stellenportal sind derzeit mehr als ein Dutzend Jobs ausgeschrieben. Gesucht werden unter anderem Anlageningenieure, technische Lagerverwalter und IT-Spezialisten. Gleichzeitig betreibt Nestlé im Land weiterhin eine Fabrik mit mehreren hundert Angestellten.

    Dort werden unter anderem Produkte der Marke Nescafé sowie Babynahrung und Getreidebrei für Kleinkinder hergestellt. Laut Branchenkreisen läuft die Produktion trotz der aktuellen Lage weiter.

    Strategie: Nestlé bleibt auch in Krisen

    Dass Nestlé in politisch heiklen Märkten aktiv bleibt, hat Tradition. Der frühere Konzernchef Peter Brabeck-Letmathe beschreibt diese Haltung als festen Bestandteil der Unternehmensstrategie.

    Peter Brabeck-Letmathe
    Peter Brabeck-Letmathe leitete Nestlé von 1997 bis 2017 und ist heute noch mit dem Unternehmen verbunden. - keystone

    So sagt der frühere CEO und Präsident des Konzerns: «Nestlé ist immer und überall vor Ort geblieben – ausser eine Fabrik wurde zerbombt oder die Regierung schmiss uns raus.»

    Brabeck-Letmathe leitete Nestlé von 1997 bis 2017 und ist heute noch durch einen Ehrentitel mit dem Unternehmen verbunden.

    Kritik wegen Engagement in Krisenregionen

    Nestlé geriet in der Vergangenheit mehrfach in die Kritik, weil der Konzern auch in Konfliktregionen tätig blieb. Während des russischen Angriffs auf die Ukraine stellte das Unternehmen seine Produktion in Russland nicht ein.

    Würdest du gerne bei Nestlé arbeiten?

    Auch in anderen politisch umstrittenen Märkten – etwa in Kuba oder Venezuela – hielt der Konzern an seiner Präsenz fest. Solange dies von den jeweiligen Regierungen erlaubt wurde.

    Brabeck-Letmathe verteidigt diese Linie: «Wir arbeiten nicht für irgendeine Regierung, sondern stehen im Dienste der Bevölkerung.»

    Lebensmittelindustrie geniesst Sonderstellung

    Lebensmittelhersteller nehmen in Konflikten häufig eine besondere Rolle ein. Viele Sanktionen betreffen Nahrungsmittel nicht direkt. Zudem geniessen entsprechende Produktionsstätten gemäss internationalen Regeln einen gewissen Schutz.

    Die gezielte Zerstörung einer Lebensmittelfabrik gilt nach den Genfer Konventionen als Kriegsverbrechen.

    Brabeck-Letmathe betont zudem, dass Kriegsparteien meist kein Interesse daran hätten, solche Infrastruktur zu zerstören. «In der Regel werden Lebensmittelfabriken deshalb von den Kriegsparteien bewusst verschont», sagt er.

    Ein Gegenbeispiel nennt er dennoch: Im Jahr 2013 wurde während des syrischen Bürgerkriegs eine Nestlé-Anlage zerstört. Wer dafür verantwortlich war, blieb ungeklärt. Regime und Rebellen beschuldigten sich gegenseitig.

    Alltag geht auch im Krieg weiter

    Über die aktuelle Situation in den Nestlé-Werken im Nahen Osten hat Brabeck-Letmathe nach eigenen Angaben keinen detaillierten Überblick. Er geht aber davon aus, dass viele Angestellte weiterhin zur Arbeit erscheinen.

    «Auch während eines Krieges geht der Alltag ein Stück weit normal weiter. Wer nicht eingezogen wird für die Front, muss arbeiten.»

    Oder wie er es formuliert: «Auch die Kühe hören nicht auf, Milch zu geben – und müssen gemolken werden.»

    Kommentare

    User #4683 (nicht angemeldet)

    Die Aussage: "Nestlé bleibt trotz Krieg im Iran" ist falsch. Peter Brabeck-Letmathe kann nicht mehr für Nestlé sprechen.

    User #4000 (nicht angemeldet)

    Verkauft Nestle dort auch Wasser, das der Bevölkerung gehört?

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