Micha Haeni zeigt himmlische Botschaft aus menschlicher Perspektive

Keystone-SDA
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Bern,

In Armenien hat der Berner Künstler Micha Haeni eine Christusfigur auf ein altes Flugzeug gemalt. Mit seinem symbolträchtigen Werk verbindet er gerade zu Himmelfahrt eine universelle menschliche Botschaft.

Der Berner Künstler Vierwind alias Micha Haeni in roter Hose auf seinem Kunstwerk: der gekreuzigte Christus, gemalt auf auf ein Flugzeug und betrachtet aus der Himmelsperspektive. Für...
Der Berner Künstler Vierwind alias Micha Haeni in roter Hose auf seinem Kunstwerk: der gekreuzigte Christus, gemalt auf auf ein Flugzeug und betrachtet aus der Himmelsperspektive. Für... - Keystone/MATTIA CODA

Im Osten Armeniens der Sewansee, an dessen Ufer eine ausgemusterte sowjetische Yak-40, auf dem Rumpf und den Tragflächen des Flugzeugs eine Christusfigur mit Dornenkrone und ausgestreckten Armen, den Blick nach oben gerichtet, das Gewand mit kalligraphischen Zeichen, die an das armenische Alphabet erinnern: Der Berner Künstler Vierwind alias Micha Haeni hat die Christusfigur auf das Flugzeug gemalt – und damit der christlichen Botschaft von Himmelfahrt einen ganz eigenen Dreh gegeben.

Himmelfahrt feiern Christen weltweit 40 Tage nach Ostern, 40 Tage nach der Auferstehung Christi, 40 Tage, die der Sohn Gottes unter den Menschen verbracht hat – um an Himmelfahrt aufzufahren zu Gott.

Diese zentrale christliche Botschaft kehrt Haeni um, indem er mit Perspektive spielt. Denn vom Boden aus zeigt sich lediglich ein bemaltes Flugzeug. Erst von oben, vom Himmel aus, wird der gekreuzigte Christus sichtbar. Aus dieser Perspektive betrachtet, steigt nicht Christus in den Himmel, sondern Gott steigt herab zu seinem Sohn, zu den Menschen.

Nicht ohne Grund hat Haeni sein Kunstwerk gerade in Armenien geschaffen. Denn Armenien war das erste Land, das bereits im Jahr 301 n. Chr. das Christentum angenommen hat. Bis heute fühlen sich die Armenierinnen und Armenier tief verwurzelt in ihrem Glauben. Das Leid Christi hat für sie eine besondere Bedeutung, ganz besonders nach dem Genozid von 1915 und 1916. Bis zu 1,5 Millionen Menschen hat das Osmanische Reich damals ermordet oder in den Tod getrieben. Diese Katastrophe ist bis heute tief verwurzelt in der kollektiven armenischen Erinnerung, auch und gerade in der weltweiten Diaspora.

In diesem Kontext «wird das Flugzeug zu einer kraftvollen Metapher», schreibt Haeni zu seinem Werk. Das Flugzeug verbinde Armenien mit seiner Diaspora und «dieses Kunstwerk wird zu einem Altar der Erinnerung und der Widerstandsfähigkeit».

Dabei will Haeni nicht ausschliesslich religiös verstanden wissen, dass er gerade Christus dargestellt hat. Das Antlitz Christi rufe «eine universelle Figur des Leidens, der Ungerechtigkeit und der Widerstandskraft» hervor. «Durch dieses Bild schafft das Kunstwerk eine visuelle Sprache, die über kulturelle Grenzen hinweg zugänglich ist und eine zutiefst menschliche Geschichte erzählt.» Nämlich die von Menschen, die von der Geschichte über die ganze Welt verstreut wurden, aber vereint sind unter demselben Himmel.

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