Trotz Trend: Expertin rät von Gesichtsmasken auf Flügen ab – «Keime»

Vivian Balsiger
Vivian Balsiger

Obwalden,

Influencer machen’s vor und verwandeln das Flugzeug in einen Beauty-Salon: Skincare über den Wolken ist voll im Trend – Doch nicht alle sind begeistert.

skincare
Die Zeit nutzen und sich etwas Gutes tun: Immer mehr Passagiere widmen sich auf Langstreckenflügen ihrer Skincare. - Instagram/@sarahpalmyra / pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Von Influencern inspiriert: Immer mehr Passagiere tragen auf Flugreisen Gesichtsmasken.
  • Die Knigge-Expertin kritisiert den Trend – auch die Dermatologin findet ihn «überflüssig».
  • Am meisten helfen viel Wasser, kein Alkohol und ein guter UV-Schutz der Haut.

Enge Sitze, trockene Luft, müde Haut – Langstreckenflüge sind für viele alles andere als Wellness. Doch genau daraus machen immer mehr Passagiere kurzerhand ihr ganz persönliches Spa-Erlebnis über den Wolken.

Statt Serienmarathon oder Schlafmodus heisst es plötzlich: Serum, Sheet-Maske und Feuchtigkeitspflege raus! Influencer zeigen es vor und schwören darauf, die trockene Kabinenluft mit einer ausgiebigen Skincare-Routine zu bekämpfen.

Das Ziel: Geschniegelt und «wie neu geboren» am Reiseziel ankommen. Zwei Fliegen mit einer Klatsche – Flugzeit wird zur Beauty-Zeit.

Doch nicht alle finden das entspannend...

«No-Go aus Sicht der Etikette»

Wenig begeistert vom Trend ist Knigge-Expertin Susanne Abplanalp. Sie stellt gegenüber Nau.ch klar: «In der Öffentlichkeit eine Gesichtsmaske zu tragen ist ein No-Go aus Sicht der Etikette.»

Für sie gehören solche Beauty-Rituale nicht in die Kabine: «Andere Personen möchten nicht zusehen, wie wir uns pflegen.»

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Für Knigge-Expertin ist klar: Beauty-Behandlungen gehören nicht in den öffentlichen Raum. (Symbolbild) - pexels

Und sie geht noch weiter: «Obwohl man weder einen Duft verströmt noch Lärm verursacht, sind Wimperntusche auftragen, Nägel knipsen oder feilen sowie Zahnpflege in der Öffentlichkeit zu vermeiden.»

Heisst: Selbst wenn es leise und geruchsneutral ist – Körperpflege bleibt Privatsache. Denn: «Mitreisende möchten ihre Reise geniessen und nicht dabei zuschauen müssen, wenn andere sich pflegen oder frisch machen.»

«Gut überlegen, wie verhalten»

Nicht nur Sitznachbarn könnten sich gestört fühlen. Auch das Kabinenpersonal wird laut der Expertin in unangenehme Situationen gebracht, wenn es Reisende mitten im Beauty-Programm unterbrechen muss.

«Wir dürfen nicht vergessen, wir sind an einem Ort der Gast und nutzen eine Dienstleistung. Wir sollten uns anständig benehmen und uns gut überlegen, wie wir uns verhalten.»

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Das ganze Programm zieht Influencerin Minday Lee durch: Gesichts- und Augenmaske. Ihre 652'000 Follower sind begeistert. - Instagram/@mindaylee_

Ihr Fazit fällt deutlich aus: «Es handelt sich meines Erachtens um ein egoistisches und rücksichtsloses Verhalten.»

Und ihr Denkanstoss sitzt: «Will ich wirklich so wahrgenommen werden? Das sollte sich jede Person überlegen.» Vielleicht sitze ja der Chef, ein wichtiger Kunde – oder sogar die Schwiegermutter direkt nebenan.

Denn nur weil sich niemand beschwere, heisse das noch lange nicht, dass sich niemand gestört fühle.

Wie findest du Gesichtsmasken im Flugzeug?

Die Fluggesellschaft Swiss sieht das entspannter. Mediensprecherin Nicole Meier sagt gegenüber Nau.ch: «Grundsätzlich ist es unseren Gästen selbstverständlich gestattet, sich an Bord frisch zu machen – sei es an ihrem Platz oder auf der Bordtoilette. Dabei erwarten wir jedoch einen rücksichtsvollen Umgang mit den Einrichtungen und mit anderen Passagieren.»

Heisst also: Erlaubt ist die Skincare– solange niemand gestört wird.

Sonnenschutz statt Masken

Während der Trend boomt, räumt Dermatologin Liv Kraemer mit dem Beauty-Hype auf. Ihr Fazit gegenüber Nau.ch: Masken sind «eher überflüssig».

Viele Produkte seien primär Marketing. Ihr Rat ist dafür umso bodenständiger – und überraschend simpel: «Das Wirksamste bleibt: Trinken, keinen Alkohol, und einen guten UV-Schutz vor dem Abflug.»

Denn über den Wolken wird es für unsere Haut richtig ungemütlich. Die Luft in der Kabine? Extrem trocken, so die Expertin: «Kabinenluft hat oft unter 20 Prozent Luftfeuchtigkeit, halb so viel wie ein normaler Wohnraum.»

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Liv Kraemer, Fachärztin für Dermatologie und Autorin des Buches «Skin longevity». - zVg

Die Folgen spürt man schnell: «Die Schutzbarriere schwächt sich ab, die Haut fühlt sich trocken und matt an, feine Linien wirken tiefer.»

Genau deshalb greifen viele zur Maske – doch der Effekt ist trügerisch. «Eine okklusive Maske wirkt wie ein Treibhauseffekt und lässt die Haut praller erscheinen.» Okklusiv bedeutet, dass die Maske wie eine Art Film auf der Haut liegt und verhindert, dass Feuchtigkeit entweicht. Klingt gut, hält aber nicht lange.

Kraemer: «Eine 20-Minuten-Maske kompensiert keinen Transatlantikflug. Wer wirklich etwas für seine Haut tun will, trainiert die Barriere, vor dem Flug, nicht erst an Bord.»

Bakterienfalle über den Wolken

Der Beauty-Trend kann sogar nach hinten losgehen. Im Flugzeug werden ständig Oberflächen berührt – ein Paradies für Keime. «Wer dann mit ungewaschenen Händen eine Maske aufträgt, bringt Keime auf eine bereits geschwächte Haut», so die Expertin.

Wird die Maske zusätzlich trocken, kippt der Effekt komplett: Sie entziehe der Haut Feuchtigkeit, so Kraemer. «Duft- und Konservierungsstoffe können unter okklusiven Bedingungen zusätzlich reizen.»

Die klaren Tipps der Expertin: «Vor dem Flug einen guten UV-Schutz – kein Make-up. An Bord viel Wasser, kein Alkohol.» Und ein oft unterschätzter Tipp: Augentropfen ohne Konservierungsstoffe.

Nach der Landung: Kein Spa, sondern Realität

Und nach der Landung gelte: «Haut gründlich reinigen. Kein aufwändiges Ritual im engen Sitz – gute Haut ist konsequentes Training über Zeit, nicht eine Maske über den Wolken.»

Denn echte Hautpflege entsteht nicht im Flugzeug, sondern im Alltag.

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Nicht nur am Strand gilt Sonnenschutz als Pflichtprogramm – auch im Flugzeug sollte man die Haut schützen, erklärt die Expertin. (Symbolbild) - pexels

Konkret bedeutet das: Die Hautbarriere mit geeigneten Wirkstoffen systematisch stärken, um die Zellerneuerung aktiv zu fördern.

Hier setzt auch Kraemer an: Frühzeitig handeln statt hinterher korrigieren. «Die Haut auf Stressoren wie Trockenheit, UV oder Klimaanlagen vorbereiten. Nicht erst reagieren, wenn der Schaden sichtbar ist.»

Ihr Grundsatz bleibt dabei so simpel wie eindeutig: «Prävention statt Reparatur.»

Kommentare

User #3460 (nicht angemeldet)

Die Influezer verblöden mehr und mehr die Mitmenschen die das noch alles glauben lol

User #5866 (nicht angemeldet)

Bei den meisten.....nütz auch die Maske nichts mehr...

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