Mexiko-Eskalation: Auch 750 Schweizer in Jalisco
Gewaltwelle in Mexiko: Nach der Tötung eines mächtigen Drogenbosses durch das Militär ruft Präsidentin Claudia Sheinbaum die Bevölkerung zur Ruhe auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach dem Tod eines Drogenbosses in Mexiko herrschen landesweit Gewaltausschreitungen.
- Präsidentin Claudia Sheinbaum ruft zu Ruhe und Vorsicht auf.
- Kartellchef El Mencho starb am Sonntag nach einem Militäreinsatz im Bundesstaat Jalisco.
- Die aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Liveticker.
Kartellchef Nemesio Oseguera Cervantes erlag am Sonntag nach einem Militäreinsatz zu seiner Festnahme im westlichen Bundesstaat Jalisco seinen Verletzungen. Der 59-Jährige, auch bekannt als «El Mencho», war der Anführer des extrem gewalttätigen Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG; auf Deutsch «Jalisco Neue Generation»).
Daraufhin wurden in Bundesstaaten wie Jalisco, Michoacán und Guanajuato, Strassen durch brennende Fahrzeuge blockiert. Zudem wurden Stützpunkte der Nationalgarde attackiert, wie örtliche Medien berichteten. Es soll dabei Tote und Verletzte gegeben haben.
Die aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Liveticker:
750 Schweizer in Jalisco gemeldet
13.40: Auf Anfrage von Nau.ch teilt das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit, dass in Mexiko 6500 Schweizer Staatsangehörige gemeldet sind. 750 von ihnen im Bundesstaat Jalisco, wie Mediensprecher Jonas Montani erklärt.
Derzeit seien 220 Personen im «Travel Admin» als Reisende in Mexiko registriert.
Das EDA stellt zudem klar, dass keine organisierten Ausreisen für Schweizer Staatsangehörige geplant sind.
Touristen zittern in Mexiko-Ferien wegen Drogenkrieg-Eskalation
11.55: In beliebten Urlaubsorten wie Puerto Vallarta und Guadalajara sitzen derzeit zahlreiche Touristen fest. Hotels riegelten ihre Gebäude ab und forderten Gäste auf, in ihren Zimmern zu bleiben.
Reisende berichten von Evakuierungen, Explosionen in der Nähe ihrer Unterkünfte und brennenden Fahrzeugen auf den Strassen. Viele sprechen von Angst und Unsicherheit, während sie auf weitere Informationen warten.

Besonders dramatisch ist die Lage rund um den Flughafen von Guadalajara. Dort kam es zu Zwischenfällen, Rauch war über dem Gelände zu sehen, zeitweise rannten Menschen in Panik durch das Terminal. Mehrere Flüge – vor allem in die USA – wurden gestrichen oder verschoben.
Urlauber berichten, dass sie ihre Heimreise kurzfristig umbuchen mussten und nun hoffen, am nächsten Tag ausfliegen zu können. Teilweise gibt es vorerst keine Verbindungen, sodass Touristen in den Ferienorten ausharren müssen. Öffentlicher Nahverkehr ist mancherorts eingestellt, was die Anreise zu Flughäfen zusätzlich erschwert.

So erzählt etwa die amerikanische Touristin Katy Holloman auf Facebook, dass ihr geraten worden sei, im Hotel zu bleiben: «Die Strasse ist wegen des Kartells gesperrt. Es gibt keine Flüge vom Flughafen in die USA. Die Flüge wurden auf morgen Nachmittag umgebucht und wir beten, dass wir es nach Hause schaffen.»
Sorge um die Fussball-WM im Sommer
11.06: In 108 Tagen soll in Mexiko das Eröffnungsspiel der Fussball-WM steigen. In Mexiko-Stadt trifft der Gastgeber auf Südafrika. Insgesamt wird in 3 Städten gespielt, neben der Hauptstadt noch in Monterrey und in Guadalajara.

In Guadalajara stehen vier Partien auf dem Programm, darunter das Kracher-Duell Uruguay gegen Spanien. Doch jetzt rennen am Flughafen von Guadalajara Menschen um ihr Leben.
Kann unter solchen Umständen in wenigen Monaten eine WM stattfinden? Offiziell laufen die Vorbereitungen weiter. Doch die Bilder aus Mexiko werfen einen langen Schatten auf das Turnier.
Übrigens: Die Schweizer Nati muss nicht nach Mexiko. Die Mannschaft von Coach Murat Yakin absolviert ihre WM-Spiele in San Francisco, Los Angeles und Vancouver.
Präsidentin Claudia Sheinbaum ruft zu Ruhe und Ordnung auf
09.15: «Wir müssen informiert bleiben und Ruhe bewahren», schrieb die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum auf der Plattform X. Die Sicherheitskräfte waren in erhöhter Alarmbereitschaft. Bandenmitglieder setzten in mehreren Bundesstaaten Autos, Banken, Tankstellen und Läden in Brand. Mehrere Botschaften riefen ihre Bürger auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Die Botschaft der USA sowie die diplomatischen Vertretungen anderer Länder forderten ihre Bürger in Mexiko zu erhöhter Wachsamkeit auf. Unter anderem wurde vor Gewalttaten in den beliebten karibischen Urlaubszielen Cancún, Cozumel und Tulum gewarnt.
Flüge nach Mexiko gestrichen
08.12: Aus Sicherheitsgründen strichen oder leiteten Fluggesellschaften Flüge nach Mexiko um. Darunter Verbindungen nach Puerto Vallarta, einer touristischen Stadt an der Pazifikküste, die auch von der Gewaltwelle betroffen war.

Im Bundesstaat Michoacán, dem Geburtsort von «El Mencho», soll der Unterricht in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen heute ausfallen. Das kündigte Gouverneur Alfredo Ramírez an.
Nicht einmal nach der Festnahme des berüchtigten Drogenbosses Joaquín «El Chapo» Guzmán, war es in Mexiko zu ähnlichen Gewaltvorfällen gekommen. Der Anführer des Sinaloa-Kartells wurde 2016 verhaftet. «El Chapo» verbüsst derzeit eine lebenslange Haftstrafe in den USA.












