Machtvakuum in Teheran: Kleriker mahnen schnelle Lösung an

Keystone-SDA
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Iran,

Im Iran deutet ein einflussreicher Kleriker eine baldige Wahl des Nachfolgers für den getöteten Religionsführer Ali Chamenei an. Ajatollah Hassan Mosafari, ein Mitglied des für die Wahl zuständigen Expertenrates, sagte laut der Nachrichtenagentur Fars, man sei zuversichtlich, dass die Ernennung eines neuen Führers in den kommenden 24 Stunden erfolgen werde. Zugleich bat er darum, keine Gerüchte zu verbreiten, warum die Wahl bislang nicht erfolgt sei.

Ali Chamenei
Ajatollah Ali Chamenei wurde laut Israel, den USA und iranischen Staatsmedien getötet. (Archivbild) - keystone

Zuvor war in religiösen Kreisen der schiitischen Hochburg Ghom Kritik immer lauter geworden, warum der für das Verfahren zuständige Expertenrat noch immer keinen Nachfolger bestimmt hat.

«Wir erwarten vom Expertenrat, in dieser Frage zügig vorzugehen, um sowohl die Hoffnungen des Feindes zunichtezumachen, als auch den Zusammenhalt und die Einheit der Nation zu bewahren», erklärte der renommierte Ajatollah Hussein Nuri-Hamedani. Auch der einflussreiche Ajatollah Makarem Schirasi bezeichnete eine rasche Umsetzung als den besten Weg, die nationale Souveränität zu stärken und die Staatsangelegenheiten effektiv zu ordnen.

Nach unbestätigten Berichten gelten Modschtaba Chamenei, der Sohn des verstorbenen obersten Führers, sowie Hassan Chomeini, der Enkel des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini, als die beiden wichtigsten Kandidaten. Weder der 56 Jahre alte Modschtaba noch der 53‐jährige Hassan verfügen jedoch über den in der Verfassung geforderten Rang eines Grossajatollahs.

Laut Verfassung ist der Expertenrat, dem 88 Kleriker angehören, für die Ernennung des neuen obersten Führers verantwortlich. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers führt ein Übergangstrio unter Präsident Massud Peseschkian, dem Justizchef und einem weiteren Geistlichen die Staatsgeschäfte.

Nach Drohungen von US‐Präsident Donald Trump, wonach auch ein möglicher Nachfolger Chameneis getötet werde, herrscht Kennern der iranischen Innenpolitik zufolge in der Führungsebene Unruhe. Solange der Iran-Krieg anhält, wird demnach ein Attentat auf den Nachfolger Chameneis – insbesondere bei öffentlichen Auftritten – für durchaus möglich gehalten. Religionsführer Chamenei war am Samstag vergangener Woche bei einem israelischen Luftangriff getötet worden.

Kommentare

User #2025 (nicht angemeldet)

User #1416 sag es den russen und den Mullahs!

User #1416 (nicht angemeldet)

Seltsam: Wenn man also das Völkerrecht nicht anerkennt, kann man tun, was man will, und wird dafür von westlichen Ländern nicht kritisiert ... Ich bin gespannt, ob der Iran die altmodische Fatwa wieder aus der alten Kiste holen und entstauben wird. Einige opportunistische (juristisch verurteilte oder noch zu verurteilende) „westliche” Führer haben mit diesem westlichen Krieg endgültig ihre selbsternannte ethische Rechtmäßigkeit oder moralische Überlegenheit begraben. Durch diese Aktion wurde das Völkerrecht faktisch außer Kraft gesetzt und gibt Iran und anderen das uneingeschränkte Recht, das Völkerrecht nicht länger zu respektieren. Das Traurige daran ist also, dass der Grund dafür darin besteht, einen religiösen Terrorstaat auszuschalten, und dass der nächste nun bereitsteht (einschließlich Atombomben), um seine eigene Macht vollständig zu missbrauchen. Denn das Ziel scheint eher darin zu bestehen, Chaos und Elend zu schaffen, als der Bevölkerung zu helfen. Das Chaos und Elend wird zunehmen, nur weil zwei Führer den Krieg als Vorwand nutzen, um nicht vor Gericht zu erscheinen und/oder die öffentliche Diskussion darüber zum Verstummen zu bringen. Nein, an diesem Vorgehen ist nichts gerecht, es ist skandalöser, gewalttätiger Opportunismus und wird nur zu weiteren langwierigen Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen führen. Wenn dieser Fatwa weit verbreitet wird, haben die Verursacher dieses illegalen Kriegsunsinns dies selbst provoziert.

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