Lohnt sich Kreuzfahrt statt Heim auch für Schweizer Senioren?
Ein australisches Paar verbringt seine Rente auf hoher See. Das sei günstiger als ein Altersheim. Ist das auch für Schweizer eine preiswerte Option?

Das Wichtigste in Kürze
- Über 2300 Tage hat ein australisches Rentnerpaar auf Kreuzfahrten verbracht.
- Für das Ehepaar sei es günstiger als beispielsweise das Leben in einem Seniorenheim.
- Nau.ch hat bei Experten nachgefragt, ob es ratsam ist, seine Rente so zu verbringen.
Ein australisches Rentnerpaar lebt seit Jahren auf hoher See. Jessica und Marty Ansen, beide 78-jährig, verbrachten bereits über 2300 Tage, umgerechnet über sechs Jahre, auf Kreuzfahrtschiffen.
Sechs Jahre auf Kreuzfahrt, ein teures Unterfangen – könnte man meinen. Doch: «Für uns ist es kostengünstiger als ein Seniorenheim», sagte Marty Ansen beim australischen Fernsehsender «Sunrise».
Lohnt sich das auch für Schweizer Seniorinnen und Senioren? Nau.ch hat bei Experten nachgefragt.
Schweizer Mittelstand-Senioren geben rund 100'000 Franken im Jahr aus
Karl Flubacher ist Pensionierungsexperte und Mitglied der Geschäftsleitung des VermögensZentrums (VZ).
Er zeigt anhand von Zahlen des Bundesamts für Statistik auf, wie hoch die Lebenskosten von Schweizer Seniorinnen und Senioren sind. «2023 hatte ein Schweizer Seniorenehepaar im Mittelstand im Schnitt Ausgaben von rund 100'000 Schweizer Franken jährlich», sagt er.
Das entspricht täglich rund 136 Franken, die pro Person zur Verfügung stehen. Peter Burri von der Seniorenorganisation Prosenectute schätzt die durchschnittlichen Ausgaben etwas tiefer ein, nämlich auf 70-120 Franken pro Tag.
Klar, wer in einer betreuten Alterswohnung oder einem Altersheim lebt, hat deutlich höhere Kosten. In solch einem Szenario ist ein Leben auf einem Kreuzfahrtschiff hinsichtlich der Pflegebedürftigkeit aber sowieso unrealistisch.
Rechnet man mit 120 Franken täglich, lässt sich ein anständiges Zimmer auf einem Kreuzfahrtschiff für ein Jahr buchen. Was sollte Schweizer Rentnerinnen und Rentner also noch aufhalten?
Krank auf dem Kreuzfahrtschiff
Jessica und Marty Ansen berichten, es gebe medizinische Versorgung auf dem Kreuzfahrtschiff. Dennoch sieht Flubacher in diesem Bereich Komplikationen.
Klar, die Erstversorgung sei sicherlich gegeben. Trete aber «etwas gröberes» auf, sei die medizinische Versorgung komplizierter.
Auch angesichts der politischen Situation bestehen aktuell gewisse Risiken. So steckten zu Beginn des Iran-Kriegs über 5000 Kreuzfahrt-Gäste im Nahen Osten fest. Verschlechtert sich in solch einer Situation der Gesundheitszustand, kann es heikel werden.
Soziale Isolation? Von wegen!
Peter Burri meint zudem, dass Rentnerinnen und Rentner auf einem Kreuzfahrtschiff soziale Isolation erleben könnten.
Das Praxisbeispiel von Jessica und Marty Ansen beweist allerdings das Gegenteil: «Viele Passagiere wurden auch enge Freunde», meint das Paar, das seit 55 Jahren verheiratet ist.
«Wenn unser Schiff andere Länder besucht, besuchen wir Freunde, die wir auf dem Meer kennengelernt haben.»
Die beiden hätten in der Zeit auf dem Schiff Freunde aus aller Welt gefunden. So beispielsweise aus Irland, Kanada, den Niederlanden, Alaska und Neuseeland.
Wenn sie schliesslich in Australien anlegen, besuchen die Martys ihre zwei Töchter, fünf Grosskinder und zwei Urgrosskinder. Zeitweise war das reisefreudige Paar drei Monate am Stück an Land, nun haben sie weitere Kreuzfahrten bis September 2027 gebucht.


















