Bergbauriese Fortescue muss für Zerstörung indigener Stätten zahlen
Wegen der Zerstörung kultureller Stätten einer indigen Volksgruppe ist das australische Bergbauunternehmen Fortescue zu einer millionenschweren Entschädigungszahlung verurteilt worden.

Der auf den Abbau von Eisenerz spezialisierte Konzern müsse die Rekordsumme von insgesamt rund 150 Millionen australische Dollar (rund 85 Millionen Franken) zahlen, entschied ein Bundesgericht am Dienstag.
Australischen Medienberichten zufolge handelt es sich um die höchste Entschädigungssumme, die jemals auf Grundlage der Gesetze zur Anerkennung der Landrechte indigener Völker verhängt wurde.
Durch die Bergbauaktivitäten des Unternehmens in der Region Pilbara im Westen des Landes seien 124 als Kulturerbe eingestufte Stätten der Volksgruppe der Yindjibarndi «vollständig zerstört» worden, hiess es in der schriftlichen Urteilsbegründung.
Weitere indigene Stätten seien ausgegraben, von Strassen überdeckt oder überflutet worden. Insgesamt seien über das Land der Volksgruppe vier grosse Tagebauminen, eine Eisenbahnstrecke, eine Halde mit Bergbauabfällen sowie Deponien und ein Materiallager verstreut – zudem sei ein Gebiet von 135 Quadratkilometern eingezäunt worden.
Basierend auf dem Marktwert des Grundstücks sprach das Gericht der Volksgruppe eine nach Angaben Burleys «relativ geringe» Entschädigung von rund 100'000 australischen Dollar zu. Zugleich ordnete das Gericht jedoch an, dass die Entschädigung für den kulturellen Verlust gesondert zu bewerten sei: mit 150 Millionen australischen Dollar.
Diese Summe bleibt indes deutlich hinter den Forderungen der Organisation Yindjibarndi Ngurra Aboriginal Corporation zurück. Diese hatte mehr als 800 Millionen australische Dollar als Ausgleich für wirtschaftliche Verluste sowie einer Milliarde Dollar für kulturelle Verluste geltend gemacht.
Fortescue hatte sich hingegen für eine kulturelle Entschädigung von höchstens acht Millionen australischen Dollar ausgesprochen, zugleich aber anerkannt, dass es einen Anspruch auf Entschädigung gebe.
Die australischen Ureinwohner hatten den Kontinent vor schätzungsweise mindestens 60.000 Jahren erstmals besiedelt. Nach der Ankunft der ersten britischen Siedler im Jahr 1788 wurden sie unterdrückt und diskriminiert. Auch heute noch gelten viele von ihnen als gesellschaftlich benachteiligt – so haben Angehörige indigener Völker beispielsweise eine rund acht Jahre kürzere Lebenserwartung als der Rest der Bevölkerung.










