«Liegt im Interesse des Iran, dass die Waffenruhe hält»
Die Waffenruhe im Nahost-Konflikt bringt dem Iran einen strategischen Vorteil – laut einem Experten liege das klar im Interesse Teherans.

Das Wichtigste in Kürze
- Trump und Irans Aussenminister bestätigten die Waffenruhe zwischen USA, Israel und Iran.
- Trotz militärischer Niederlage sichert sich Irans Regime strategische Vorteile.
- Es verfolgt die Stärkung interner Macht und dürfte die Waffenruhe fortführen wollen.
Teheran und Washington bestätigten eine Waffenruhe zwischen den USA, Israel und dem Iran – mit Ablaufdatum. Im Iran-Krieg herrscht aktuell eine Verschnaufpause von vierzehn Tagen.
Erst kürzlich legte der Iran dar: Der internationale Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus wurde wieder zugelassen.
Im Gegenzug erhielt der Iran mehrere strategische Zugeständnisse der USA. Dazu zählt die Aussetzung von Angriffen. Washington akzeptierte den iranischen 10-Punkte-Plan als Grundlage für Gespräche.
Terror-Experte Hans-Jakob Schindler schätzt die aktuelle Lage für Nau.ch ein – und hebt hervor: Hinter der allmählichen Feuerpause stecke ein klares Kalkül.
Das Regime sichert seinen strategischen Vorteil
Militärisch wirkt die Lage zunächst eindeutig. Die USA und Israel führten mit mehr als 12’000 Angriffen eine gross angelegte Kampagne durch.
Das iranische Regime, so Schindler, sei daher «im konventionellen militärischen Sinn geschlagen». Viele Führungspersonen wurden getötet, die Isolation wuchs weiter.
Doch ein entscheidendes Ziel wurde nicht erreicht: Das System selbst besteht weiter. «Das Regime hat als System überlebt», betont Schindler gegenüber Nau.ch. Damit behalte es die Kontrolle im Innern.
Israel gefährdet die Vereinbarung
Die Waffenruhe macht zudem einen lückenhaften Anschein. Israel fühlt sich offenbar nicht an alle Punkte gebunden – besonders der Libanon sorgt für Spannungen.
Laut Schindler scheint Israel nicht in diesen Teil der Vereinbarung eingebunden zu sein. Denn die Regierung reagierte mit neuen Angriffen im Libanon.
Waffenruhe liegt «im Interesse des iranischen Regimes»
Dem gegenüber dürfte Teheran zurückhaltend bleiben: «Aktuell liegt es absolut im Interesse des iranischen Regimes, dass die Waffenruhe hält», sagt Schindler.
Ein Bruch der Kampfpause sei riskant. Schindler warnt: «Sollte es innerhalb der nächsten zwei Wochen zur erneuten militärischen Auseinandersetzung kommen, hätte das Regime den aktuellen strategischen Vorteil verspielt.»
Mit der fortgeführten Waffenruhe dämpfe sich auch die Wahrscheinlichkeit neuer Angriffe durch die USA.
Politische Termine würden der Feuerpause in die Karten spielen: «Ende April sind auch die Wahlen in Israel und die Midterms in den USA zeitlich relativ nah. Was eine weitere Hürde darstellen würde», schlussfolgert der Experte.
Gleichzeitig nutze der Iran die Gunst der Stunde für seine Kommunikation. Die Führung behauptet, die USA hätten dem 10-Punkte-Plan zugestimmt. Schindler widerspricht gegenüber Nau.ch klar: «Nein, das ist absolut falsch.»
Innenpolitischer Druck prägt die iranische Strategie
Die USA akzeptierten den Plan lediglich als Verhandlungsbasis.
Es handelt sich gemäss Schindler um ein «strategisches Zugeständnis, da es nun zunächst darum gehen wird, die iranischen Maximalforderungen herunterzuhandeln. Und nicht die US-Forderungen zu adressieren.»
Das iranische Regime versuche, gegenüber der Bevölkerung Stärke zu demonstrieren, denn: «Es konnte sich ja im konventionellen Sinne in den letzten Wochen nicht wirklich verteidigen.»
Und was kommt dann?
Für die Zeit nach der Waffenruhe zeichnet der Experte ein düsteres Bild. Dies gelte der Tatsache, dass das iranische Regime «intern schwach und extern isoliert ist. Also wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit die interne Repression enorm nach oben fahren.»
Auch militärisch dürfte der Iran nachrüsten – mit Raketen- und Drohnenprogrammen. Diese dienen der hybriden Kriegsführung, also einer Mischung aus militärischen und nicht-militärischen Methoden.
Schindler spricht jedoch auch von einem «kleinen Fünkchen Hoffnung» aufgrund der aktuellen Schwäche des Regimes. «Sodass es während der Verhandlungen doch noch zu internen Zerrüttungen innerhalb des Machtapparates kommen könnte.»

















