Zivadiliring lässt Fans hängen – ist Durchbeissen out?
Trotz Tournee rauft sich das erfolgreiche Podcast-Trio Zivadiliring nicht zusammen. Fans sind enttäuscht. Doch das Vorgehen der drei Frauen liegt im Trend.

Das Wichtigste in Kürze
- Fans hätten erwartet, dass das Trio Zivadiliring seine Tour wie geplant durchzieht.
- Loyalität sei heute ein Auslaufmodell, sagt eine Kommunikationsexpertin.
- Gleichzeitig boomen Kurse für Resilienz.
Die drei Frauen sind im Freudentaumel. Im Oktober 2025 feiert das Podcast-Trio «Zivadiliring» seine ausverkaufte Show im Zürcher Hallenstadion. Als erste Schweizer Frauen hätten sie das Hallenstadion gefüllt, verkünden sie stolz.
Kein halbes Jahr später folgt der Schock für die Fans: Das Trio trennt sich. Und macht kurzen Prozess: Die angekündigte Frühlingstournee geht ohne Gülsha Adilji über die Bühne.
Yvonne Eisenring und Maja Zivadinovic bestreiten die fünf Shows in Basel, Zürich und Bern nur noch zu zweit.
Offiziell begründen die Frauen das abrupte Ende ihrer Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Vorstellungen über die Weiterentwicklung ihres Podcasts.
«Nicht die feine Art»
Ihre Fans lassen die Podcasterinnen hängen. Da das Trio nicht mehr in der gewohnten Formation auftritt, wollen manche ihre Tickets für die Shows loswerden. Enttäuschung und Kritik machen sich unter den Fans breit.
Ihr Erfolg sei von der Community getragen worden, kritisiert eine Userin auf Instagram. «Das alles jetzt ohne Vorwarnung, ohne Abschiedsfolge zu beenden, ist echt nicht die feine Art uns gegenüber.»
Ein weiterer Fan ist ähnlicher Meinung. «Aufhören ist das eine, aber auf diese Art und Weise …», schreibt er. Ein Abschiedspodcast wäre das Mindeste gewesen. «Auch sollte man die Tour wie geplant durchziehen, wir wollten alle drei live sehen und nicht nur zwei von euch.»
Das Management von Zivadiliring gibt auf Anfrage keine weiteren Auskünfte. «Einzelinterviews zu den Hintergründen geben Gülsha, Maja und Yvonne aktuell nicht», heisst es.
Expertin: Loyalität ist Auslaufmodell
Ist Durchbeissen heute out? Claudia Scherrer überrascht nicht, dass sich das Trio nicht zusammenrauft. Sie ist Verfasserin eines Business-Knigges und Kommunikationsexpertin.
In der Arbeitswelt verhalte es sich wie in Ehen oder im Verkehr, sagt sie zu Nau.ch. «Jeder ist heute unglaublich rücksichtslos.» Alle würden für sich schauen.
«Die Loyalität gegenüber einem Team oder dem Arbeitgeber ist heute ein Auslaufmodell», stellt sie fest.
Scherrer fällt auch auf, dass die Diskussionskultur zunehmend verlorengeht. Es komme vor, dass Mitarbeitende in Sitzungen aufstünden «und sagen, dass sie nicht mehr diskutieren wollen. Weil ihnen etwas nicht passt.» Anderen den schwarzen Peter zuzuschieben, sei beliebt geworden.
Dabei sei der gegenseitige Respekt für das geschäftliche Zusammenleben wichtig. «Wer Respekt zeigt, steigt nicht einfach aus einem Projekt aus.» Wichtig sei eine gute Balance zwischen den eigenen und den fremden Bedürfnissen.
Resilienz-Kurse boomen
Das Resilienz Zentrum Schweiz bietet unter anderem für Firmen Kurse und Seminare für den Umgang mit anspruchsvollen Situationen an.
«Die Nachfrage nach unseren Angeboten ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen», sagt Mario Grossenbacher. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer des Zentrums.
«Viele Unternehmen möchten nicht erst reagieren, wenn Ausfälle entstehen, sondern frühzeitig ansetzen», sagt Grossenbacher. Ihre Angebote helfen dabei, Resilienz konkret im Alltag zu stärken.

«Die meisten Organisationen kommen zu uns, weil sie merken, gesunde, stabile Mitarbeitende sind kein ‹Nice-to-have›», sagt Grossenbacher. Stattdessen handle es sich um eine zentrale Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg.
Komplexere Arbeitswelt als Grund
Der Eindruck, dass die Menschen weniger durchhalten oder egoistischer geworden sind, greift laut Mario Grossenbacher zu kurz. Nicht die Menschen, sondern die Rahmenbedingungen hätten sich verändert.
«Die Arbeitswelt ist schneller, komplexer und oft auch unsicherer geworden», sagt Grossenbacher. Gleichzeitig hätten viele, insbesondere jüngere Generationen, ein stärkeres Bewusstsein für ihre eigenen Grenzen und Bedürfnisse. «Sie fragen sich eher: Passt das für mich langfristig?»
In vielen Fällen sei dies ein Zeichen von Reflexion und Selbstverantwortung. «Die Herausforderung besteht darin, nicht vorschnell aufzugeben, sondern gut abzuwägen.»












