Iran Krieg: Der Tod von Ali Laridschani könnte den Krieg verlängern
Die Tötung von Laridschani durch Israel könnte den Iran-Krieg weiter verlängern. Experten warnen, dass mit ihm eine zentrale Vermittlerfigur weggefallen ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Israel hat Irans Sicherheitschef Ali Laridschani bei einem Luftangriff getötet.
- Experten warnen, dass nun Hardliner der Revolutionsgarden mehr Macht an sich reissen.
- Ohne eine Vermittlerfigur sinken laut Analysen die Chancen auf Verhandlungen.
Der Tod des iranischen Spitzenpolitikers Ali Laridschani könnte den Krieg zwischen Iran, Israel und den USA weiter verschärfen. Der einflussreiche Sicherheitschef wurde nach israelischen Angaben bei einem Luftangriff getötet, Teheran bestätigte seinen Tod inzwischen.
Analysten warnen nun, dass mit Laridschani eine zentrale Figur verschwunden sei, die innerhalb des iranischen Machtapparats zwischen militärischen Hardlinern und politisch pragmatischeren Kräften vermitteln konnte.
In der «Tagesschau» am Dienstag meinte etwa der SRF-Korrespondent, dass die Ausschaltung von Personen wie Laridschani dazu führen könnte, «dass sich der Konflikt noch stärker militarisiert und eine diplomatische Lösung noch schwieriger wird».
Auch eine tiefergehende Analyse der «New York Times» kommt zu diesem Schluss. Demnach dürfte das iranische Militär durch den Tod Laridschanis, seinen Einfluss im politischen System weiter ausbauen.
Jetzt fehlt eine Vermittlungsfigur
Laridschani leitete zuletzt den Obersten Nationalen Sicherheitsrat und galt nach den schweren Verlusten in der iranischen Führung zu Beginn des Krieges faktisch als wichtigster Koordinator der strategischen Entscheidungen des Landes.
Auch Iran-Experte Hamidreza Azizi vom Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit erwartet nun deshalb eine «stärkere Militarisierung des System», wie er gegenüber «NYT» sagt.

Azizi betont, dass Laridschani über Jahre hinweg eine seltene Rolle gespielt habe: Er konnte sowohl mit den Revolutionsgarden als auch mit politischen Eliten und moderateren Kräften innerhalb der Führung zusammenarbeiten. Gerade diese Fähigkeit sei entscheidend gewesen, um in Krisenzeiten Konsens zu schaffen.
Ohne eine solche Figur werde es nun deutlich schwieriger, innerhalb der Elite eine gemeinsame Linie zu finden – etwa für mögliche Verhandlungen über ein Ende der Kämpfe. «Jede Schicht der Führung, die verschwindet, wird durch eine noch härtere ersetzt», so Azizi.
Experte: Israel schaltet gezielt Vermittler aus
Auch andere Experten erwarten eine weitere Radikalisierung. Ali Alfoneh vom Arab Gulf States Institute, der Laridschanis politische Laufbahn analysiert hat, erklärte gegenüber der «NYT», Israel treffe gezielt Persönlichkeiten, die theoretisch noch mit den USA verhandeln könnten.
Dadurch bleibe innerhalb der Machtstruktur vor allem die kompromisslose Linie der Revolutionsgarden bestehen. Eine Analyse von «CNN» kommt zu einem ähnlichen Schluss. Der Politologe Saeid Golkar sagte dem US-Nachrichtensender, der Krieg könnte sich durch Laridschanis Tod sogar verlängern.

Teile der iranischen Führung seien überzeugt, dass sie einen langen Abnutzungskrieg durchstehen könnten – und möglicherweise versuchen würden, den Konflikt für die USA zu einem neuen «Vietnam» zu machen.
Laridschani war eine Art De-facto-Koordinator der Kriegsstrategie
Laridschani galt als einer der erfahrensten Machtpolitiker der Islamischen Republik. Über Jahrzehnte hinweg besetzte er Schlüsselpositionen im Staat: Er war etwa Kommandeur der Revolutionsgarden während des Iran-Irak-Kriegs, leitete später das Staatsfernsehen, fungierte als Chefunterhändler im Atomstreit und war zwölf Jahre lang Präsident des iranischen Parlaments.
Seine Bedeutung wuchs im Verlauf des aktuellen Konflikts weiter. Nach dem Tod von Ali Khamenei zu Beginn der US-israelischen Angriffe galt Laridschani laut mehreren Beobachtern als eine Art De-facto-Koordinator der iranischen Kriegsstrategie.

Gleichzeitig verfügte er über internationale Kontakte und spielte eine wichtige Rolle bei diplomatischen Gesprächen. In den Wochen vor seinem Tod reiste er unter anderem nach Moskau, Beirut, Abu Dhabi und Oman, wo Vermittlungsversuche zwischen Teheran und Washington stattfanden.
Gerade diese Mischung aus politischer Erfahrung, militärischem Hintergrund und diplomatischen Kontakten habe ihn laut Experten zu einer einzigartigen Figur im iranischen System gemacht. Solche Persönlichkeiten seien selten und kaum zu ersetzen.
















