Iran: Das ist über Ali Chameneis Sohn Modschtaba bekannt
Das iranische Regime sucht nach dem Tod Ali Chameneis einen neuen Obersten Führer. Vieles deutet daraufhin, dass der Nachfolger aus der gleichen Familie stammt.

Das Wichtigste in Kürze
- Modschtaba Chamenei ist Favorit auf die Nachfolge seines getöteten Vaters Ali Chamenei.
- Der wohl neue Oberste Führer des Irans hat enge Beziehungen zu den Revolutionsgarden.
- Der 56-Jährige arbeitete für seinen Vater und gilt als Architekt der Repression.
Nach dem Tod von Irans Oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei im Alter von 86 Jahren sucht das Mullah-Regime einen Nachfolger.
Am Dienstag diskutierte Irans Expertenrat in mehreren Sitzungen über die Kandidaten. Ein Treffen soll in einem Gebäude in der Stadt Ghom geplant gewesen sein, das Israel aus diesem Grund schliesslich bombardierte.
Zum Zeitpunkt des Angriffs war das Gebäude aber leer, meldete die iranische Nachrichtenagentur Fars später.
Sohn wird wohl neues iranisches Oberhaupt
Als Favorit auf die Nachfolge Ali Chameneis gilt Berichten zufolge nun dessen zweitältester Sohn Modschtaba.
Glaubt man dem Oppositions-Medium «Iran International», ist der 56-Jährige bereits als neuer Oberster Führer bestimmt worden. Die Revolutionsgarden hätten demnach Druck auf den Expertenrat ausgeübt.
Modschtaba Chamenei blieb der Öffentlichkeit bislang grösstenteils fern und bekleidete kein offizielles politisches Amt im Iran. Doch innerhalb des Regimes gilt er seit langer Zeit als einflussreiches Mitglied.
Laut «Iran International» arbeitete er für das Büro seines Vaters und war dessen Machtvermittler. Zudem soll er enge Beziehungen zu den Revolutionsgarden pflegen und einer der Architekten der Repression sein.
Während des Iran-Irak-Kriegs in den 1980er-Jahren diente Modschtaba Chamenei bei den Streitkräften. Beziehungen aus dieser Zeit sollen ihm zu seinen Verbindungen zum iranischen Sicherheitsapparat verholfen haben.
Was gegen den 56-Jährigen als Nachfolger seines Vaters spricht: Modschtaba Chamenei gehört nicht zu den ranghöchsten Geistlichen im Iran und ist kein Ajatollah.
Ist sich die Elite aber einig, kann er trotzdem zum Obersten Führer ernannt werden. Politische Autorität spielt hierbei eine grosse Rolle.
Ali Chamenei soll sich gegen Sohn ausgesprochen haben
Gemäss «Daily Mail» hatte sich Ali Chamenei zuletzt noch gegen seinen Sohn als Nachfolger ausgesprochen. Die Vater-Sohn-Nachfolge gilt bei den schiitischen Geistlichen im Iran als negativ.
Modschtaba Chamenei überwacht Berichten zufolge ein Investmentimperium von über 100 Millionen Dollar. Und das, obwohl er 2019 von den USA sanktioniert wurde.
Des Weiteren habe er Zugang zu luxuriösen Immobilien in London und Bankaccounts in der Schweiz, Grossbritannien, Luxemburg und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Neben Ali Chamenei starben bei den israelischen Raketen am Samstag weitere hohe Regierungsbeamte sowie Chameneis Frau und Tochter. Auch Modschtaba Chameneis Ehefrau und ein Sohn sollen getötet worden sein.
Gegenüber der «New York Times» sagten drei iranische Offizielle, das Chamenei am Dienstag als klarer Favorit aus den Sitzungen hervorging. Einige Mitglieder des Expertenrats wollten ihn jedoch noch nicht als neuen Obersten Führer verkünden, um ihn nicht zum Ziel amerikanisch-israelischer Angriffe zu machen.
Revolutionsgarden könnten mächtiger werden
Die Wahl Modschtaba Chameneis zum neuen Obersten Führer wäre eine vielsagende, sagt Vali Nasr, Experte für den Iran und den schiitischen Islam zur US-Zeitung.
Zuvor lange als möglicher Nachfolger gehandelt, schien der 56-Jährige «in den letzten zwei Jahren aus dem Blickfeld geraten zu sein. Wenn er gewählt wird, deutet dies darauf hin, dass nun die eher hardlinerische Seite des Regimes, die Revolutionsgarde, das Sagen hat.»

Der Analyst Mehdi Rahmati aus Teheran bezeichnet die allfällige Wahl Modschtaba Chameneis als «die klügste». Er sei «mit der Leitung und Koordination von Sicherheits- und Militärapparaten bestens vertraut» und bereits «dafür verantwortlich».
Doch: «Ein Teil der Öffentlichkeit wird negativ und heftig auf diese Entscheidung reagieren. Und es wird eine Gegenreaktion geben.» Oppositionelle sähen im Sohn des bisherigen Obersten Führers die Fortsetzung des Regimes, das im Zuge der Proteste erst im Januar tausende seiner Bürger tötete.
Der Expertenrat besteht aus 88 Mitgliedern und ernennt, überwacht und entlässt gegebenenfalls das Oberhaupt. Zum zweiten Mal in 47 Jahren wählt es nun Irans neuen Obersten Führer aus.

















