Indien setzt in Tempeln auf Roboter-Elefanten
In Indien spenden Tierschützer mechanische Elefanten an Tempel. Traditionalisten sträuben sich und wollen lebende Dickhäuter.
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- In Indien ersetzen Roboter-Elefanten in einigen Tempeln die lebenden Dickhäuter.
- Tierschützer unterstützen das und sprechen von Folter der Tiere.
- Traditionalisten berufen sich auf Spiritualität und wehrt sich gegen die Neuerung.
Seit Jahrhunderten werden Elefanten im Hinduismus als heilige Symbole verehrt. Zahlreiche Tempel besitzen Elefanten, die sie bei Paraden und Zeremonien reich geschmückt einsetzen. Einige setzen jetzt aber auf Roboter-Elefanten. Das kommt nicht überall gut an.
Die mechanischen Dickhäuter bestehen aus Glasfaser, Eisen und Gummi, wie «ABC» berichtet. Sie können die Ohren, die Augen sowie den Kopf bewegen und Wasser aus dem Rüssel spritzen. Die Körperteile sind biegsam.
Selbst der Erschaffer Prasanth Prakashan sagt, dass seine Kreation noch weit weg sei von einem echten Elefanten. «Aber wir versuchen, das Wesen dieses majestätischen Tieres so gut wie möglich einzufangen.» Laufen könne der Roboter nicht – noch nicht, wie Prakashan betont. Er arbeite daran.
Die Tierschutzorganisation Peta hat zusammen mit anderen Organisationen 40 dieser Roboter-Elefanten für je 6000 Dollar gekauft und an Tempel gespendet. Bei einigen Gläubigen kommen sie gut an, bei anderen gar nicht.
In Indien leben noch rund 2500 Elefanten in Gefangenschaft. Laut Andrea Gutierrez von der Universität Texas sind die meisten Bullen, vor allem wegen der eindrücklichen Stosszähne. Doch das berge eine Gefahr: Männliche Elefanten durchliefen regelmässig die Musth, eine Fortpflanzungsphase mit enormen Testosteron-Schüben und Aggressionen.
Echte Elefanten verursachen hohe Kosten
Immer wieder kommt es deshalb zu tödlichen Vorfällen mit Elefanten, die ausrasten. 2024 beispielsweise starben neun Personen während Tempel-Feierlichkeiten mit Elefanten.
Einige Priester wollen deshalb auf mechanische Tiere setzen. Für echte fallen hohe Kosten für Unterkunft, Nahrung und auch Versicherung an. Rajkumar Namboothiri leitet einen Tempel in Kerala, in dem ein Roboter-Elefant steht. Aus seiner Sicht brauchen die Rituale in den Tempeln keine echten Elefanten.
Die Tiere seien zum Anfang verwendet worden, als sie noch zur Kavallerie der Könige gehört hätten, vermutet er. Doch damals habe es noch Dschungel und Wälder gegeben. «Heute haben wir Städte, Strassen, Lärm und Hitze. Die Elefanten werden gefoltert und missbraucht.»
«Mit Elefanten lässt sich viel Geld machen»
Krishnan Mahesh vertritt die Ansicht der Traditionalisten und will keine mechanischen Elefanten in den Tempeln sehen. Er glaubt, dass die Tiere heilig sind. «Und wenn du nicht glaubst, dass Elefanten heilig sind, warum hast du dann Roboter-Elefanten im Tempel?», fragt er bei «ABC».
Er selbst besitzt seit 25 Jahren einen Elefanten, den er rund 45 Tage pro Jahr für religiöse Festivals vermietet. Das Tier sei «wie ein Familienmitglied oder ein Haustier». Wenn es mit Sorge und Vorsicht behandelt werde, könne es viel Freude bringen.
P.S. Easa, ein Biologe aus Kerala, glaubt nicht, dass sich Roboter-Elefanten je durchsetzen werden. «Leider kann man mit Elefanten viel Geld machen. Es geht nicht um Tradition oder Spiritualität – es geht um religiösen Tourismus.»

















