Israel kündigt «taktische Pause» im Gaza-Krieg an

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    Keystone-SDA, Redaktion

    Palestina,

    Im Gazastreifen gibt es durch den von Israel geführten Gaza-Krieg eine Hungersnot. Nun wirft Israel Hilfsgüter aus der Luft ab.

    Gaza
    Die Hungersnot in Gaza spitzt sich zu. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Israel wirft Hilfsgüter über Gaza ab, um die humanitäre Lage zu verbessern.
    • Israel stoppte zuvor ein Aktivisten-Schiff mit Hilfsgütern für den Gazastreifen.
    • Macron fordert eine Waffenruhe und eine internationale Konferenz zur Zweistaatenlösung.
    • Am Sonntagmorgen kündigte Israel eine «taktische Pause» an.

    Israel kündigt eine «taktische Pause» im Gaza-Krieg an. Das gab die israelische Armee am Sonntagmorgen via Telegram bekannt.

    Begründet wird die Pause mit humanitären Zwecken. Betroffen sind die Orte Al-Mawasi und Deir el-Balah sowie Gaza-Stadt. Dort war die Armee zuletzt nicht aktiv.

    Die israelische Armee reagiert auf die heftige internationale Kritik an der humanitären Lage im Gazastreifen mit dem Abwurf von Hilfsgütern aus der Luft und der Einrichtung «humanitärer Korridore». Es seien sieben Paletten mit Hilfsgütern wie Mehl, Zucker und Lebensmittelkonserven abgeworfen worden, die von internationalen Organisationen bereitgestellt worden seien, teilte das Militär in der Nacht mit.

    Es erklärte sich zudem bereit, in dicht besiedelten Gebieten «humanitäre Pausen» einzulegen, um UN-Konvois den sicheren Transport von Lebensmitteln und Medikamenten zu ermöglichen.

    Nahostkonflikt - Gaza-Stadt
    Nach Angaben der Hamas-Behörden sterben Kinder durch Unterernährung. - dpa

    Das Aussenministerium kündigte eine solche «Pause» für heute Morgen an. Einen Zeitplan oder Orte für solche Feuerpausen nannte die Armee laut der «Times of Israel» zunächst nicht. Zugleich betonte sie, weiter gegen «Terroristen» in den Einsatzgebieten vorzugehen.

    Israel weist Vorwurf des Aushungerns zurück

    Die Armee teilte ferner mit, eine Entsalzungsanlage zur Aufbereitung von Trinkwasser im Gazastreifen wieder an das israelische Stromnetz angeschlossen zu haben. Die eingeleiteten Massnahmen zielten darauf ab, die Humanitäre Hilfe dort zu verbessern «und die falsche Behauptung zu widerlegen, dass der Gazastreifen absichtlich ausgehungert wird», erklärte das Militär auf Telegram.

    Seit dem Zusammenbruch einer Waffenruhe im März sind nur noch wenige Hilfsgüter in das abgeriegelte Küstengebiet gelangt. Israel und die UN werfen sich gegenseitig vor, die Verteilung der Hilfsgüter zu behindern. Es sei das erste Mal, dass Israel seit Beginn des Krieges Hilfsgüter aus der Luft in den Gazastreifen abgeworfen habe, nachdem es zuvor nur anderen Ländern erlaubt hatte, solche Aktionen durchzuführen, schrieb die «Times of Israel».

    Auch der Aussenminister der Vereinigten Arabischen Emirate kündigte auf X an, die Abwürfe würden «umgehend wieder aufgenommen.» Helfer halten die Methode jedoch wegen der relativ geringen Mengen Lebensmittel für ineffektiv. Ausserdem könnten Menschen am Boden durch die Paletten verletzt werden.

    Israelische Soldaten stoppen Aktivisten-Schiff

    Israelische Soldaten stoppten unterdessen ein Schiff mit propalästinensischen Aktivisten, die mit Hilfsgütern in Richtung des Gazastreifens unterwegs waren. Das israelische Aussenministerium bestätigte auf X, dass die «Handala» daran gehindert worden sei, in die Gewässer vor dem abgeriegelten Küstengebiet zu gelangen.

    Die Passagiere seien in Sicherheit und würden zur israelischen Küste gebracht. «Unbefugte Versuche, die Blockade zu durchbrechen, sind gefährlich, rechtswidrig und untergraben die laufenden humanitären Bemühungen», hiess es.

    Israel
    Israels Armee stoppt die Handala. - X

    Zuletzt hatte ein Schiff der Freedom Flotilla im Juni versucht, in den Gazastreifen zu gelangen. An Bord war unter anderem die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Auch dieses Schiff war vom israelischen Militär gestoppt worden. Thunberg war wenige Tage später ausgewiesen worden.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte zuletzt vor einer tödlichen Hungerkrise unter den rund zwei Millionen Bewohnern des Gazastreifens. Israel bestreitet die Gefahr einer tödlichen Hungerkrise und spricht stattdessen von einer Kampagne der islamistischen Hamas. Sie kapere Hilfstransporter, um mit Geld für die erbeuteten Hilfsgüter ihre Kämpfer zu bezahlen. Weiteres Problem sei, dass die UN Lastwagen nicht abholten und zu den Menschen brächten. Die UN weisen das zurück. Sie erhielten selten Erlaubnis zur Einreise von Transportern.

    Macron: Frieden ist möglich

    Um die UN-Hilfsorganisationen und andere Initiativen zu umgehen, führte die israelische Regierung vor einiger Zeit ein neues Verteilungssystem mit Hilfe der umstrittenen Gaza Humanitarian Foundation (GHF) ein. Seither gibt es immer wieder Berichte über tödliche Zwischenfälle nahe der Verteilstellen der GHF. Der Leiter des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), Phillipe Lazarrini, nannte die Zentren «sadistische Todesfallen».

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf X nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi, die Blockade von Hilfsgütern und die Ausweitung des israelischen Militäreinsatzes in Gaza stellten ein untragbares Risiko für eine Hungersnot und die Zwangsvertreibung der Bevölkerung dar. «Wir können nicht hinnehmen, dass die Bevölkerung, darunter viele Kinder, an Hunger stirbt», schrieb Macron und forderte erneut eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln. «Frieden ist möglich».

    Eine am Montag in New York von seinem Land und Saudi-Arabien geplante internationale Konferenz zur Zweistaatenlösung müsse eine neue Dynamik zugunsten einer gerechten und dauerhaften Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts auf der Grundlage der Zweistaatenlösung schaffen, schrieb Macron. Die Arbeit werde auf der UN-Generalversammlung im September in New York fortgesetzt. Macron hatte zuvor bereits angekündigt, er werde dort dann die Anerkennung Palästinas als Staat verkünden. Dafür hatte er scharfe Kritik Israels und seines Verbündeten USA auf sich gezogen.

    Tausende fordern in Tel Aviv Deal zur Geisel-Freilassung

    In Israel gingen derweil mehrere Tausend Menschen für eine Waffenruhe in Gaza und die Freilassung der weiter von der Hamas festgehaltenen Geiseln auf die Strasse.

    Bei der Kundgebung in Tel Aviv appellierte eine frühere Geisel an US-Präsident Donald Trump: «Ich bitte Sie dringend: Bitte nutzen Sie alle Mittel, alle Einflussmöglichkeiten, um sie alle nach Hause zu holen. Ein umfassendes Abkommen ist der einzige Weg nach vorn, und nur Sie können es möglich machen.» Am Donnerstag hatten die USA und Israel ihre Verhandlungsteams von den indirekten Gesprächen in Katar über eine Feuerpause zurückgerufen.

    Israel-Gaza-Krieg
    Israel-Gaza-Krieg: Tausende Menschen fordern in Israel einen Deal zur Freilassung der Geiseln im Gazastreifen. - dpa

    Wie es jetzt mit den Bemühungen um eine Waffenruhe weitergeht, bleibt abzuwarten. Nach israelischen Angaben befinden sich noch 50 Geiseln im Gazastreifen, von denen noch mindestens 20 am Leben sein sollen. Terroristen der Hamas und andere Islamisten hatten bei ihrem Überfall in Israel am 7. Oktober 2023 mehr als 250 Menschen in den Gazastreifen verschleppt. Mehr als 1.200 Menschen wurden getötet. Es war der Auslöser des Krieges.

    Seither sind laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen Zehntausende Menschen getötet worden. Die unabhängig nicht überprüfbaren Angaben unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern.

    Kommentare

    User #5923 (nicht angemeldet)

    15 Min Pause zum Nachladen Marsch

    User #5923 (nicht angemeldet)

    Die grösste Ablenkung vom Gazakrieg usw findet in Ukraine statt damit Netanjahu weiter Wüten kann !

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