Bei einer Explosion in einer illegalen Öl-Raffinerie im Süden Nigerias sind mindestens 110 Menschen getötet worden.
Rauch über der illegalen Raffinerie in Nigeria
Rauch über der illegalen Raffinerie in Nigeria - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Präsident Buhari spricht von «Katastrophe».

Die Zahl der Toten sei auf 110 gestiegen, da weitere Menschen ihren Brandverletzungen erlegen seien, sagte Ifeanyi Nnaji von der Katastrophenschutzbehörde am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Präsident Muhammadu Buhari sprach von einer «Katastrophe» und forderte die Behörden auf, den Kampf gegen illegale Raffinerien zu verstärken.

In den Krankenhäusern lägen Dutzende weitere Menschen mit schweren Verbrennungen, wie Nnaji sagte. Zuvor hatte er noch von 80 Toten gesprochen, aber die Befürchtung geäussert, die Zahl könne weiter steigen. Es gebe Berichte über viele Leichen im nahe der Raffinerie gelegenen Buschland und in Wäldern. Nach Angaben örtlicher Medien waren unter den Opfern vor allem junge Menschen.

Das Gelände der illegalen Raffinerie sei schwer verwüstet, sagte Nnaji. Er sprach von mehreren ausgebrannten Fahrzeugen und Kanistern. Einige der «illegalen Betreiber und ihre Kunden» hätten noch versucht, sich in Sicherheit zu bringen.

Die Explosion hatte sich nach Polizeiangaben am späten Freitagabend an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Rivers und Imo ereignet. Zum Zeitpunkt der Detonation hatten sich demnach Betreiber der illegalen Öl-Raffinerie und Kunden zu einem Geschäft versammelt.

Der Chef der staatlichen nigerianischen Behörde zur Behebung von Öllecks, Idris Musa, sagte der AFP, es sei eine Untersuchung zu dem Vorfall eingeleitet worden. Seinen Angaben zufolge waren unter den Todesopfern vor allem «an der illegalen Öl-Raffination und -Bunkerung beteiligte» Menschen.

Im Süden Nigerias ist die illegale Raffination von Rohöl weit verbreitet. Öldiebe zapfen dort regelmässig Pipelines an, um Rohöl zu stehlen, das sie dann raffinieren und auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Nach Angaben aus Industriekreisen verliert Nigeria wegen der verbreiteten Kriminalität täglich rund 200.000 Barrel Rohöl.

Die Aktivitäten von Öldieben haben auch massive Auswirkungen auf die Umwelt. Im Nigerdelta kommt es durch auslaufendes Öl häufig zu Verschmutzungen in Wasser- und Sumpfgebieten. Auch gibt es immer wieder tödliche Unfälle. Die bislang schwerste Explosion an einer Pipeline ereignete sich im Oktober 1998 im Ort Jesse. Mehr als 1000 Einwohner kamen damals ums Leben.

Die nigerianische Regierung setzt auch das Militär ein, um illegale Raffinerien im Nigerdelta aufzuspüren und zu zerstören. Die meisten Menschen in der Region leben in Armut, obwohl das Land mit rund zwei Millionen Barrel pro Tag der grösste Ölproduzent des Kontinents ist.

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