Wieder mehr Menschen flüchten aus Afghanistan. Grund dafür ist die sich rasch zuspitzende Bedrohung durch die Taliban nach Abzug der internationalen Truppen.
Ein afghanisches Mädchen, das aufgrund von von Kämpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskräften aus ihrer Heimat geflohen ist, steht vor einem Zelt in Masar-e Scharif und isst Brot. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
Ein afghanisches Mädchen, das aufgrund von von Kämpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskräften aus ihrer Heimat geflohen ist, steht vor einem Zelt in Masar-e Scharif und isst Brot. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa - sda - Keystone/AP/Rahmat Gul

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Anzahl der vor Gewalt flüchtenden Afghanen hat in letzter Zeit wieder zugenommen.
  • Viele versuchen, sich in den Iran durchzuschlagen, berichten Experten.
  • Grund ist die erhöhte Bedrohung durch die Taliban, die ein Viertel der Provinzen besetzt.

Die Zahl der aus Afghanistan vor Gewalt flüchtenden Menschen steigt Beobachtern zufolge wieder an. Gebildete versuchten, über Stipendien oder durch Investitionen in Nachbarländer oder in die Türkei zu gelangen. Dies berichtet Thomas Ruttig von der Kabuler Denkfabrik Afghanistan Analysts Network.

Viele weitere versuchten, sich in den Iran durchzuschlagen. Teilweise machten sich wieder ganze Fahrzeugkonvois auf den Weg, zum Teil sogar mit Fahrzeugen von Armee und Polizei.

Flüchtlinge Afghanistan
ARCHIV - Ungeachtet anhaltender Gewalt im kriegszerrissenen Afghanistan leben Zehntausende Menschen als Schutzsuchende in dem Land. (Bild aus Kabul) Foto: Mariam Zuhaib/AP/dpa - sda - Keystone/AP/Mariam Zuhaib

Auch die Migration aus Afghanistan über den Iran in die Türkei nimmt Beobachtern zufolge stark zu. Die türkische Provinz Van, die an den Iran grenzt, sei voll von Migranten aus Afghanistan. Das sagt Mehmet Karata, der Chef des Menschenrechtsverein IHD in der Provinz, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Medienberichte, wonach geschätzt mehr als 1000 Migranten täglich die Grenze passieren, könne er bestätigen.

Erneuter Bürgerkrieg droht

Zu den Fluchtgründen sagt Ruttig Folgendes: Die afghanischen Flüchtlinge seien Kriegsflüchtlinge, auch wenn einige bei Befragungen durch Behörden angäben, ein «besseres Leben» zu wollen. Dass dies in Afghanistan nicht möglich sei, sei eine Folge der seit mehr als 40 Jahren andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen.

Zuletzt hatte sich die Sicherheitslage in Afghanistan wieder zugespitzt. Seit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen Anfang Mai haben die Taliban wieder an Grund gewonnen. Die militant-islamistische Gruppe hat rund ein Viertel der Bezirke des Landes eingenommen und ist in mehrere Provinzhauptstädte eingedrungen.

In vielen Provinzen stehen nun Milizen den strauchelnden Sicherheitskräften zur Seite. Beobachter fürchten, das Land könnte in einen weiteren Bürgerkrieg abdriften.

Mehr zum Thema:

Migration Gewalt Schweizer Armee Angst Taliban