Empörung gross: Israel versprüht im Libanon Pflanzengift Glyphosat
Ein israelisches Flugzeug hat nahe der Grenze eine Substanz über libanesischen Feldern abgesetzt. Im Libanon ist die Empörung gross. Was steckt dahinter?
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- Ein israelisches Flugzeug versprühte Chemikalien nahe der Blauen Linie im Libanon.
- Die UN-Blauhelmtruppe Unifil war vorab informiert und spricht von möglichem Verstoss.
- Libanon vermutet das wohl krebserregende Glyphosat und warnt vor massiven Umweltschäden.
Im Süden des Libanon hat ein israelisches Kleinflugzeug Chemikalien über Feldern versprüht. Videos in sozialen Netzwerken zeigen das Flugzeug im Tiefflug mit einem weiss-grauen Schleier hinter sich. Die UN-Friedenstruppe Unifil war vorab von der israelischen Armee informiert worden.
Kandice Ardiel, Sprecherin von Unifil, sagte der ARD: «Die Friedenstruppe erhielt im Vorfeld eine Benachrichtigung der israelischen Armee, dass diese ein Luftmanöver durchführen werde.»
Israel habe angekündigt, entlang der sogenannten Blauen Linie eine ungiftige Substanz abzuwerfen.
Die UN sagte daraufhin Patrouillen ab und blieb neun Stunden in den Kasernen. Ardiel betonte: «Wir sind besorgt über diesen Vorfall, denn das ist eine Verletzung der Resolution.»
Libanon meldet Einsatz von Glyphosat und spricht von massiven Schäden
Im Libanon sorgt der Vorfall für Empörung. Nach Angaben des Landwirtschaftsministers Nizar Hany wurde offenbar das Herbizid Glyphosat versprüht.
Die World Health Organization stuft Glyphosat als «wahrscheinlich krebserregend» ein. Es tötet sämtliche Pflanzen.

Hany spricht von massiven Schäden: «Dieses Herbizid zerstört alles, wenn es in so hohen Konzentrationen wie von Israel eingesetzt wird: 30- bis 50-mal so hoch wie die übliche Dosis.»
Die Landwirtschaft im Süden sei bereits durch den Krieg 2024 zwischen Israel und der Hisbollah schwer getroffen worden.
Damals seien auch Phosphorbomben eingesetzt worden. «Wir haben massive Schäden auf Tausenden von Hektar. Die finanziellen Verluste übersteigen 800 Millionen US-Dollar», so Hany.
Forscherin warnt vor langfristigen Folgen für Umwelt und Ernährung
Zaynab Nemr, Doktorandin an der American University Beirut, warnt vor langfristigen Folgen. Das Besprühen treffe die Region zum Beginn der Pflanzsaison.
Eine stark kontaminierte Erde könne sich erst nach Jahren erholen. Das gefährde die Lebensmittelsicherheit, Wasserqualität und Artenvielfalt.
Seit mehr als einem Jahr gilt ein Waffenstillstand. Dennoch zählt Unifil nach eigenen Angaben mehr als 10'000 Verstösse Israels gegen die Waffenruhe. Immer wieder kommt es zu Luftangriffen im Süden des Libanon.
Experte nennt militärische Motive – Israel schweigt
Kristian Brakel von der Heinrich-Böll-Stiftung in Beirut nennt zwei mögliche Gründe für das Versprühen: «Das eine ist vor allem: Entlaubung des Unterholzes, damit es weniger Möglichkeiten für Kämpfer der Hisbollah gibt, sich da zu verstecken.»
Der zweite: Es könne um die Kontrolle einer faktischen Pufferzone gehen, in die Zivilisten nicht zurückkehren sollen.
Die israelischen Streitkräfte äusserten sich auf ARD-Anfrage nicht. «Die IDF geben zu diesem Thema keinen Kommentar ab.»




















