Ehepaar Moretti von Angehörigen der Opfer als «Mörder» bezeichnet
Das Ehepaar Moretti wurde vor der Anhörung von Angehörigen der Opfer beschimpft und als «Mörder» bezeichnet. Die Polizei verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen.

Das Wichtigste in Kürze
- Jacques und Jessica Moretti wurden am Donnerstag erneut befragt.
- Bei der Ankunft wurden sie von Angehörigen der Opfer beschimpft.
- Jacques reagierte und sagte, sie würden Verantwortung übernehmen.
Die Barbetreiberin Jessica Moretti ist am Donnerstag im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS zum zweiten Mal einvernommen worden. Ihre Ankunft und die ihres Ehemannes Jacques Moretti in Sitten wurde von Angehörigen der Opfer begleitet, die sie heftig attackierten. Die Walliser Kantonspolizei kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken.
Jessica Moretti, die für 9 Uhr vorgeladen war, traf gegen 8.50 Uhr mit ihrem Ehemann Jacques ein. Neben einer Schar von Journalisten, Fotografen und Kameraleuten wurde die 40-jährige französische Staatsbürgerin auch von Angehörigen der Opfer erwartet.

Als Jessica und Jacques Moretti das Haupttor des Campus Energypolis in Sitten betraten, wurden sie heftig beschimpft. Beide wurden mehrfach als «Mörder» bezeichnet.
«Ihr habt meinen Sohn getötet, ihr habt meinen Bruder getötet. Wo ist mein Sohn? Ihr seid Monster. Wie könnt ihr essen und schlafen?», war in einer besonders angespannten Szene zu hören.
Jacques Moretti: «Wir sind keine Mafia»
Jacques Moretti fühlte sich angegriffen und reagierte spontan: «Wenn wir zahlen müssen, werden wir zahlen. Wir sind keine Mafia, wir sind Arbeiter. Wir werden unsere Verantwortung übernehmen, wir werden uns der Sache annehmen, das versprechen wir Ihnen, wir sind hier, um Gerechtigkeit zu erlangen.»
Nach diesen Tumulten reagierte die Walliser Kantonspolizei umgehend. Sie werde «ihre Vorkehrungen ab Donnerstagabend anpassen», teilte sie der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage mit. Bis Donnerstagmorgen war die Ankunft des Ehepaars und von deren Anwälten jeweils von zwei Beamten begleitet worden, ohne dass es zu Ausschreitungen kam.
Morettis sprachen mit Mutter von Opfern
Jessica Moretti, die am 21. Januar bereits von den mit dem Fall betrauten Staatsanwältinnen befragt worden war, musste am Donnerstag zahlreiche Fragen der Zivilparteien beantworten. Am Vortag war ihr Ehemann in gleicher Weise befragt worden.
Die Stimmung war also ganz anders als am Vortag. Am Mittwoch hatte sich das Ehepaar Moretti 20 Minuten lang unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit einer Mutter von zwei Teenagern unterhalten, die bei dem Drama Verbrennungen erlitten hatten und die sich entschlossen hatte, zur Verhandlung gegen den Barbetreiber zu kommen.
Diese Anwesenheit von Angehörigen möge legitim sein, sie dürfe aber nicht von den rechtlichen Fragen ablenken, um diesen Fall vollständig aufzuklären, sagte Didier Elsig, einer der Anwälte der Zivilparteien, am Donnerstagmorgen. Wenn Familien das Bedürfnis hätten, zu sprechen, stehe es ihnen frei. Andere seien jedoch überhaupt nicht in dieser Stimmung.
Opfer-Mutter: «Ich werde ihnen vorerst nicht vergeben»
24 Stunden nach ihrem Treffen mit den Morettis äusserte sich die Mutter der beiden verletzten jungen Frauen, Leila Micheloud, in den sozialen Netzwerken: «Ja, ich habe sie getroffen, ich habe ihnen zugehört, aber ich habe ihnen nicht vergeben und werde ihnen vorerst auch nicht vergeben», erklärte sie.
Und weiter sagte sie: «Meine Priorität ist es, dass meine Töchter genesen, dass es ihnen besser geht und dass wir unser Leben wieder aufbauen können. Was ich den Morettis gesagt habe, werde ich für mich, meine Töchter und meinen Mann behalten.»
Zum Gedenken an die 41 Verstorbenen und zur Unterstützung der 115 Verletzten ist für Samstag um 10 Uhr vor der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana eine Blumenniederlegung geplant. Dabei soll laut den Organisatoren – Angehörige der Opfer – eine Schweigeminute und ein Moment der Andacht eingelegt werden.










