Wie Infantino den Anruf von Trump rechtfertigt
Trump gestand, FIFA-Boss Infantino wegen der Rotsperre gegen US-Stürmer Balogun angerufen zu haben. Infantino weist Einfluss zurück.

US-Präsident Trump hat öffentlich eingeräumt, persönlich bei FIFA-Präsident Infantino angerufen zu haben. Er bat darum, die Rotsperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun zu überprüfen, wie die «Sportschau» berichtet.
Trump erklärte laut «n-tv» vor Journalisten im Weissen Haus, er habe lediglich eine Prüfung verlangt. «Alles, was ich getan habe, war, um eine Überprüfung zu bitten. Ich habe nicht gesagt, ihr müsst das tun», sagte Trump laut «Sportschau».
Die FIFA hatte Baloguns Sperre kurz zuvor überraschend auf Bewährung ausgesetzt. Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Einsteigen in einen Gegenspieler die Rote Karte gesehen, wie das «Handelsblatt» berichtet.
Infantino betont Unabhängigkeit der FIFA-Gremien
Infantino bestätigte den Anruf durch Trump in einer offiziellen Stellungnahme des Weltverbands. Er habe Trump auf das laufende Verfahren hingewiesen und die Zuständigkeit der unabhängigen Gremien betont, so die «Sportschau».
«So funktioniert das System der FIFA, und dieses Prinzip werde ich stets wahren», sagte Infantino. Eine eigene Einflussnahme auf die Entscheidung wies er damit zurück.
Unmittelbar nach der Entscheidung hatte Trump via Truth Social reagiert und sich bei der FIFA bedankt. Er erklärte, der Weltverband habe eine grosse Ungerechtigkeit rückgängig gemacht, wie das «Handelsblatt» festhält.
Anrufe von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt
Infantino betonte, er erhalte regelmässig Anrufe von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zu unterschiedlichsten Themen. Den Anruf von Trump habe er daher nicht als aussergewöhnlichen Vorgang betrachtet, erklärte Infantino in seiner Stellungnahme.
Im Gespräch mit Trump habe er klargestellt, dass ein laufendes juristisches Verfahren der unabhängigen FIFA-Gremien anhängig sei. Die zuständigen Instanzen würden den Fall zu gegebener Zeit entscheiden, habe er Trump mitgeteilt, so Infantino, berichtet «n-tv».
Infantino räumte ein, dass ihn Entscheidungen des Disziplinarausschusses manchmal überraschten oder er anderer Meinung sei. «Ob uns eine Entscheidung persönlich gefällt oder nicht, ist unerheblich», betonte Infantino in seiner Stellungnahme.
Breite Kritik an Trump und Infantino
Der belgische Verband RBFA erhob Vorwürfe gegen die FIFA und scheiterte mit einem Einspruch. Der Weltverband erklärte die Beschwerde als unzulässig, da Belgien keine Verfahrenspartei sei, meldet die «Sportschau».
DFB-Präsident Bernd Neuendorf forderte eine rasche Aufklärung durch den Weltverband. Der Eindruck einer aktiven politischen Einflussnahme auf den Sport müsse «zügig und schlüssig ausgeräumt werden», betonte Neuendorf.

Die UEFA sah ebenfalls eine rote Linie als überschritten an, wie die «Sportschau» berichtet. Eine automatische Mindestsperre nach einer Roten Karte sei keine Ermessensentscheidung und dürfe keine Ausnahmen kennen.
Trump greift auch Schiedsrichter an
Auch den brasilianischen Schiedsrichter Raphael Claus griff Trump in der Pressekonferenz an.
Er bezeichnete Claus ohne Belege als «ein bisschen suspekt», wie «n-tv» berichtet.
Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter meldete sich via X ebenfalls zu Wort. Rote Karten dürften nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben werden, erklärte Blatter laut dem «Handelsblatt».












