Washington-Schütze war Teil von CIA-Todesschwadron
Der mutmassliche Schütze von Washington arbeitet in einer Todesschwadron in Afghanistan. Nach dem US-Abzug flüchtete er in die USA.

Das Wichtigste in Kürze
- Der mutmassliche Washington-Schütze arbeitet in Afghanistan mit der CIA zusammen.
- Er war Teil einer Zero Unit, die auch als «Todesschwadronen» bezeichnet wurden.
- Ihnen werden Menschenrechtsverstösse und Morde an Zivilisten vorgeworfen.
Am Mittwoch schoss ein Mann in Washington auf zwei Mitglieder der Nationalgarde. Eine Frau verstarb, ein Mann liegt schwer verletzt im Spital. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Nun kommen immer weitere Details über ihn ans Licht.
Schnell wurde bekannt, dass es sich um einen 29-jährigen Afghanen handelt. Vor seiner Flucht in die USA arbeitete er in Afghanistan und Pakistan mit der CIA zusammen. Direktor John Ratcliffe bestätigte dies am Donnerstag. Der Verdächtige habe mit der US-Regierung, darunter der CIA, als «Mitglied einer Partnergruppe» gearbeitet.
Im Internet tauchte kurz später ein Ausweis mit Name und Foto des Mannes auf. Darauf steht: «NSU 03, Kandahar Strike Force.» Verschiedene Quellen aus Regierungs- und Geheimdienstkreisen bestätigen dessen Echtheit gegenüber «CBS» und der «New York Times».
Der Verdächtige wuchs laut den Berichten in einem kleinen Dorf in Afghanistan auf. Als er ein Kind war, marschierten die US-Truppen ein, installierten eine von ihnen gestützte Regierung und bekämpften den Terrorismus. Kabul und die Gegenden rund um ihre Stützpunkte kontrollieren die US-Soldaten, in abgelegenen Regionen aber operierten die Taliban ungestört weiter.
Und da kamen die «Strike Forces», auch Zero Units genannt, ins Spiel. Dabei handelte es sich um paramilitärische Truppen, die formal dem afghanischen Geheimdienst NDS unterstellt waren. Die CIA rekrutierte die Kämpfer dafür, trainierte und rüstete sie auf.
Zero Units werden Menschenrechtsverstösse vorgeworfen
Die Zero Units wurden oft von den USA in den abgelegenen Regionen eingesetzt, um Gegner festzunehmen oder zu töten. Da es sich bei den Kämpfern ausschliesslich um Afghanen handelte, war es für sie leichter, sich unbemerkt anzunähern. Oft wurden sie von US-Soldaten unterstützt, beispielsweise durch Luftschläge.
Der Verdächtige von Washington heuerte als junger Mann bei einer Zero Unit an. Die «Kandahar Strike Force» gilt als eine der ältesten Zero Unit und war dafür da, Terroristen in Pakistan zu jagen. Wobei jagen der richtige Begriff ist: Menschenrechtsorganisationen werfen den Zero Units schwere Verstösse vor.
Die schnellen Eingreiftruppen erhielten die Informationen meist direkt von der CIA – wobei sie nicht immer korrekt waren. Meist nachts landeten die Kämpfer in den Dörfern, sprengten Türen sowie Mauern auf und drangen in Häuser ein. Männer, Frauen und Kinder wurden voneinander getrennt und teils unter Waffengewalt verhört. Zielpersonen oder mutmassliche Zielpersonen wurden verschleppt oder direkt hingerichtet.
Zero Units haben Hunderte Zivilisten getötet
Bewohner bezeichneten die Zero Units als «Todesschwadronen». Menschenrechtsorganisationen konnten die Tötung von über 450 Zivilisten nachweisen, es dürften aber deutlich mehr gewesen sein.
Als sich die USA im Spätsommer 2021 aus Afghanistan zurückzogen, wurden die Zero Units ein letztes Mal eingesetzt: In Kabul hielten sie den US-Truppen den Rücken frei, da die Taliban wieder vorrückten.
Die Kämpfer der Zero Units werden von den Taliban als Kollaborateure mit den USA angesehen und müssen Vergeltung fürchten. Viele von ihnen wurden deshalb evakuiert – so auch der Verdächtige von Washington. Nachdem eine weitere Sicherheitsüberprüfung keine Terrorismus-Verbindungen gefunden hatte, zog er mit seiner Frau und den fünf Kindern in die USA.





















