Amazon dürfte bald eine US-Gewerkschaft erhalten. Es wäre dies die erste in der 27-jährigen Geschichte des Konzerns.
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Mitarbeiter in der Lobby der Zentrale von Amazon in Seattle. Foto: Elaine Thompson/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis am Montag können Mitarbeiter über eine mögliche Gewerkschaft bei Amazon abstimmen.
  • Es wäre dies die erste US-Gewerkschaft in der 27-jährigen Geschichte des Unternehmens.
  • Amazon gerät wegen seinen Arbeitsbedingungen oft in die Kritik.

Die Fronten sind verhärtet, die Gemüter erhitzt: Amazon und Gewerkschaften – das passte noch nie zusammen. Immer wieder gerät der weltgrösste Online-Händler wegen seiner Arbeitsbedingungen in die Kritik. In Europa ist das Verhältnis deshalb entsprechend angespannt.

In den USA hingegen haben Gewerkschaften beim Konzern des reichsten Menschen der Welt, Jeff Bezos, bislang gar nichts zu melden. Amazon ist zwar nach Walmart der zweitgrösste Arbeitgeber im Land, doch eine gewerkschaftliche Vertretung gibt es nicht. Das könnte sich in wenigen Tagen ändern.

Prominente Unterstützung

Seit fast zwei Monaten stimmen die rund 6000 Beschäftigten eines Logistiklagers in Bessemer, Alabama, über eine Arbeitnehmervertretung ab. Eine historische Wahl, die den Weg für die erste US-Gewerkschaft bei Amazon ebnen könnte. Dies in der rund 27-jährigen Geschichte des Konzerns.

Kein Wunder also, dass das Votum landesweit grosses Interesse auf sich zieht. Beim Wahlkampf erhielt die Gewerkschaft bereits Unterstützung von Spitzenpolitikern bis hin zu Präsident Joe Biden und etlichen anderen Prominenten.

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Jeff Bezos, CEO von Amazon, ist aktuell der reichste Mensch der Welt. - Keystone

Nun steht der Show-down unmittelbar bevor: Die Mitarbeiter können bis zum Fristende an diesem Montag entscheiden, ob sie für den Anschluss an die US-Handelsgewerkschaft RWDSU sind.

Forderung nach sicheren Bedingungen und fairen Löhnen bei Amazon

Dass die Abstimmung so lange dauert, liegt am Briefwahlverfahren wegen der Pandemie. Amazon hatte versucht, das Votum zu verzögern, war jedoch mit einem Einspruch bei der Arbeitnehmerschutzbehörde National Labor Relations Board abgeblitzt.

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Blick in ein Logistikzentrum von Amazon. - dpa

Die Initiative der Gewerkschaft will sicherere Arbeitsbedingungen und faire Löhne erstreiten. Amazon ist der Ansicht, seinen Beschäftigten all dies bereits zu bieten.

Strapaziöses Pensum und Überwachung

Der Bezos-Konzern brüstet sich in einer Stellungnahme zum Thema mit einem der im Branchenschnitt höchsten Löhne. Zudem gäbe es umfassende Nebenleistungen ab dem ersten Tag im Job sowie Karrieremöglichkeiten und ein sicheres und modernes Arbeitsumfeld.

Tatsächlich hat Amazon seine Bezahlung in den USA deutlich angehoben. Doch gerade in den Logistikzentren klagen Beschäftigte immer wieder über das hohe und strapaziöse Arbeitspensum sowie über angebliche Überwachung.

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