Netflix startet «Vladimir» über Macht und Begehren
Die Miniserie «Vladimir» auf Netflix mit Rachel Weisz zeigt eine Professorin in der Krise – und entlarvt dabei kulturelle Doppelmoral beim Begehren.

Professorin M steckt in einer persönlichen Krise, wie das «GQ-Magazin» beschreibt. Mit über 50 hat sie das Gefühl, ihren Zenit überschritten zu haben.
Ihr Mann John widmet sich seit Jahren jüngeren Frauen, die Tochter plant die eigene Familie. Als der attraktive Vladimir an die Universität kommt, ergreift M die Chance: Sie malt sich erotische Begegnungen mit ihm aus.
Die neue Serie auf Netflix «Vladimir» macht wütend, allerdings nicht aus den erwarteten Gründen, erläutert das «GQ-Magazin». M setzt ihren Kollegen David unter Druck und droht, nicht mehr mit ihm zu schlafen, falls er sie nicht unterstützt.
Begehrt werden als Selbstwert
Als David klar macht, dass er kein Interesse mehr hat, ist M zutiefst verletzt. Obwohl sie selbst ihn längst nicht mehr attraktiv findet, soll er sie dennoch begehrenswert finden.
Genau darin zeigt sich die Komplexität ihrer Geschichte, analysiert das «GQ-Magazin». Ihr Wert als Person hängt direkt davon ab, wie sexuell begehrenswert sie ist.
In dem Moment, da sie zurückgewiesen wird, bricht ihr Selbstwert völlig zusammen. Diese Szene macht wütend, weil sie zeigt, wie Frauen eingeredet wird, sich über sexuelle Anziehungskraft zu definieren.
Unzuverlässige Erzählerin im Fokus
Die Serie auf Netflix nutzt konsequent Ms Perspektive, die direkt in die Kamera spricht, berichtet der «Filmdienst». Dadurch verschwimmen Realität und Fiktion zusehends, M ist eine klassische unzuverlässige Erzählerin.
Ihre Schilderungen entsprechen nicht immer der Wahrheit, erklärt der «Filmdienst». M behauptet, ihr Salat beim Fakultätstreffen sei ein Hit gewesen.
In Wahrheit rührte niemand die Speise an. Durch diese Technik hinterfragt die Serie permanent, was tatsächlich geschah und was nur in Ms Fantasie existiert.
Erotik hauptsächlich im Kopf
Die Erotik spielt sich hauptsächlich im Kopf der Hauptfigur ab, beschreibt «Digitalfernsehen». Es geht weniger um das Akrobatische, sondern um Spannungen und Knistern zwischen den Charakteren.

Vladimir ist dauerhaft aufgegeilt, analysiert «Digitalfernsehen». Immer wenn der titelgebende Vlad die Bildfläche betritt, könnte sofort die nächste Vision losgetreten werden.
Die Serie zeigt, wie sich die Welt in Ms Kopf verlangsamt, berichtet «Digitalfernsehen». Sie bestaunt den muskulösen Körper oder stellt sich intime Szenen mit ihm vor.
«Vladimir» auf Netflix: Kulturelle Doppelmoral entlarvt
Vladimir entpuppt sich als Geschichte über kulturelle Doppelmoral, resümiert das «GQ-Magazin». Der eigentliche Antagonist ist eine Kultur, die Männern erlaubt, mit zunehmendem Alter an Status zu gewinnen.
Gleichzeitig wird Frauen beigebracht, dass ihr Wert untrennbar an Jugend gebunden ist. Die Serie stellt M nicht als tragische Figur dar, sondern als rebellische Frau mit Handlungsmoment.
Der Titel ist eine bewusste Anspielung auf Vladimir Nabokovs Lolita, erklärt das «GQ-Magazin». Statt die junge Frau zu benennen, trägt hier der junge Mann den Titel der Geschichte.
















