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ZSC Lions – Denis Malgin: «Wir wollen Geschichte schreiben»

Nicola Berger
Nicola Berger

Denis Malgin hat die ZSC Lions zwei Mal in Folge zum Meistertitel geführt. Im Interview erklärt der 28-jährige Stürmer, was ihn antreibt.

Denis Malgin SLAPSHOT Eishockey
Denis Malgin ist ein Schweizer Eishockeyspieler russischer Abstammung. - POSTFINANCE / KEYSTONE / Andreas Becker

SLAPSHOT: Mit dem ZSC gewannen Sie zuletzt zwei Mal den Meistertitel und auch die Champions Hockey League. Wird man irgendwann satt von all den Erfolgen?

Denis Malgin: Also ich nicht, an meinem Erfolgshunger hat sich nichts verändert. Mit dem ZSC sind wir derzeit in fast jedem Spiel der Favorit.

Es gibt auf den Rängen die Erwartung, dass wir jeden Abend gewinnen. Und die habe ich auch.

Eishockey Denis Malgin
Der Postfinance Topscorer Denis Malgin vom ZSC ist Linkshänder mit rechtem Griff. - PostFinance/KEYSTONE/Urs Flueeler

Aber leider funktioniert der Sport nicht so, wir sind nicht die einzige Mannschaft mit guten Spielern.

SLAPSHOT: Welcher der beiden Meistertitel war emotionaler? 2024 verletzten Sie sich in der Belle und konnten nicht mehr mittun, war das Mitfiebern anstrengender?

Malgin: Es ist schwierig, das zu vergleichen. Du wirst des Gefühls, Meister zu werden, ja nie überdrüssig. Aber 2024 war vielleicht schon noch ein bisschen spezieller.

Schon nur weil Zürich eine Weile auf diesen Erfolg hatte warten müssen. Und wir feierten anders als 2025 zu Hause, das war ein unvergesslicher Abend.

SLAPSHOT: Es ist drei Jahrzehnte her, dass mit Kloten ein Team drei Mal in Folge Meister wurde. Ist das intern ein Thema?

Malgin: Zumindest wissen wir darum. Es ist ein Ansporn. Wir wollen Geschichte schreiben. Aber man sollte schon nicht die Illusion haben, dass es einfach wird.

Wir sind die Gejagten, jeder will den Meister schlagen. Und momentan fehlt uns die Leichtigkeit, die Spiele sind oft ein Krampf.

Denis Malgin Eishockey Lausanne
Der heute 28-jährige Denis Malgin spielte auch schon beim HC Lausanne. - PostFinance/KEYSTONE/Alexandra Wey

Doch wir wissen, was wir können. Es muss uns einfach wieder gelingen, die Qualität aufs Eis zu bringen.

SLAPSHOT: Apropos Geschichte schreiben: Das versuchen Sie auch mit dem Nationalteam …

Malgin: Wir waren jetzt mehrmals nahe dran. Hoffentlich klappt es 2026. Ich glaube, dass wir gute Chancen haben.

Auch, weil es ein Olympiajahr ist. Und bei den anderen Nationen vielleicht nicht alle Top-Spieler zwei internationale Turniere innerhalb von drei Monaten bestreiten wollen.

Aber wir brennen darauf. Weltmeister werden, was gibt es Grösseres? Und dann noch zu Hause, in Zürich sogar, die Vorfreude ist riesig.

SLAPSHOT: 2025 unterlag die Schweiz den USA. Ist man vor einem WM-Final nervöser als vor einem Playoff-Final?

Malgin: Bei mir war es so, ja. Bevor es losging, war ich sehr angespannt, es war ja mein erster WM-Final.

Vielleicht hat uns das ein bisschen gefehlt: die Lockerheit. Und das Selbstbewusstsein, dem Gegner unser Spiel auch in einem Final aufzuzwingen. Man muss ehrlicherweise sagen, dass wir die USA selten kontrollieren konnten.

SLAPSHOT: Zuvor stehen die Olympischen Spiele in Italien an. Für Sie wird es das zweite olympische Turnier nach Peking 2022. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Malgin: Es war ein surreales Erlebnis. China, mitten in der Pandemie. Ich musste während des Turniers zehn Tage in Quarantäne und erhielt das Essen durch die Tür zugeschoben.

Mir war wahnsinnig langweilig, es gab im Hotelzimmer nichts zu tun. Ich machte Liegestützen, um mich fit zu halten.

Auch das Turnier selbst war eigenartig, es gab ja kaum Zuschauer, weniger als 1000 pro Spiel. Für mich hat es sich nicht wie Olympia angefühlt. Das wird dieses Mal bestimmt anders.

SLAPSHOT: Seit Ihrer Rückkehr aus der NHL sind zweieinhalb Jahre vergangen. Hat sich ein NHL-Comeback inzwischen erledigt?

Malgin: Ich denke im Moment nicht über die NHL nach. Es gab in diesem Sommer auch keinen Kontakt mehr. Aber man weiss nie, was passieren kann.

SLAPSHOT: Während Corona spielten Sie 2020/21 für Lausanne, wo Ihr ehemaliger Agent Petr Svoboda das Zepter schwang. Gab es eigentlich keine Bemühungen des LHC, Sie erneut zu verpflichten?

Malgin: 2023 habe ich nur mit dem ZSC geredet. Schon 2020 war Zürich mein erster Ansprechpartner, damals hatte der ZSC aber keinen Platz.

Es war ein schönes Jahr in Lausanne, wir hatten ein gutes Team. Aber mein Klub ist der ZSC.

SLAPSHOT: Sie haben momentan keinen Berater und sparen so die fünf bis sieben Prozent, welche für die «Agent Fee» normalerweise fällig werden.

Malgin: Ich habe nie Militärdienst geleistet und zahle drei Prozent Wehrpflichtersatzgabe. Das ist mein Agent (lacht).

SLAPSHOT: Was ist mit der KHL?

Malgin: Als ich 2023 beim ZSC unterschrieb, gab es schon einige Angebote. Ich finde es eine sehr spannende Liga. Sag niemals nie, vielleicht wird das irgendwann eine Option, wenn die Weltlage besser ist, wenn Frieden herrscht.

Denis Malgin Eishockey
Denis Malgin ist der Sohn des früheren Eishockeyprofis Albert Malgin. - PostFinance/KEYSTONE/Urs Flueeler

Aber heute und morgen ist das sowieso kein Thema, mein Vertrag beim ZSC läuft ja noch bis 2028, und ich fühle mich hier extrem wohl. Es ist die Stadt, in der ich erwachsen geworden bin. Für mich und meine Familie bedeutet sie Heimat.

SLAPSHOT: Haben Sie den russischen Pass?

Malgin: Nicht mehr. Aber ich könnte ihn wieder beantragen.

SLAPSHOT: Sie schwärmten einst vom Trainer Gerard Gallant, der Sie in Florida coachte und heute in Schanghai in der KHL wirkt. Hat er Sie schon angerufen?

Malgin: Nein. Aber es stimmt, ich mochte ihn. Er liess mich bei den Panthers neben Jonathan Marchessault stürmen.

Leider wurde er dann schnell entlassen. Und ich fand mich auf der Tribüne wieder (lacht).

SLAPSHOT: Ihr Vater Albert coacht seit dieser Saison in der zweithöchsten russischen Liga VHL Molot Perm, das Farmteam von Lokomotiv Jaroslawl.

Malgin: Perm ist seine Stadt, wir haben dort viele Verwandte, auch mein Grossvater lebt noch. Ich bin sehr glücklich für ihn, dass es mit dem Engagement geklappt hat.

Auch wenn er jetzt halt den Winter über für Hütedienste unseres Sohnes nicht zur Verfügung steht (lacht).

Ich schaue die Spiele regelmässig per Stream an. Es ist eine interessante Liga mit 32 Teams und langen Reisen.

SLAPSHOT: Sehen Sie sich eines Tages selbst als Coach?

Malgin: Vielleicht. Ich bin schon ziemlich verbissen in diesem Geschäft. Aber ich mache mir noch nicht allzu viele Gedanken über die Zeit nach der Karriere. Es bleiben mir hoffentlich noch viele Jahre als Spieler.

SLAPSHOT: Wird man Sie mit 40 noch auf dem Eis sehen?

Malgin: Das wäre der Plan, ja. Sofern ich gesund bleibe, ist das realistisch.

SLAPSHOT: Sie sind vor eineinhalb Jahren erstmals Vater geworden. Inwiefern hat die Vaterschaft Ihr Leben verändert?

Malgin: Mein Sohn stellt eine enorme Bereicherung dar. Wenn ich nach Hause komme, schalte ich völlig ab. Wobei mir das schon immer recht gut gelungen ist.

SLAPSHOT Denis Malgin Eishockey
Denis Malgin plant, bis zum Alter von 40 Jahren weiterzuspielen. - POSTFINANCE / KEYSTONE / Andreas Becker

Ich habe glücklicherweise auch keine Probleme damit, nach Spielen in den Schlaf zu finden.

SLAPSHOT: Gibt es individuelle Ziele, die Sie sich setzen?

Malgin: Ich würde gerne einen Weg finden, noch konstanter zu werden. Ich habe den Anspruch, jeden Tag meine Leistung abzurufen, zu dominieren.

Aber das gelingt nicht immer. Gerade wenn wir innert 24 Stunden zwei Mal spielen, fehlen manchmal fünf Prozent. Weil der Kopf müde ist.

Ich verstehe, dass es wirtschaftliche Interessen gibt, am Freitag- und Samstagabend spielen zu wollen. Aber für die Spieler ist es nicht optimal.

In der AHL mit Springfield habe ich sogar ab und zu drei Spiele innert drei Tagen absolviert, das war absurd. Glücklicherweise gibt es das nicht mehr.

Denis Malgin ZSC Lions
Denis Malgin ist ein wertvoller Spieler in der Offensive. - PostFinance/KEYSTONE/Michael Buholzer

Wir sollten uns Gedanken machen, wie wir die Belastung auch in der Schweiz besser steuern können.

SLAPSHOT: Sie gehören in der National League konstant zu den besten Spielern und Skorern. Ist es überhaupt möglich, sich hier weiterzuentwickeln?

Malgin: Ja. Es ist eine starke Liga. Und ich pushe mich ja auch selbst. Und es gibt schon Aspekte, in denen ich seit der Rückkehr in die Schweiz Fortschritte gemacht habe.

Ich bin zum Beispiel ruhiger geworden. Das heisst, dass ich nichts mit der Brechstange zu erzwingen versuche. Das ist auch eine Qualität.

SLAPSHOT: Mit Ihrem Linienkollegen Sven Andrighetto scheinen Sie sich quasi blind zu verstehen. Woher kommt diese beneidenswerte Chemie?

Malgin: Das hat sich so entwickelt. Bevor wir hier zusammenfanden, hatten wir eigentlich nicht viel miteinander zu tun, ich bin ja etwas jünger. Aber es stimmt, dass wir sehr gut harmonieren.

Sven Andrighetto ZSC Lions
Sven Andrighetto ist Linienkollege von Denis Malgin. - PostFinance/Marcel Bieri

Das tue ich allerdings auch mit Rudolfs Balcers. Er ist im Team wahrscheinlich mein engster Freund, wir verständigen uns auf Russisch.

SLAPSHOT: Vor knapp einem Jahr trat der ZSC-Meistercoach Marc Crawford aus gesundheitlichen Gründen zurück. Haben Sie seither mit ihm geredet?

Malgin: Ich habe ein paar Mal versucht, ihn anzurufen, habe ihn aber nicht erreicht. Was völlig okay ist, er soll sich die Zeit nehmen, die er braucht. Es gibt Dinge, die viel wichtiger sind als Eishockey.

Über Denis Malgin

Nationalität: Schweiz/Russland. Geboren: 18. Januar 1997. Grösse: 175 Zentimeter. Gewicht: 81 Kilogramm. Stock: rechts. Bei den ZSC Lions seit: 2023. Vertrag bis: 2028.

Bisherige Klubs: Colorado Avalanche (NHL), Toronto Maple Leafs (NHL), Lausanne HC, Florida Panthers (NHL), Springfield Thunderbirds (AHL)

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