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ZSC Lions: Baechlers Traumstart

SLAPSHOT
SLAPSHOT, Nicola Berger

Zürich,

In seiner ersten ganzen Saison als Stammkraft bei den ZSC Lions schaffte es Nicolas Baechler auf Anhieb an die WM. Er hat die Metamorphose vom Geheimtipp zur arrivierten Stammkraft in Rekordzeit bewältigt.

Nicolas Baechler Slapshot
Nicolas Baechler im Einsatz für die ZSC Lions. - imago

2019 spielt Nicolas Baechler in der U17-Elit der ZSC Lions. Eishockey ist tief in der Familie verankert – der Onkel Matthias spielte während Jahren in der Nationalliga, auch im ZSC. Und der Vater Michael im Zürcher Amateurhockey.

Für Nicolas ist der Sport zu diesem Zeitpunkt ein Hobby, auch wenn er es mit grossem Enthusiasmus betreibt und sich schon als Teenager wünscht, nach Arizona zu fliegen, um dort an einem Camp des Skating-Trainers Boris Dorozhenko teilzunehmen, der einst schon Auston Matthews betreute.

Die Eltern kamen dem Wunsch nach, doch Baechler sagt heute trotzdem: «Ich dachte, dass es für eine Profikarriere nicht reichen wird.» Dann folgt die Pandemie.

Baechlers Freundin ist zu diesem Zeitpunkt Leistungsschwimmerin, und er staunt, wie oft und hart sie trainiert. «Ich bin da ziemlich auf die Welt gekommen. Einstellungstechnisch war das ein Augenöffner.

Nicolas Baechler
Nicolas Baechler, rechts, kämpft um den Puck im Playoff-Final-Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und Lausanne im Jahr 2024. - keystone

Sie hat neunmal die Woche trainiert und das sicher nicht weniger hart als ich», sagt er. Zu Hause richtet er sich einen Trainingsbereich ein und intensiviert seine Anstrengungen. Die Resultate lassen nicht lange auf sich warten: Physisch macht er grosse Fortschritte. Sie zinsen rasch auch auf dem Eis.

Im Herbst 2021 debütiert Baechler bei den GCK Lions in der Swiss League. Dort findet er im Trainer Michael Liniger einen Fürsprecher, der über ihn sagt: «Er war früh sehr reif, verantwortungsbewusst und lernbegierig.»

Ein paar Monate später reist Baechler mit der U20-Nationalmannschaft an die WM in Kanada. Er, der zuvor auf keiner Nachwuchsstufe berücksichtigt worden war. «Die Zeit bei GCK hat mir sehr gutgetan. Ich konnte mich dort in Ruhe weiterentwickeln», sagt Baechler.

Crawford schenkt ihm schnell das Vertrauen

Richtig Fahrt nimmt die Karriere ab dem Zeitpunkt auf, an dem Marc Crawford im Dezember 2022 Trainer der ZSC Lions wird. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Rikard Grönborg war sich der Kanadier nicht zu schade, in der KEK Küsnacht Partien der GCK Lions zu besuchen. Entsprechend wusste er um die Qualitäten Baechlers – und schenkte ihm auch in den Playoffs das Vertrauen.

Nicolas Baechler

Geboren: 23. August 2003

Grösse: 187 cm

Gewicht: 92 kg

Stock: links

Bei ZSC Lions seit: 2023

Vertrag bis: 2028

Bisherige Klubs: GC Küsnacht Lions (SL)

Unter Crawford und später auch unter dessen Nachfolger Marco Bayer – seinem alten Coach bei GCK – gedeiht Baechler so prächtig, dass sein Vertrag schon im Oktober 2024 eilig bis 2028 verlängert wird. Der Lohn für eine famose Saison ist die Berufung in den WM-Kader.

Er sagt: «Schon das Aufgebot im November hat mich überrascht. Mit der Nomination für die WM rechnete ich überhaupt nicht. Es war eine wunderbare Erfahrung.» Baechler ist ein körperlich robuster Zwei-Weg-Center, dessen Spiel man schon mit der Lupe durchleuchten muss, um Schwächen zu finden. Die Spielintelligenz ist überdurchschnittlich, das taktische Verständnis ebenfalls.

Und inzwischen ist auch in der NL sein kreatives Potenzial erwacht. Sein Punkteschnitt liegt inzwischen bei rund 0,3, was sehr respektabel ist für einen, der derzeit kein Powerplay spielt und in erster Linie mit Defensivaufgaben beschäftigt ist.

Steigerungspotenzial gibt es vorab bei den Bullys, wo seine Erfolgsquote unter 50 Prozent liegt. «Ich ärgere mich, wenn ich weniger als die Hälfte der Anspiele gewinne. Ich arbeite im Training regelmässig daran.» Immer wieder legt er Extraschichten mit seinen Teamkollegen Justin Sigrist und Vinzenz Rohrer ein.

Schaust du Eishockey?

Letzterer habe auch schon beim Bullykönig der Liga, dem Langnauer Hannes Björninen, nach Ratschlägen gefragt, verrät Baechler. Die Center-Position ist anspruchsvoll, es ist knifflig, die Balance zwischen Offensivdrang und defensiver Verantwortung zu finden. Auch Baechler sagt: «Es ist für junge Spieler sehr schwierig, sich in der National League als Center durchzusetzen.»

Er übertreibt nicht: Praktisch alle Teams beschäftigen auf der Mittelachse zwei Ausländer. In Zürich gibt es zudem kein Vorbeikommen an Denis Malgin.

Das nächste Ziel: Ein Platz im Powerplay

Baechler hat es sich zum Ziel gesetzt, Stück um Stück mit mehr Verantwortung betraut zu werden. Bislang klappt das hervorragend: Im Vergleich zur Vorsaison erhält er fast drei Minuten Eiszeit zusätzlich, unter den Schweizer Stürmern im ZSC ist er die Nummer 5, es sind inzwischen fast 15 Minuten. Das nächste Etappenziel wird sein, sich einen Platz im Powerplay zu erkämpfen.

Schon jetzt hat er es weit gebracht. Und Baechler sagt, dass es sich für ihn auch in der dritten Profisaison so anfühle, als würde er gerade seinen Bubentraum leben. In seinen ersten zwei Jahren als offizielles Mitglied der ersten Mannschaft hat Baechler mit zwei den Meisterschaften von 2024 und 2025 sowie dem Triumph in der Champions Hockey League von 2025 drei Titel geholt – und dazu WM-Silber.

Es ist schwierig, in so kurzer Zeit mehr Erfolg zu haben. Stellt sich da kein Sättigungsgefühl ein? «Nein», sagt Baechler, «es ist eher ein Treiber. Nächte wie jene einer Meisterfeier so schnell wie möglich wieder erleben zu können». Auch die für ZSC-Verhältnisse mittelmässige Qualifikation 2025/26 sei nicht auf Genügsamkeit zurückzuführen.

Auch die Schwester gehört zur nationalen Elite

In der Familie Baechler verkörpert nicht nur Nicolas nationale Spitzenklasse im Eishockey: Seine Schwester Alessia ist erst 20, hat aber bereits an vier Weltmeisterschaften teilgenommen und gewann mit dem ZSC drei Meistertitel. Inzwischen spielt sie mit einem sich über vier Jahre erstreckenden Stipendium in den USA für die Northeastern University – es ist das gleiche College, welches einst schon Alina Müller besuchte, Baechlers grosse Mentorin.

Durch die räumliche Distanz und weil inzwischen beide Geschwister zu Hause ausgezogen sind, ist der Austausch selbstredend weniger intensiv als in den Jahren zuvor, aber Nicolas sagt: «Wir hören uns natürlich weiterhin regelmässig und schauen, wie es dem anderen läuft.» Auch für ihn bleibt Nordamerika ein Fernziel, er sagt: «Das wäre ein Traum. Aber es ist nicht so, dass ich jeden Tag daran denke. Wenn mich mein Weg irgendwann rüberführt, dann ist das super. Aber meine Konzentration liegt darauf, mich beim ZSC weiterzuentwickeln.»

«Wir sind jetzt mehr denn je die Gejagten, jeder Gegner ist gegen uns speziell motiviert. In den letzten zwei Jahren hatten wir ein fast unzerstörbares Selbstbewusstsein, das uns an jedem Abend die Gewissheit gab, dass wir gewinnen werden. Diese Aura ist jetzt ein bisschen verloren gegangen. Aber ich bin mir sicher, dass wir sie wiederfinden werden.»

In schwierigen Phasen tut Abwechslung Not – und Baechler mangelt es daran nicht. 2023 schloss er das Gymnasium ab, aktuell steht er im dritten Semester eines Fernstudiums in Wirtschaftswissenschaften. «Es gibt auch noch ein Leben neben dem Eishockey», sagt Baechler. Wie hätte er das auch vergessen können? Er, der sich eines in diesem Kosmos lange gar nicht zugetraut hatte.

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