Michael Kapla: Mehr als die Gunderson-Kopie
Der 31-jährige Michael Kapla hatte die schwere Aufgabe, bei Gottéron in die grossen Fussstapfen seines Landsmannes Ryan Gunderson zu treten. Der amerikanische Verteidiger löste diese Aufgabe jedoch mit Bravour.

Sechs Jahre lang hatte Ryan Gunderson das Spiel von Gottéron geprägt. Zuverlässig wie eine Schweizer Uhr konnte sich der Verteidiger in 348 Partien für die Freiburger 239 Skorerpunkte notieren lassen, ehe er nach der Saison 2024/25 – kurz vor seinem 40. Geburtstag – seine Laufbahn beendete. Um «Gundi» zu ersetzen, entschieden sich die Saanestädter für die Variante «Copy-Paste» und holten Michael Kapla.
Wie sein Vorgänger Gunderson ist auch er Amerikaner, Linkshänder, offensiv ausgerichtet und stiess aus Schweden zu Gottéron. Die perfekte Kopie also? «Ich bin kein Freund von solchen Vergleichen. Gunderson war natürlich auch ein Klasse-Verteidiger», urteilt Trainer Roger Rönnberg, der beide Backs aus seiner Zeit bei Frölunda als Gegenspieler bestens kannte.
Man habe die Hausaufgaben gemacht und Kapla sehr gut gescoutet. «Wir wussten alles über seinen Charakter und sind jetzt darin bestätigt. Michael ist ein ausgezeichneter Teamplayer, selbstlos und einer von der Sorte, die ihre Mitspieler besser machen.» Kapla sei nicht nur ein offensiver Blueliner, sondern ein starker Zweiwegverteidiger, gut mit und ohne den Puck, befindet Rönnberg. «Und, er hat sich schnell an die National League angepasst.»
Wie ein Quarterback
Tatsächlich. Kapla machte Gunderson schneller vergessen, als es viele für möglich gehalten hätten. Mehr noch: Die Nummer 3 der Freiburger ist drauf und dran, in Sachen Skorerwerten einen neuen persönlichen Rekord in seiner bisherigen professionellen Laufbahn zu realisieren.
«Es stimmt hier einfach für mich. Ich kann im Powerplay spielen, habe dabei an Vertrauen gewonnen und mache in Überzahl einen guten Job. Kommt hinzu, dass ich ständig an meinem Skoring arbeite und probiere, in die Gefahrenzone zukommen. Ich schaue, wie der Goalie positioniert ist und wo mein Screen ist. Meine Mentalität ist eine andere geworden. Dass zuletzt die Pucks reingingen, macht natürlich Spass. Das ist das Beste am Eishockey.»
Grundsätzlich aber verstehe er sich selbst als eine Art Quarterback, erläutert Kapla. Er sei eher Passgeber als Torschütze, wobei der Amerikaner schon weit vor Ende der Regular Season eine zweistellige Trefferausbeute ausweisen kann.
Michael Kapla
Nationalität: USA
Geboren: 19. September 1994
Grösse: 183 cm
Gewicht: 86 kg
Stock: links
Bei Fribourg-Gottéron seit: 2025
Vertrag bis: 2028
Bisherige Klubs: Rögle BK (SHL), Skelleftea AIK (SHL), Västerviks IK (Hockey Allsvenskan), Newfoundland Growlers (ECHL), Toronto Marlies (AHL), Iowa Wild (AHL), Binghamton Devils (AHL), New Jersey Devils (NHL), UMass-Lowell (NCAA).
Die Rolle des Spielgestalters hatte Kapla bereits während seinen fünf Saisons in Schweden inne. Über die zweithöchste Liga bei Västerviks IK fand Kapla zunächst bei Skellefteå IK und Rögle BK in die Svenska Hockeyligan (SHL). Obwohl er das Spiel im hohen Norden geschätzt habe, fand er in der Schweiz und der National League nochmals eine andere Dimension vor.
«Das Niveau ist wie auch schon in Schweden erwartet hoch, es gibt so viele gute Spieler hier. Das Eishockey ist im Vergleich zur SHL aber ein wenig anders.» Das liege insbesondere daran, dass im Gegensatz zu Schweden, wo so gut wie ausschliesslich einheimische Coaches hinter den Banden stehen würden, in der National League die Trainer internationaler seien.
«Hier gibt es Coaches aus Finnland, Schweden, der Schweiz und Nordamerika, was für deutlich mehr Variabilität in den Spielsystemen sorgt. Ich will damit nicht sagen, dass ich das eine oder das andere bevorzuge, es ist, wie es ist. Feststeht aber, dass in der National League jede Partie anders ist.»
Gegen die Lakers beispielsweise sei das Spiel viel offensiver und offener als etwa gegen den SCB, der die Mittelzone deutlich mehr dichtmache, führt der kommunikative Kapla aus. «So musst du jeden Abend für was Neues bereit sein.»
Europa statt NHL
Bevor Kapla jedoch Bekanntschaft mit den Facetten des europäischen Eishockeys machte, hatte er den Traum eines jeden nordamerikanischen Spielers verfolgt. Aufgewachsen ist er in Wisconsin. Der Bundesstaat im mittleren Westen der USA ist wahrlich keine Hockey-Hochburg in den USA.

«Im Vergleich mit dem Nachbarstaat Minnesota spielen wir die zweite Geige», schmunzelt Kapla darauf angesprochen, wobei wir wieder beim angesprochenen Quarterback angelangt sind. Allen voran American Football sei in Wisconsin populärer.
So sind die Green Bay Packers in der Region die klare Nummer 1. Trotzdem gebe es auch in seiner Heimat gute Eishockeyspieler. «Allein aus meiner Heimstadt Eau Claire spielen aktuell einige Spieler in der NHL», erklärt Kapla und verweist auf Jake McCabe von den Toronto Maple Leafs oder Ty Emberson von den Edmonton Oilers.
Selbstredend hätte es auch er nur zu gerne in die beste Liga der Welt geschafft. Tatsächlich wurde der nicht gedraftete Kapla 2016 direkt von der Universitätsliga NCAA von den New Jersey Devils in die NHL berufen. Nach fünf Partien war das Abenteuer jedoch bereits zu Ende, Kapla fand sich zunächst in der AHL wieder, später sogar in den Niederungen der ECHL. «Ich tat damals alles, um mich zu verbessern. Es hat nicht gereicht», erklärt der Amerikaner fatalistisch.
Nach drei Saisons – hauptsächlich bei den Binghamton Devils – traf Kapla dann im Jahr 2020 einen einschneidenden Entschluss. «Es war während der Zeit der Covid-Pandemie, und ich hatte keine Lust mehr, in der AHL zu versauern. Also sagte ich mir, dass ich es in Schweden versuche. Die Liga war bekannt dafür, dass sie Spieler zurück in die NHL bringen kann – genau das war mein Ziel.» Dieses sollte sich nicht erfüllen. Hadern will Kapla aber nicht.
«Ich hatte in Schweden meinen Frieden gefunden. Das Leben in Europa bietet so viele Vorteile.» Nach fünf Jahren in Schweden entschied er sich in diesen Gefilden für einen Tapetenwechsel. «Gottéron war der erste Klub, der mich kontaktiert hatte – und blieb der einzige, mit dem ich gesprochen habe.» Die Visionen von Rönnberg und Sportchef Gerd Zenhäusern hätten ihn überzeugt.
«Ich hatte die Schweiz schon lange im Kopf und habe meinem Instinkt vertraut, so wie ich es immer tue», sagt Kapla heute zu seinem Entscheid, seine Zelt in Freiburg, wo er mit Christoph Bertschy auf einen Teamkollegen aus Binghamton (Saison 2017/18) traf, aufzuschlagen.
Noch Luft nach oben
Er sollte seine Wahl nicht bereuen. Kapla hat sich längst in die Herzen der Gottéron-Fans gespielt. Die Bewunderung ist gegenseitig. «Ich habe noch nie etwas Ähnliches erlebt», sagt der Amerikaner zu den Sympathiebekundungen, die er nach der Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung um zwei weitere Saisons nach dem 4:2-Sieg gegen die ZSC Lions vom 21. Dezember erhielt.
«Es fühlt sich toll an, akzeptiert und anerkannt zu sein.» Dass er bei Gottéron bleibe, sei für ihn ausser Frage gestanden. «Wir haben eine tolle Mannschaft und arbeiten alle gerne zusammen. Natürlich sind da auch das stets ausverkaufte Stadion und die Fans. Sie sind die besten der Schweiz. Es gibt keinen besseren Ort, um Eishockey zu spielen.»
Es sei zwar nicht gerade ein No-Brainer gewesen, um mit Kapla zu verlängern, sagt derweil Rönnberg, aber ein logischer Entscheid. «Wir hinterfragen uns immer und schauen jeden möglichen Aspekt an. Schliesslich kamen wir zum Schluss, dass es der cleverste Weg ist, mit Michael weiterzufahren», so der Schwede. Er habe die Erfahrung gemacht, dass sich Spieler positiv weiterentwickeln würden, wenn sie in einer Umgebung, die für sie kreiert wird, weiterspielen könnten.

Je länger er an einem Ort sei, desto besser spiele er, bestätigt Kapla die Aussage seines Coaches. «Ich sehe mich als einen smarten Spieler, der in jeder Partie Erfahrungen für die Zukunft mitnimmt. Ich habe immer gesagt, dass ich einige Spiele brauche, um die neue Liga zu verstehen. Jetzt, nach rund 44 Begegnungen, lerne ich noch immer.»
Nicht der Lauteste in der Kabine, hat Kapla aufgrund seiner Seriosität und Professionalität längst eine Leaderrolle inne. Diese Führungsqualitäten will der amerikanische Verteidiger im Playoff noch mehr zum Tragen lassen kommen. «In meiner Zeit bei Rögle habe ich in der entscheidenden Phase mein bestes Eishockey gespielt. Du arbeitest den ganzen Sommer und die Saison für das Playoff.
Die Stadt, die Fans und die Spieler sind dann energiegeladen, ich liebe diese Zeit», erklärt Kapla schon jetzt voller Vorfreude. Wie weit kann die Reise für die Freiburger im Playoff gehen?
«Wir haben viele gute Argumente auf unserer Seite. Auch wenn wir nicht unseren besten Abend erwischen, sind wir solide. Es ist gut zu wissen, dass wir noch an uns arbeiten können, aber gleichwohl dem Spitzenfeld angehören. Wir werden uns weiter gegenseitig pushen, um im März in bestmöglicher Verfassung ins Playoff starten zu können», verspricht Kapla.











