KI gefährdet Jobs: So rüstet sich die Reisebranche
Jobs in der Reiseindustrie sind besonders stark durch KI gefährdet. Die Branchenplayer sind daran, KI als Hilfsmittel in den Berufsalltag zu integrieren.

Das Wichtigste in Kürze
- KI bedroht Reisebranche: Menschliche Beratung bleibt unersetzbar.
- TUI Suisse setzt auf digitale Kompetenzen und persönliche Beratung.
- Der Reiseverband bereitet die Branche mit Webinar-Serie auf digitale Zukunft vor.
Künstliche Intelligenz (KI) wird die Reisebranche grundlegend verändern. So lautet zumindest der Tenor mehrerer Studien. Eine Analyse von Citrini Research zeichnet dabei ein besonders drastisches Szenario: Citrini-Mitarbeitende konnten bereits heute mithilfe von KI komplette Reisen schneller und günstiger planen als mit klassischen Buchungsplattformen.
Reisebüros seien demnach besonders durch die technologische Entwicklung gefährdet. Und laut einer Umfrage des Reisenewsportals Travelnews.ch glauben 36 Prozent der Leserinnen und Leser, dass KI künftig die Reiseplanung dominieren werde.
Menschliche Beratung nicht ersetzbar
Ganz so düster wie die Studien schätzen viele Branchenvertreterinnen und -vertreter die Lage nicht ein. Denn diese würden oftmals zentrale Faktoren vernachlässigen – insbesondere die Rolle des Menschen. «KI kann die menschliche Beratung nicht ersetzen, aber die Reiseberaterinnen und -berater bei Routineaufgaben entlasten», sagt Andrea Beffa, Geschäftsführerin Schweizer Reise-Verband (SRV).

Ähnlich tönt es bei der Höheren Fachschule für Tourismus (IST) in Zürich: «Im Tourismus stehen zwischenmenschliche Fähigkeiten klar im Zentrum. Kommunikationsfähigkeit, Empathie und interkulturelle Kompetenz sind entscheidend und durch KI nicht ersetzbar», so IST-Gesamtschulleiterin Catherine Raemy.
Digitale Kompetenzen fördern
Auch der Reiseveranstalter TUI Suisse betont, dass Technologie und persönliche Beratung Hand in Hand gehen müssen. «Die menschliche Expertise und Beratung bleiben unverzichtbar. KI ergänzt diese, ersetzt sie jedoch nicht. Reiseexperten übernehmen eine wichtige Vertrauensfunktion und bringen fundiertes Expertenwissen ein, das Kundinnen und Kunden Orientierung, Sicherheit sowie echten Mehrwert bietet. Dies etwa durch Zeitersparnis und individuell abgestimmte Empfehlungen», sagt Managing Director Philipp von Czapiewski.
Deshalb setzt man bei TUI Suisse auch bei den Lernenden auf einen konsequent digitalen Ansatz. Diese arbeiten täglich mit Anwendungen wie Microsoft 365, inklusive KI-Funktionen, und erhalten Zugang zu internen Tools wie einem geschützten KI-Chat. Das Ziel: Digitale Kompetenzen früh zu fördern und den verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien zu stärken.
Keine Angst um Reisebüro-Jobs
Um nicht den Anschluss zu verlieren, ist der SRV dabei, die Branche auf die digitale Zukunft vorzubereiten. Gemeinsam mit dem österreichischen Reiseverband bietet der SRV eine Webinar-Serie mit 18 praxisnahen Modulen über einen Zeitraum von sechs Monaten an. Diese sind gezielt auf die Anforderungen und Qualifikationen im Reisevertrieb ausgerichtet.

Parallel dazu wird darauf hingearbeitet, dass die Buchungssysteme weiterentwickelt werden. Ziel ist es, eine noch grössere Vielfalt an Reiseangeboten abzubilden. «Reisebüros erhalten Zugang zu mehr und besser aufbereitetem Content, während Kundinnen und Kunden von einer grösseren Auswahl sowie individuelleren Angeboten profitieren», so Beffa.
KI kritisch hinterfragen
In der Ausbildung hat das Umdenken längst eingesetzt. Die IST integriert KI etwa als Werkzeug für Recherchen, Textarbeiten oder Marketingideen in den Unterricht. Der Umgang mit neuen Technologien wird dabei nicht unkritisch vermittelt. Studierende lernen, KI-Ergebnisse zu hinterfragen und deren Einsatz transparent zu machen. «Dadurch wird sichergestellt, dass sie weiterhin eigenständig denken und die Qualität sowie Richtigkeit der Inhalte beurteilen können», so Raemy.
Angst um den Reisebüro-Job hat SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa derweil nicht. Zwar gehöre der Tourismus etwa wegen globaler Ereignisse zu den eher krisenanfälligen Branchen. «Doch die Erfahrung zeigt, dass die Reiseindustrie eine hohe Resilienz besitzt. Die Reiselust der Menschen bleibt ungebrochen. Gerade in herausfordernden Zeiten gewinnen persönliche Beratung und Expertise sogar zusätzlich an Bedeutung.»
Warum diese so wichtig ist, zeigt ein Fall aus Malaysia. Gemäss der Zeitung «The Independent» reiste ein älteres Ehepaar 370 Kilometer zur angeblichen «Kuak Skyride»-Seilbahn, die sie in einem Video gesehen hatten. Nur handelte es sich bei diesem um eine KI-generierte Fälschung, die Sehenswürdigkeit hat nie existiert.












