Coolcation: So gross ist Trend nach kühleren Reisezielen wirklich!
Der bisherige Hitzesommer treibt die Reiselust Richtung Norden weiter an. Travelnews hat mit fünf Reiseprofis über «Coolcation» gesprochen.

Die momentane Bruthitze geht nicht spurlos an den Schweizerinnen und Schweizern vorbei. Viele sehnen sich nach einem kühlen Ort, um den hohen Temperaturen zu entfliehen.
Ferien an kühleren Destinationen, eine sogenannte «Coolcation» (aus den Worten 'cool' und 'vacation'), rücken immer stärker in den Vordergrund – zumindest macht es den Anschein.
Travelnews hat bei Schweizer Reiseveranstaltern nachgefragt, wie sie den Coolcation-Trend wahrnehmen und ob ihre Kunden tatsächlich vermehrt auf kühlere Reiseziele ausweichen.
Nachfrage um 20 Prozent gestiegen
«Unsere Buchungszahlen zeigen, dass die nordischen Reiseziele an Beliebtheit gewinnen, ohne jedoch die klassischen Badeurlaube am Mittelmeer zu verdrängen», erklärt Janine Zimmerli, Mediensprecherin von Dertour.
Insgesamt würden etwa 14 Prozent aller Sommerbuchungen bei Dertour auf «Coolcations» entfallen. «Über die vergangenen fünf Jahre ist die Nachfrage nach Coolcation-Destinationen um rund 21 Prozent gestiegen», so Zimmerli weiter.

«Dieser Trend zeichnet sich bereits seit einigen Jahren ab und ist keine ganz neue Entwicklung. Die Nachfrage ist bei uns auf einem hohen Niveau», erklärt Birgit Sleegers, stellvertretende Geschäftsführerin bei Helbling Reisen, auf Anfrage von Travelnews.
Dass sich Destinationen im Norden zunehmender Beliebtheit erfreuen, zeichnet sich auch bei Iwan Berger, Inhaber von Rilex, ab.
Aufgrund der Hitzewelle würden sich immer mehr Kundinnen und Kunden für Reiseziele mit angenehmeren Temperaturen interessieren, jedoch ohne die klassischen Sommerdestinationen zu verdrängen. Es handle sich dabei vielmehr um eine Ergänzung der Nachfrage.
Bei Globetrotter war die Nachfrage nach Skandinavien in diesem Sommer höher als in den vergangenen Jahren, obwohl: «Wir bemerken eine gewisse Zurückhaltung bei den Kunden bei Neubuchungen», so Mediensprecherin Sandra Studer.
Dies betreffe vor allem Fernreisen, wovon europäische Destinationen, insbesondere Skandinavien, sicherlich profitieren konnten. Aber auch Kanada und Alaska seien im Trend.
Obwohl ein «Coolcation»-Trend besteht, ist er laut Larissa Portmann, Geschäftsführerin von Reisecocktail, kleiner, als man vermuten mag: «Die Verschiebung hin zu nordischen Reisezielen ist tatsächlich nicht in dem Ausmass, wie man es anhand des wahrgenommenen Trends erwarten würde.»
Diese Länder sind im Trend
Die Nachfrage gründet laut den befragten Reiseprofis aber nicht nur in den angenehmeren Temperaturen, sondern auch im zunehmenden Interesse an beeindruckender Natur, Aktiv-Ferien und Destinationen, die individuelle und authentische Reiseerlebnisse bieten.
Bei Helbling Reisen sind seit längerem der Midsommar in Schweden, die Lofoten und Västeralen in Norwegen sowie Island sehr beliebt. «Diese Länder bieten beeindruckende Naturlandschaften, viel Ruhe und Erholung sowie ein hohes Sicherheitsgefühl», so Sleegers.
Bei Dertour zeigt sich ein deutlicher Nachfrage-Unterschied zwischen der Deutsch- und der Westschweiz. Die Nachfrage nach Coolcation ist bei Reisenden aus der Deutschschweiz im Vergleich zum Vorjahr um rund 12 Prozent gestiegen, in der französischsprachigen Schweiz bloss um 3 Prozent.

Während Deutschschweizer besonders Kanada, Island und Irland bevorzugen, zieht es die Romands nach Schottland, Norwegen und Schweden.
Bei Reisecocktail sind die skandinavischen Länder besonders im Winter sehr beliebt, im Sommer zieht es ihre Kundinnen und Kunden eher an Ziele wie Schottland und Irland.
Bei Rilex erfreuen sich nicht nur die klassischen, nordischen Ziele einer grossen Nachfrage, sondern auch die baltischen Staaten gewinnen an Bedeutung.
Buchungen für den Sommer nehmen ab
Bei Rilex und Dertour gehören die klassischen Mittelmeerdestinationen noch immer zu den beliebtesten Sommerzielen. «Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage nach klassischen Mittelmeerdestinationen wie Spanien, Italien und Griechenland deutlich gestiegen», hält Zimmerli fest.
Jedoch zeichnet sich bei den anderen Reiseveranstaltern ein klarer Trend ab, dass sich klassische Badeferien vermehrt in den Frühling oder Herbst verschieben.
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«Für Spanien und Griechenland haben wir beispielsweise im Vergleich zum letzten Jahr zwischen Juni und August rund 30 Prozent weniger Abreisen, während für Frühling und Herbst die Abreisen im 2025 im Vergleich zum 2024 um etwa 50 Prozent gestiegen sind», so Portmann von Reisecocktail.
«Deutlich höher im Kurs für die Sommerferien liegen mittlerweile Fernziele wie Thailand oder die Malediven, da das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich besser ist.» Bei Helbling Reisen ist die Nachfrage nach Badeferien im Herbst deutlich höher.
«Ob tatsächlich weniger im Hochsommer gereist wird oder ob Faktoren wie die attraktiven Herbstferien (3 Wochen) in der Ostschweiz, angenehmere Temperaturen und oft günstigere Preise ausschlaggebend sind, lässt sich nicht klar festhalten», so Sleegers.
Auch wenn es in der gegenwärtigen Situation den Anschein macht, dass sich zunehmend viele Reisende für eine «Coolcation» entscheiden, zeigen die Antworten der Reiseprofis ein anderes Bild. Noch sind die klassischen Sommerferien am Mittelmeer unangefochten auf Platz eins.
Der Anteil an Reisen in kühlere Destinationen dürfte im Vergleich zu den klassischen Badeferien noch immer verschwindend klein sein, wenn auch wachsend. Von einem grossen Shift der Reiseströme vom Süden in den Norden kann nicht die Rede sein.
Viel bedeutender und anhaltender ist die Verschiebung der Sommerferien in Richtung Frühling und Herbst – der Hitze wegen.
Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.








