Fondue chinoise an den Feiertagen ist ein Klassiker in Schweizer Haushalten. Doch wie sieht es in der internationalen Festtagsküche aus?
Fondue mit Kartoffeln Obenansicht
Fondue ist ein feines Festtagsessen – wer aber doch mal was anderes zum Festtag speisen will, sollte einen Blick nach Europa werfen. - Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer an den Festtagen mal was Neues ausprobieren möchte, wird gleich in Europa fündig.
  • Exoten darunter: Milchreis (Finnland), Blini (Russland) oder Glögg (Finnland/Schweden).
  • Die Festtagsmenüs lassen sich zu Weihnachten oder Silvester zubereiten.

Hyvää joulua, Gud Jul, Buon Natale und С Новым годом - Weihnachtsgrüsse auf Finnisch, Schwedisch und Italienisch sowie gute Wünsche zum neuen Jahr auf Russisch.

Was im Norden, Süden und Osten kulinarisch zu den Feiertagen aufgetischt wird, klingt mindestens genauso gut. Eine Inspiration für die eigene Festtagsküche.

Finnland: Milchreis und kiloweise Schinken

Weil der Weihnachtsmann in Finnland wohnt, ein erster Blick auf die Festtafel hoch im Norden. Ein Klassiker ist Joulukinkku, der Weihnachtsschinken:

Dafür wird ein grosser Schinken, gerne bis zu zehn Kilo schwer, vier bis fünf Tage vor dem Verzehr eingepökelt und dann im Ofen gebacken.

Für eine Kruste sorgen Senf, Zucker und Paniermehl. Garniert mit Erbsen, gekochten Backpflaumen oder Apfelstückchen kommt der Braten auf den Tisch, begleitet von einem Auflauf aus Kartoffeln, Karotten oder Steckrüben.

Milchreis auf weissem Teller auf Metallblech mit Ausstechformen
Mit Milchreis samt Zucker und Zimt kommt man in Finnland bereits am Morgen des 24. Dezember, also Heiligabend, in weihnachtliche Stimmung. - Tiina Tahvanainen/Visit Finland/dpa-tmn

Für die in Berlin lebende Finnin Erica Löfman ist dieser Klassiker keine Option. Sie verzichtet auf Fleisch und kommt in weihnachtliche Stimmung mit diesem relativ einfachen finnischen Klassiker:

«Eines meiner Lieblingsgerichte, das ich mir jedes Jahr zu Weihnachten zubereite, ist warmer Milchreis, der mit Zimt und Zucker bestreut und mit einem Schuss Milch in der Schüssel serviert wird», erzählt die Art Directorin.

«Wir essen ihn am Weihnachtsmorgen – den wir übrigens am 24. Dezember feiern.»

Vorweihnachtliche Pikkujoulu-Saison schon ab November

Schon einige Wochen vor Weihnachten kümmert sich Erica Löfmann um das traditionelle Joulutorttu-Weihnachtsgebäck: «Dafür wird Blätterteig zu Sternen gefaltet und vor dem Backen mit Pflaumenmus gefüllt – mega easy!»

In der Vorweihnachtszeit kommen oft Freunde zu Besuch. «Ich würde sagen, das ist typisch finnisch: Zum Gebäck gibt es eine Tasse Glühwein.

Finnischer Glögi ist etwas weniger süss als hiesiger Glühwein. Seine Basis: Rotwein. - Pixabay

Unser finnischer Glögi ist weniger süss als deutscher Glühwein und wird normalerweise mit Rotwein hergestellt», beschreibt Erica Löfman die Tradition. Die Pikkujoulu-Saison, wie die vorweihnachtliche Partysaison heisst, beginnt schon Anfang November.

Schweden: Julbord-Buffet mit Hering und Trockenfisch

Glögg trinkt man auch in der Vorweihnachtszeit in Schweden, je nach Gusto wird der Rotwein mit Korn oder Wodka ergänzt.

«Dazu werden Rosinen und Mandeln angeboten, die in den warmen Glögg gegeben werden», berichtet Karin Fornander, in Berlin lebende Schwedin.

Sie mag die schwedische Tradition, dass sich an Weihnachten Familien und Freunde am Buffet treffen, wenn ein Julbord aufgetischt wird.

Räucherfisch weisser Teller
Zum schwedischen Weihnachtsessen gehört unbedingt Räucherfisch dazu. - Pexels

Dort darf Fisch nicht fehlen, je nach Region zum Beispiel sauer eingelegte Heringe, etwa in Dill-, Curry- oder Senfsauce, geräucherter oder gebeizter Lachs, Krabben oder auch Räucheraal.

«Für die ältere Generation ist auch Lutfisk eine Delikatesse», sagt Karin Fornander. «Das ist ein traditionelles nordisches Weihnachtsgericht, bei dem Trockenfisch gewässert wird und eine besondere Konsistenz bekommt.»

Zu den klassischen Fleischspeisen des Julbord gehören auch die Fleischbällchen Köttbullar, kleine geräucherte Würstchen Prinskorv und Schinken Julskinka, serviert mit süssem Senf.

Wie ihre Kollegin Erica verzichtet auch Karin auf Fleisch und ersetzt etwa die Köttbullar durch Käse-Mandelbällchen.

Italien: Deftige Weihnachtswurst mit Linsen

Bei der Frage nach einem klassischen italienischen Weihnachtsgericht kommt Torsten Schäfer ins Grübeln.

«Das ist nicht so einfach zu beantworten, denn es gibt ja nicht die eine italienische Küche, sondern ganz viele Regionalküchen, die sich in den Kochtraditionen und Gerichten unterscheiden», sagt der Food-Blogger.

Um einen deftigen Tipp gebeten, empfiehlt Schäfer den Klassiker «Cotechino mit Linsen».

Wurst auf Linsen auf ovaler Platte auf Holztisch
Ein Weihnachtsklassiker in Italien ist «Cotechino mit Linsen». Die Kochwurst ist mit gehacktem Schweinefleisch gefüllt. - Torsten Schäfer/Dishes Delicious/dpa-tmn

Cotechino ist eine Kochwurst mit einer Füllung aus gehacktem mageren und fetten Schweinefleisch.

«Er ist eng verwandt mit dem Zampone, einem gefüllten Schweinefuss, der ebenfalls zu den klassischen Weihnachtsgerichten Italiens zählt», sagt Torsten Schäfer, dem allerdings der Cotechino etwas besser schmeckt.

«Während beim Zampone das Fleisch im dicken Schweinefuss steckt, ist die Haut des Cotechino viel dünner. Das macht das Gericht zarter und delikater.»

Russland: Blinis mit veganem Kaviar

Tatjana Zielke, in Russland geboren und in Leipzig lebend, berichtet, dass sich in ihrer Heimat Russland vor allem an Silvester «die Tische biegen»:

«Dann wird nur das Beste aufgetischt», so Zielke und erklärt: «Weihnachten wird in Russland auch gefeiert, und zwar am 7. Januar. Es ist ein wichtiger Feiertag, jedoch spielt das Neujahr und damit Silvester in Russland eine wichtigere Rolle.»

Am 31. Dezember würden dann die Geschenke überreicht, jedoch nicht vom Weihnachtsmann, sondern von Väterchen Frost und seinem Schneemädchen.

«Silvester ist der wichtigste Feiertag in Russland, es werden Unmengen an Essen gekocht, und die Feiertage erstrecken sich bis zum 10. Januar», erzählt die Bloggerin, die als Veganuschka traditionelle russische Speisen vegetarisch abwandelt.

Blinis mit rotem Kaviar
Bliniröllchen mit wahlweise echtem oder veganem Kaviar gehören aufs reichhaltige Büfett zum Jahreswechsel in Russland. - veganuschka.de/dpa-tmn

Sie serviert etwa die Blinis, Allrounder-Pfannkuchen in der russischen Küche, mit veganem Kaviar.

Für den Teig nimmt sie Weizen- und Buchweizenmehl, Hafermilch und Kokosblütenzucker. Der Buchweizen schmeckt sehr würzig und ist glutenfrei. Das Buchweizenmehl klebt also nicht.

«Und weil meine Pfannkuchen vegan sind, hat das Klebereiweiss aus Weizenmehl eine wichtige Funktion: Es hält die Buchweizenpfannkuchen zusammen», sagt Tatjana Zielke.

Für die Füllung empfiehlt sie eine fischige Note aus veganem Kaviar und einer leichten Creme. «Ich liebe den Geschmack nach Meer: Algen, Noriblätter, Seegras.»

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