Abos neu abgeschlossen – aber Berner Foodwaste-Pionier in Konkurs

Redaktion
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Bern,

Der «Gmüesgarte» in Bern ist Geschichte. Noch vor kurzem konnten Kundinnen und Kunden neue Gemüse-Abos abschliessen – nun stehen sie ohne Lieferung da.

Gmüesgarte Bern Foodwaste
Der Gmüesgarte in Bern ist Geschichte. - Screenshot gmüesgarte.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Gmüesgarte in Bern hat den Betrieb per sofort eingestellt.
  • Es ist das Ende eines Berner Foodwaste-Pioniers.
  • Noch vor ein paar Tagen konnten neue Abos abgeschlossen werden.

2017 ins Leben gerufen, wollte das Berner Projekt «Gmüesgarte» ein drängendes Problem lösen: Foodwaste.

Die Idee dahinter war einfach und überzeugend. Gemüse und Früchte, die wegen ihres Aussehens nicht der Norm entsprechen, sollten nicht im Abfall landen, sondern weiterverkauft werden.

Der «Gmüesgarte» kaufte diese Produkte bei Partnerlandwirten ein und bot sie im Laden, über Abotaschen sowie an Restaurants und Catering-Kunden an.

Der Ansatz traf den Zeitgeist. In der Schweiz fallen jährlich rund 2.6 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, etwa zehn Prozent davon bereits in der Landwirtschaft. Ein Grossteil wäre vermeidbar – doch genau hier wollte der «Gmüesgarte» ansetzen.

Verschiedene Gemüse
Mit dem richtigen Einkaufen kann Foodwaste verhindert werden. - pexels

Keine Rückerstattungen wegen Konkurs

Was gut und sympathisch klingt, hat wirtschaftlich offenbar nicht funktioniert – oder zumindest nicht mehr.

Diese Woche informierte das Team seine Abonnentinnen und Abonnenten per Mail darüber, dass der Betrieb an der Kapellenstrasse per sofort eingestellt wird.

Als Gründe werden in der Mail steigende Kosten, tiefere Einnahmen als erwartet sowie mehrere unvorhergesehene Ausgaben genannt.

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Für die Kundschaft ist die Situation besonders bitter: Bereits bezahlte Abos können nicht mehr eingelöst werden. Rückerstattungen sind vorerst nicht möglich, da mit der Konkurseröffnung das Verfahren beim Konkursgericht liegt.

Gmüesgarte Foodwaste Bern
So informierte der Gmüesgarte die Kunden per Mail. - Screenshot Mail

Für zusätzliche Kritik sorgt der Zeitpunkt. Noch vor kurzem wurden neue Abos verkauft, obwohl sich die finanzielle Lage offenbar bereits zuspitzte.

Kommuniziert wurde der Konkurs bisher erst per Mail. Auf Facebook und der Webseite fehlt die Information. Die Betreiber stellen sich aber persönlich den Anfragen von enttäuschten Kunden.

So sagen sie beispielsweise, dass die Überschuldung erst Anfang April festgestellt worden sei. Auch die Idee eines Crowdfundings habe man schlussendlich verworfen.

Abo erst vor Kurzem abgeschlossen

Bei Betroffenen sorgt das für Frust – und teilweise für Galgenhumor. Ein Kunde schreibt: «Ich habe für eine Lieferung à fünf Kilo schlussendlich 336 Franken bezahlt.»

Der Fall zeigt, wie schwierig es ist, nachhaltige Geschäftsmodelle langfristig erfolgreich zu betreiben. Trotz wachsendem Bewusstsein für Foodwaste stehen solche Projekte unter wirtschaftlichem Druck – insbesondere durch steigende Kosten und unsichere Einnahmen.

Für Bern bedeutet das Aus des «Gmüesgarte» nicht nur das Ende eines Ladens, sondern auch den Verlust eines engagierten Projekts im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Zurück bleiben enttäuschte Kundinnen und Kunden.

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