Berner Bioläden: Wachstumsschub nach «Alnatura»-Aus – Sorgen bleiben

Redaktion
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Bern,

Seit der Schliessung der Alnatura-Filialen verzeichnen Berner Bioläden mehr Kundschaft. Doch die Bio-Szene bleibt aus diversen Gründen unter Druck.

Lola Bio Bern
Die Contact-Stiftung für Suchthilfe betreibt die zwei Quartierläden LOLA Lorraine und LOLA Mattenhof. - zVg/Eve Kohler

Das Wichtigste in Kürze

  • Alnatura-Aus, der Konkurs eines Berner Bio-Pioniers und bald neue Konkurrenz.
  • Die Stadtberner Bio-Szene steht vor Herausforderungen und unsicheren Zeiten.
  • Drei traditionelle Berner Bio-Läden sage, wie sie mit den aktuellen Entwicklungen umgehen.

Ende 2025 hat die Migros alle Alnatura-Bio-Supermärkte in der Schweiz endgültig geschlossen, darunter auch mehrere in Bern. Ende Januar 2026 meldete der Berner Bio-Grossist Horai, der über 40 Jahre Läden und Restaurants mit Bioprodukten belieferte, Konkurs an. 20 Mitarbeitende verloren dadurch ihren Job.

In diesen herausfordernden Zeiten möchte ein neuer Bio-Anbieter in Bern sein Glück versuchen: Die Westschweizer Bioladenkette «Kiss the Ground» wird im März ihren ersten Deutschschweizer Laden in der Berner Innenstadt eröffnen. Diese Veränderungen auf dem Biomarkt gehen bei den alteingesessenen Bioläden in Bern nicht spurlos vorbei.

Mehr Kunden seit Alnatura-Schliessung

Die Contact-Stiftung für Suchthilfe betreibt die zwei Quartierläden LOLA Lorraine und LOLA Mattenhof, in denen auch Menschen in schwierigen Lebenssituationen und mit Suchtproblemen Beschäftigungsmöglichkeiten finden. Das Sortiment besteht zu mehr als 90 Prozent aus Bioprodukten.

Zum einen profitieren die zwei Läden seit Dezember letzten Jahres von einem leicht höheren Umsatz und einer steigenden Besucherzahl – was zeitlich mit der Schliessung der Alnatura-Läden zusammenfällt.

Zum anderen ist der Umsatz in den letzten Jahren insgesamt leicht zurückgegangen. «Der Biomarkt ist aktuell unglaublich volatil und von Unsicherheiten geprägt», erklärt Daniel König, Leiter der beiden LOLA-Läden.

Lola Bio Bern
Der LOLA-Laden in der Lorraine. - zVg/Eve Kohler

Auch wenn sich das Team von LOLA die Alnatura-Produkte genau angesehen hat und ihr eigenes Sortiment noch ausbauen möchte, kann und möchte der Betrieb nicht auf das niedrigste Preissegment setzen. «Unser Ziel ist es, den Kundinnen und Kunden das bestmögliche Preis-Leistungsverhältnis zu bieten, wir möchten aber zugleich den Lieferanten und Bauern faire Preise zahlen», erklärt König.

Er betont zudem, dass es im tieferen Preissegment naturgemäss häufiger zu Qualitätsmängeln und Rückrufen kommen kann.

Dass mit «Kiss the Ground» ein neuer Bio-Anbieter nach Bern kommt, betrachtet König als spannend: «Ich bin froh, dass es ein Schweizer Anbieter ist, Der sich wahrscheinlich in einem ähnlichen Preissegment bewegt wie wir.»

Mangelnde Solidarität zwischen den Läden

Im kleinen Fischermättli-Laden an der Weissensteinstrasse finden die Menschen in Bern seit Jahrzehnten Produkte in Bioqualität.

Geschäftsleiterin Marianne Schnegg erklärt, dass in den letzten Wochen wieder mehr Kundinnen und Kunden im Laden zu beobachten waren. Gleichzeitig bedauert sie die starke Konkurrenz, die mangelnde Solidarität zwischen den Bioläden sowie den zunehmenden Preisdruck.

«Leider denken Menschen oft, die biologischen Lebensmittel sollten immer günstiger werden. Das geht nur auf Kosten der Bio-Bauern und des Biofachhandels», so die Biobegeisterte.

Der Laden möchte sich weiterhin als «klein und fein und von Mensch zu Mensch» positionieren: «Wir beraten, sind freundlich und verzichten bewusst auf WLAN», sagt Schnegg.

Neue Kundengruppe zu Stammkunden machen

Der Hallerladen im Quartier Länggasse in der Nähe der Universität gehört zu den grössten Bioläden der Stadt.

Wie auch bei den Mitbewerbenden ist hier seit Dezember ein Anstieg bei der Kundenfrequenz und beim Umsatz zu beobachten.

«Wir sehen, dass aktuell eine neue Kundengruppe zu uns kommt und versuchen, für diese dauerhaft attraktiv zu sein», sagt Regula Huber, Mitglied der Geschäftsleitung.

Dies beinhaltet eventuelle Anpassungen des Sortiments und die Möglichkeit, Produkte zu bestellen, die es gerade nicht im Laden gibt, etwa spezifische Nischenprodukte.

Hallerladen Bio Bern
Der Hallerladen im Länggasse-Quartier hat eine lange Tradition. - zVg/Hallerladen

Der Preisdruck ist auch im Hallerladen ein Thema: «Wir haben das Gefühl, dass die Kundinnen und Kunden heute spezifischer im Bioladen einkaufen und nicht mehr ihren ganzen Lebensmitteleinkauf hier tätigen».

Für Huber ist es besonders wichtig, den Menschen bewusst zu machen, wofür der Hallerladen steht und warum die Preise vielleicht etwas höher sind als im Supermarkt.

«Wir verstehen uns als Absatzmarkt für lokale Bäuerinnen und Bauern und geben der Stadtbevölkerung die Möglichkeit, lokale Bio-Produkte zu erwerben. Zusätzlich zahlen wir allen Beteiligten faire Entlöhnungen und schaffen sinnstiftende Arbeitsplätze.»

«Ich glaube, der Biomarkt bleibt weiterhin ein hartes Pflaster. Wir werden auch in Zukunft versuchen, ein noch stärkeres Bewusstsein für die Wichtigkeit von lokalen und biologischen Produkten, insbesondere aus kleinstrukturierten Landwirtschaftsbetrieben zu schaffen» so Huber abschliessend.

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