Weihnachten

    «Weihnachten reisst jedes Jahr alte Wunden auf!»

    Stella Kizildag
    Stella Kizildag

    Zürich,

    «An Weihnachten ist meine Familie mein grösster Kritiker – und ich lasse mich in alte Rollen drängen.» Eine Kolumne von Plus-Size-Model Stella.

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    Advent, Advent – eine alte Wunde brennt. Stella stellt ihre Kolumne gleich selbst vor. - Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Stella Kizildag (29) ist ein Curvy-Model. Sie schreibt Kolumnen über Body Positivity.
    • Heute schreibt Stella über Weihnachten und Familien-Kommentare.
    • Weihnachten müsse sich nicht nach Pflicht anfühlen, schreibt Stella.

    Sobald der Dezember startet, spüre ich ein Ziehen im Bauch. Und nein, es ist nicht der Hunger auf «Guetzli».

    Es ist dieser vertraute Bammel vor den Familienfesten. Denn: Für mich ist Weihnachten leider nicht nur ein Fest der Liebe, sondern auch ein Fest der Trigger.

    Stella
    «Weihnachten ist was Tolles, findet die Kolumnistin, aber reisst oftmals alte Wunden auf», findet Stella. - Lorena La Spada. Stylistin: Letizia Abbatiello

    Weihnachten: Mein persönlicher «Catwalk der Trigger»

    Vielleicht kennst du das auch? Du kommst an Weihnachten durch die Tür. Und noch bevor du deinen Mantel ausziehst, wirst du mit einem «Na, haben wir uns bisschen gehen lassen?» empfangen. Aber das ist erst der Anfang.

    Stella.
    Stella schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen. - Lorena La Spada. Stylistin: Letizia Abbatiello

    Während Social Media «Body Positivity» predigt, kennt oftmals ausgerechnet die eigene Familie keine Grenzen. Und zwar in vielerlei Hinsicht!

    Vor allem am Weihnachtsfest werde ich wieder in alte Rollen gedrängt.

    Wenn Fremde mein Äusseres beurteilen, kann ich damit leben. Aber von Menschen, die mich lieben sollten, erwarte ich Schutz. Und doch keinen Beschuss.

    Es heisst dann: «Wann wirst du schwanger?», «Und damit verdienst du Geld?», «Früher warst du schlanker.» Und dann dieses «Ich meine es doch nur gut…» Die Frage stellt sich: Wenn das alles «gut gemeint» sein soll, warum tut es dann so weh?

    Fühlst du dich in der Familie an Weihnachten wohl?

    Plötzlich wieder 14 Jahre alt

    Es ist eigentlich immer der gleiche Ablauf an Weihnachten. Nur schon ein Blick reicht – und schon bin ich nicht mehr die Frau, die Grenzen setzt und sich selbst liebt. Nein, ich bin dann wieder das schweigende Mädchen, das innerlich schrumpft.

    Und egal, wie viel Erfolg ich im Gepäck habe: Der Satz «Ich sage nur die Wahrheit» katapultiert mich jedes Mal zurück in meine 14-jährige Version.

    Stella.
    Stella fühlt sich bei Weihnachtsessen mit der Familie eingeengt und oftmals verurteilt. - zvg

    Neues Ich, alte Erwartungen

    Weshalb lässt sich das nicht ändern? Ich denke, dass es oft daran liegt, dass die Familie lieber an dem Bild festhält, welches sie sich einmal gemacht hat. Es ist bequemer, als zu akzeptieren, dass man sich verändert hat.

    Manche wollen es nicht verstehen, andere können es nicht. Aber eines habe ich gelernt: Es bringt nichts, das endlos auszudiskutieren!

    Meine stille Rebellion

    Ich habe aufgehört, die Aussagen zu kontern. Aber meine Grenze ist jetzt simpel und klar: Ich lasse die Unsicherheiten von anderen nicht mehr auf mir «parken».

    Liebe heisst für mich nicht aushalten, sondern gegenseitig verstehen, unterstützen und Raum geben. Und genau das erwarte ich. Insbesondere am «Fest der Liebe».

    Stella
    Weihnachten müsse man nicht zwingend mit der Familie verbringen, findet Stella. - klimkin.visuals

    Selbstschutz ist kein Skandal

    Und weisst du was? Ich schulde niemandem meine Anwesenheit. Schon gar nicht, wenn sie mich innerlich auslaugt. Selbstschutz bedeutet auch, dem ganzen Rummel einfach zu entgehen.

    Stella
    Stella mit einem Weihnachtspäckli. - zvg

    Ich muss nicht jedes Fest tapfer durchziehen, nur weil es Tradition ist. Wenn mein Bauch sagt: «Lass es dieses Jahr», dann höre ich darauf.

    Weihnachten muss sich nicht nach Pflicht anfühlen. Es darf sich nach mir anfühlen. Eine Frau, die gerade das macht, worauf sie Lust hat.

    Und das ist vielleicht die mutigste Entscheidung von allen.

    Zur Person

    Stella Kizildag (29) ist Plus-Size-Model und Body-Positivity-Kolumnistin aus der Schweiz. Auf Instagram als @stellakizildag teilt sie ihren Alltag zwischen Fashion, Selbstakzeptanz und klaren Grenzen – immer mit Witz, Haltung und einer guten Portion Mut.

    Kommentare

    User #1015 (nicht angemeldet)

    Das ewige Kind das nach Liebe schreit und keine bekommt. Glaub mir, ich habe das durchgestanden aber stehe immer noch nicht ganz darüber. Das kann 20 Jahre dauern.

    User #3011 (nicht angemeldet)

    Hoi Stella - lass dich nicht ins Boxhorn jagen - auch nicht von deiner Familie. Ich (M) bin nun 63 jahre reif, und war immer schon ein Genussmensch bin 1,83cm gross und hab 102kg. Hatte mal 136kg und fühlte mich echt beschissen. Keiner hat das Recht über seine Mitmenschen in solchen Art und Weise zu richten. Leider gibt es immer und überall dumme und arogante Döspaddel , so what. Und für deine Familie die dich solchen Verhören unterzieht, kann man eigendlich nur Mitleid empfinden. Solche können einer stolzen,tollen und selbstbewusten Frau wie dir, doch nicht das Wasser reichen. / Beste Grüsse Oli

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