Alexandra Lüönd: Jetzt kommt der «Trophy Husband»
«Immer mehr Frauen heiraten Männer mit tieferem Einkommen. Doch ist die Schweiz bereit für den Trophy Husband?», fragt sich unsere Kolumnistin Alexandra Lüönd.

Das Wichtigste in Kürze
- Alexandra Lüönd schreibt eine monatliche Kolumne über Beauty-Themen.
- Heute schreibt sie darüber, dass immer mehr Frauen «nach unten» heiraten.
«Die Heirat nach unten wird für Frauen normaler und weniger ‘erniedrigend’», las ich kürzlich in einem Artikel der NZZ. Das hat mich sofort hellhörig gemacht.
Erst vor Kurzem schrieb ich an dieser Stelle nämlich über das Dilemma von Frauen: Je erfolgreicher sie werden, desto kleiner wird ihr Dating-Pool.
Früher galt es als selbstverständlich, dass der Mann in einer Beziehung besser gebildet ist und mehr verdient. Doch weil Frauen heute immer besser gebildet sind, wird es immer üblicher, dass sie Männer heiraten, die weniger verdienen.

Darum heiraten immer mehr Frauen «nach unten»
«Nach unten» heiraten heisst, dass der Mann weniger verdient oder einen tieferen Bildungsabschluss hat als seine Partnerin. In der Soziologie nennt man das Hypogamie.
Und solche Paare gibt es immer häufiger.
2020 hatten in den USA bei 62 Prozent der Paare mit Bildungsunterschied die Frau den höheren Abschluss. Das zeigt eine Analyse der Soziologin Christine Schwartz.
Lange war das Gegenteil die Regel: Frauen suchten Männer, die sozial besser gestellt waren.
Kein Wunder, ihnen fehlten lange die Möglichkeiten, Karriere zu machen oder Vermögen aufzubauen. Lange durften sie nicht einmal studieren. Frauen waren finanziell von ihrem Mann abhängig.
Doch diese Zeiten sind vorbei.
Frauen haben die Männer überholt
Frauen holen in der Bildung nicht nur auf, sie ziehen vorbei. 2023 hatten 54 Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen einen Hochschulabschluss oder eine höhere Berufsbildung. Bei den Männern waren es 50 Prozent. Tendenz steigend.
Auch international zeigt sich der Trend: In den USA haben 47 Prozent der Frauen zwischen 25 und 34 einen Bachelorabschluss, aber nur 37 Prozent der Männer.
Wer als Akademikerin heute einen Mann mit mindestens gleichem Bildungsniveau sucht, fischt in einem immer kleineren Teich.
Irgendwann wird «Nach unten»-Daten nicht mehr zur Ausnahme, sondern zur Notwendigkeit.
Frauen brauchen keinen Versorger mehr
Immer mehr Frauen sind Unternehmerinnen, Ärztinnen, Anwältinnen oder CEOs. Sie finanzieren ihren Lifestyle selbst und bauen ihr eigenes Vermögen auf. Und das verändert den Dating-Markt.
Eine Frau muss sich nicht länger fragen: «Wer kann mich versorgen?», sondern: «Mit wem will ich mein Leben verbringen?»
Sie wählt ihren Partner nach anderen Kriterien. Zum Beispiel nach seinem Charakter. Und es ist vielleicht kein Zufall, dass jetzt, wo Frauen ihre Männer nach Charakter aussuchen, wir plötzlich über eine Male-Loneliness-Epidemie sprechen.
Jahrzehntelang reichten ein gutes Gehalt und ein Eigenheim, um als attraktiver Partner zu gelten. Plötzlich wollen Frauen Charakter. Und der entwickelt sich halt nicht von selbst…
Ist die Schweiz bereit für den «Trophy Husband»?
Ein Millionär im Sportwagen mit einer jungen, hübschen Frau auf dem Beifahrersitz? Das finden wir normal. Aber wie sieht es mit dem Pendant aus: Einem «Trophy Husband», der gut kocht, lustig ist – und hübsch aussieht?

Sehen wir bald die Chefärztin, die den Krankenpfleger heiratet? Die Unternehmerin, die mit ihrem Fitnesstrainer zusammenkommt? Die Investmentbankerin, die sich einen Barkeeper angelt?
Warum eigentlich nicht? Männer haben jahrzehntelang bewiesen, dass dieses Modell funktioniert. Warum sollten Frauen es nicht auch ausprobieren?
Doch ich glaube, die Schweiz ist noch nicht bereit für den «Trophy Husband».
Drehen wir die Rollen um – erfolgreiche Frau, weniger erfolgreicher Mann – und schon kommen die Fragen: Funktioniert das? Kann er ihr das Wasser reichen? Fühlt er sich nicht von ihr bedroht?
Komisch. Bei einem 55-jährigen Unternehmer mit der 25-jährigen Freundin fragt niemand, ob sie ihm intellektuell gewachsen ist.

Die Spielregeln ändern sich
Trotzdem zeigt der Trend zur Hypogamie: Die Spielregeln ändern sich. Frauen suchen keinen Versorger mehr, Männer müssen nicht mehr Hauptverdiener sein.
Mir persönlich ist egal, wer mehr verdient. Wichtig ist, dass man sich respektiert, unterstützt und gerne Zeit miteinander verbringt.
Vielleicht müssen wir uns in der Schweiz erst daran gewöhnen, dass die Chefärztin den Krankenpfleger heiratet oder die Unternehmerin mehr verdient als ihr Mann.
Ich hätte jedenfalls nichts gegen einen «Trophy Husband». Irgendjemand muss den Wandel ja vorleben. Und der Barista im La Stanza in Zürich ist zum Beispiel wirklich cute.

Zur Autorin
Alexandra Lüönd ist eine führende Unternehmerin im Beauty- und Medical-Retail. Als Gründerin der Beauty2Go-Kliniken sowie «Brows & Brows» schuf sie die grössten Ästhetik-Ketten in der Schweiz. Mit «Brows & Brows» revolutioniert sie die PMU-Branche. Die 38-Jährige schreibt regelmässig Kolumnen für Nau.ch.








