Mercedes

    Mercedes-Benz EQC400 4matic: gemütlicher Gleiter

    Axel Linther
    Axel Linther

    Deutschland,

    Sie haben das Auto erfunden, doch wie sieht es mit den Elektrischen aus? Der Mercedes-Benz EQC400 im 360°-Test.

    2020 Mercedes-Benz EQC400
    Der erste Elektro-Wurf für die Masse aus Stuttgart: der Mercedes-Benz EQC400 4matic - Axel Linther

    Das Wichtigste in Kürze

    • EQC basiert auf dem kompakten GLC
    • 408PS und 760Nm mit 80kWh-Batterie
    • Reichweite laut Norm über 400km, im Alltag gut 300km

    Wenn sie schon einmal in einem modernen Mercedes gesessen haben, dann ist ihnen der Mercedes-Benz EQC400 bekannt. Er sieht identisch aus, er fühlt sich identisch an – aber er fährt nicht identisch. Denn auch wenn das erste Massen-Elektroauto der Stuttgarter auf dem kompakten GLC aufbaut, ist es doch etwas Besonderes.

    Überraschend normal: der Mercedes-Benz EQC400

    2020 Mercedes-Benz EQC400
    Optisch ist der Mercedes-Benz EQC400 kein typisches Elektroauto - hier merkt man die Abstammung vom GLC - Axel Linther

    Die Hülle ist eine andere, sie ist feiner, weicher und vielleicht eine der besten Formen der aktuellen Designlinie. Besonders mit den grossen und filigranen Felgen wirkt der EQC mehr wie eine Skulptur auf Rädern. Vor allem aber ist er nicht auf den ersten Blick als Elektroauto zu erkennen. Denn seine technische Basis verbietet grosse Freiheiten im Karosseriedesign.

    Design, Platz & Komfort

    2020 Mercedes-Benz EQC400
    Die auffälligen 21-Zoll-Räder sind ein optisches Highlight - Axel Linther

    Er hat weder ein weit nach vorne gezogenes Dach, noch einen überlangen Radstand. Der Mercedes-Benz EQC400 geht optisch als ganz normales SUV durch. Gleiches gilt entsprechend für das Platzangebot. Während etwa die Innenbreite noch relativ grosszügig ist, zeigen sich die Grenzen spätestens beim Knieraum hinten.

    Dass sie bei Mercedes etwas vom Autobau verstehen zeigt sich aber in der Tatsache, dass der EQC nie eng ist. Aussparungen in den Vordersitzen, eine Wölbung im Dachhimmel: schon passt der Fondpassagier wie angegossen ins Auto. Sie haben den vorhandenen Platz also maximal genutzt.

    In der vorderen Reihe ist sowieso alles bestens. Die Sitzposition ist angenehm hoch, trotzdem schmiegt das Design den Fahrer perfekt ins Fahrzeug ein. Auch die verwendeten Materialien sind bemerkenswert. Etwa der Bezugsstoff des Armaturenbretts, der aus Recycling-Material besteht und dennoch sehr hochwertig wirkt.

    2020 Mercedes-Benz EQC400
    Das Interieur ist nobel und gefällt mit modernen Materialien und frischen Farbakzenten - Axel Linther

    Überhaupt ist das Materialmix und das Design mit kupferfarbenen Luftdüsen und anderen Akzenten herrlich modern. Man hat doch ein bisschen Mut gehabt bei Mercedes den EQC anders zu positionieren.

    Technische Highlights

    2020 Mercedes-Benz EQC400
    Unter der Haube ist weder ein zweiter Kofferraum, noch gibt es viel zu sehen - Axel Linther

    Die Antriebstechnologie des Mercedes-Benz EQC400 kommt weitgehend aus den eigenen Reihen. Beide 204PS-Motoren an Front und Heck, sowie das 80kWh-Batteriepack stammen aus der Mercedes-Fertigung. Darüber hinaus ist vor allem der typische Schwerpunkt auf Sicherheit und Fahrerassistenz lobenswert.

    Gerade mit Blick auf vorausschauendes und damit effizientes Fahren schafft der EQC400 hier ein gutes Ergebnis. Kamera- und Radarsensoren sowie die Navigationsdaten des Autos werden verknüpft, damit der Elektro-Benz erkennt, wie er am besten fahren soll. Die aktuell geltende und kommende Geschwindigkeitslimits, sowie Steigungen und Gefälle, Kurven und Kreuzungen rechnet er ebenfalls ein. Dabei unterstützt eine Anzeige im Digital-Cockpit, die alle Leistungs- und Fahrwerte übersichtlich darstellt.

    Einzig gewöhnungsbedürftig bei diesem technisch unterstützten Effizienzgleiten: die Aktionen des Autos haben nicht mehr zwingend etwas mit der Gaspedalstellung gemein. Denn der Mercedes-Benz EQC400 fährt dann durchaus mal so wie er es für richtig hält. Natürlich kann man seine Aktivitäten aber mit einem beherzten Tritt auf das Pedal jederzeit überstimmen.

    Wie fährt der Mercedes-Benz EQC400?

    2020 Mercedes-Benz EQC400
    Ein herrlich komfortabler Gleiter: der Mercedes-Benz EQC400 4matic - Axel Linther

    Sehr herrschaftlich. Das liegt nicht nur an der Lautlosigkeit des Antriebs, sondern auch am Fahrzeuggewicht. Mit 2500kg Leergewicht ist der EQC400 eines der schwersten Elektroautos am Markt. Und das obwohl er gar nicht einmal zu den grössten gehört.

    Wo sich nun einerseits der Verzicht auf eine EV-spezifische Plattform rächt, gewinnt der Komfort auf der anderen Seite. Denn der EQC verfügt über alle im GLC integrierten Massnahmen zur Abkopplung des Verbrenners. Entsprechend ist die Geräuschdämmung bemerkenswert. Spezielle Dinge wie ein Akustikschaum im Reifen zur Dämpfung der Abrollgeräusche zeigen, dass es ihnen wirklich ernst war in Stuttgart.

    Auch Feinheiten wie die Geräuschentwicklung der Motoren haben sie bedacht. Und so flüstert der Mercedes-Benz EQC400 wirklich nur unmerklich und bietet ein sehr erhabenes Reiseerlebnis. Zumal wir hier nur von einem EQC sprechen, schwer vorstellbar wie ein EQE oder gar EQS hier noch drauflegen sollen.

    Zu wünschen wäre etwas mehr Zurückhaltung beim Verbrauch. Mit vollem Eco-Programm und sehr defensivem Rollen im Verkehr haben wir 17kWh/100km geschafft. Doch bei normaler Fahrt im Comfort-Modus sind es dann doch 28 oder gar 30kWh/100km. Hier rächt sich dann die relativ kleine Batterie mit nur 80kWh-Speichervermögen.

    Damit schafft der Mercedes-Benz EQC400 selten eine echte Reichweite von 300km. Und das ist für ein SUV dieser Grösse, vor allem aber in dieser Preisklasse dann doch wenig. Zumal er sich abseits der Gleichstrom-Schnelllader nur mit maximal 7,4kW aufladen lässt. Daheim, wo man meist nicht auf 32A pro Phase zurückgreifen kann, sind es dann sogar nur 3,7kW.

    Fazit:

    2020 Mercedes-Benz EQC400
    Hinter der Öffnung im Diffusor verbirgt sich die ausklappbare Anhängerkupplung - Axel Linther

    Der grosse Elektro-Benz ist ein guter Wurf. Man merkt, dass sich Mercedes mancherorts ein bisschen weiter herausgewagt hat als sonst üblich. Dennoch bleibt der EQC400 ein eher konservatives Auto. Gerade bei Verbrauch und Ladetempo lässt er deshalb allerdings ein paar Federn.

    In Sachen Komfort und Sicherheit gibt es aber wohl kaum eine besser Alternative am Markt bisher.

    Technische Daten:

    Modell: Mercedes-Benz EQC400 4matic
    Motor: 2x Asynchron-Elektromotoren
    Spitzenleistung: 408PS (300kW)
    Dauerleistung: 197PS (148kW)
    Drehmoment: 760Nm
    Antrieb: Allradantrieb, Eingang-Getriebe
    Batterie: 405V-Lithium-Ionen-Batterie, 80kWh Kapazität (netto)
    Verbrauch (NEFZ): 20,8 kWh/100km
    Testverbrauch: 28,8kWh/100km
    Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 5,1s
    Höchstgeschwindigkeit: 180km/h (abgeregelt)
    Abmessungen (L/B/H): 4,76 m/1,88 m/1,62 m
    Gewicht: 2‘495 Kg
    Grundpreis: 84‘990 CHF

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