Schweizer Technologie: Forscher entwickeln Stoff mit Muskelkraft
Ein neues Textil der EPFL kann enorme Kräfte erzeugen – und könnte Menschen im Alltag unterstützen.

Das Wichtigste in Kürze
- Forschende der EPFL entwickeln ein textiles Material mit Roboterkraft.
- Der Stoff kann mehr als das 400-Fache seines Eigengewichts heben.
- Er eignet sich für medizinische Hilfen, Sport und tragbare Technik.
Ein Stoff, der hilft zu tragen, zu stützen oder zu bewegen: Was nach Science-Fiction klingt, kommt aus der Schweiz. Forschende der EPFL haben ein neuartiges Robotik-Textil entwickelt, das extrem leicht, flexibel und gleichzeitig sehr stark ist.
Der Clou liegt nicht im Material selbst, sondern in der Art, wie es gewebt wird. Durch eine spezielle Kreuzstruktur verstärken sich die Kräfte im Stoff gegenseitig – statt sich wie bisher teilweise aufzuheben.
Im Innern des Textils verlaufen hauchdünne Metalldrähte aus einer Nickel-Titan-Legierung. Diese sogenannten Formgedächtnis-Metalle ziehen sich zusammen, wenn Strom fliesst. So entsteht Bewegung – ähnlich wie bei einem Muskel.
Bisher war das Problem: In herkömmlichen Stoffmustern arbeiten diese Drähte oft gegeneinander. Ein Teil der Kraft geht verloren. Das EPFL-Team hat das geändert. In ihrer neuen «X»-Struktur sind alle Kreuzungen exakt in Zugrichtung ausgerichtet. Die Kräfte addieren sich.
Das Ergebnis ist eindrücklich: Ein nur 4,5 Gramm leichter Stoff kann ein Kilogramm heben. Gleichzeitig bleibt das Material dehnbar und angenehm zu tragen.
Hilfe, die man kaum spürt
Die Forschenden haben bereits erste Anwendungen gezeigt. In einem Versuch unterstützte der Stoff das Beugen eines Arms. In einem anderen erzeugte er gezielten Druck – etwa so, wie man ihn von medizinischen Stützbandagen kennt.
Der Vorteil gegenüber klassischen Exoskeletten: keine harten Teile, keine Motoren, kein sperriges Gestell. Das Textil lässt sich wie Kleidung anziehen und fällt kaum auf.
Solche aktiven Stoffe könnten künftig Menschen mit körperlichen Einschränkungen helfen, etwa beim Heben oder bei der Bewegung von Gelenken. Auch im Sport oder in der Rehabilitation sind Anwendungen denkbar – zum Beispiel für gezielte Unterstützung oder Kompression.
Ein weiterer Pluspunkt: Hat der Stoff seine Position erreicht, hält er sie ohne weiteren Stromverbrauch. Das spart Energie und macht tragbare Lösungen realistischer.
Noch ist die Technologie im Forschungsstadium. Doch sie zeigt, wie nahe intelligente Kleidung rückt – entwickelt in der Schweiz, gedacht für den Alltag.














