Für mehr Konzentration: Jetzt boomt Kindergarten-Yoga
Yoga im Kindergarten ist keine Ausnahme mehr: Atemübungen und kindgerechte Entspannung sollen Kindern helfen, Stress abzubauen und sich besser zu konzentrieren.

Das Wichtigste in Kürze
- Kinderyoga wird zunehmend als Ansatz zur Förderung von Konzentration eingesetzt.
- Studien zeigen positive Effekte auf Körperwahrnehmung oder Emotionsregulation.
- In Schweizer Schulen und Kindergärten sind solche Entspannungsformen bereits verbreitet.
Yoga im Kindergarten? Was früher exotisch klang, gehört heute vielerorts zum pädagogischen Alltag.
Atemübungen, Bewegungspausen oder kurze Entspannungssequenzen sollen Kindern helfen, mit Stress umzugehen und sich besser zu konzentrieren. Doch was bringt das tatsächlich?
«Viele Menschen – und das beginnt oft schon im Kindesalter – verlieren den Bezug zu ihrem eigenen Körper.» Das sagt Tamara von YAMA Yoga in Bern. «Wir funktionieren, reagieren, leisten. Aber wir spüren uns immer weniger.»
Gerade bei Kindern zeige sich das häufig indirekt durch Unruhe, Rückzug oder Konzentrationsprobleme.
«Kinder dürfen entdecken, statt funktionieren»
Yoga und Achtsamkeitsübungen könnten helfen, Stress besser zu regulieren und Emotionen bewusster wahrzunehmen. Im Zentrum stehe dabei nicht Leistung, sondern das eigene Erleben.
«Kinder dürfen entdecken, statt funktionieren», erklärt Tamara, Inhaberin des Yoga-Studios.
Kindgerechtes Yoga sei spielerisch aufgebaut – mit Geschichten, Bildern und einfachen Bewegungen. Studien würden zeigen, dass Yoga bei Kindern unter anderem die Konzentration verbessere. Zudem stärke es die Körperwahrnehmung und könne soziale und emotionale Kompetenzen fördern.
Besonders wichtig sei das im frühen Kindesalter: «Wenn Kinder früh lernen, ihren Körper zu spüren, entwickeln sie etwas, das weit über Bewegung hinausgeht: Vertrauen in sich selbst.»
Dass solche Angebote boomen, zeigt sich auch ausserhalb der Schweiz. In Tirol etwa zeigen Kinderyoga-Angebote und Kindergarten-Projekte, wie selbstverständlich Yoga inzwischen in den Alltag von Kindern integriert wird.
Yoga auch an Schweizer Schulen und Kindergärten
Auch an Schweizer Schulen und Kindergärten sind solche Methoden längst angekommen.
Miriam Compagnoni, Co-Leiterin des Studiengangs Kindergarten- und Unterstufe an der PH Zürich, bestätigt gegenüber Nau.ch: «Yoga oder vergleichbare Entspannungs- und Bewegungsformate werden in Kindergärten in unterschiedlicher Form eingesetzt.»
Lehrpersonen seien dabei in der konkreten Umsetzung frei. Die Förderung von Wohlbefinden, Gesundheit und Selbstregulation sei jedoch im Lehrplan 21 sowie in OECD-Empfehlungen verankert.

Im Kindergartenalltag würden solche Übungen oft im Rahmen von Bewegungspausen oder zur Rhythmisierung des Unterrichts eingesetzt.
«Damit Kinder die erlernten Strategien auch nachhaltig in ihren Alltag integrieren können, braucht es eine gewisse Regelmässigkeit», sagt Compagnoni. Ebenso wichtig seien altersgerechte Erklärungen dazu, weshalb die Übungen gemacht werden.
Angehende Lehrpersonen der PH Zürich beschäftigen sich deshalb bereits im Studium mit Themen wie Emotionsregulation, Resilienz und Selbstregulation. Vermittelt werden die Inhalte etwa in Modulen zu Bewegung, Rhythmik oder überfachlichen Kompetenzen.
Nachfrage steigt deutlich
Konkrete Zahlen speziell zu Kinderyoga in der Schweiz gibt es kaum. Doch klar ist: Die Nachfrage nach Angeboten rund um Bewegung, mentale Gesundheit und Achtsamkeit steigt deutlich.
«Sowohl Eltern als auch Schulen suchen zunehmend nach Möglichkeiten, Kinder ganzheitlich zu stärken», sagt Tamara von YAMA Yoga.
Besonders bei Jugendlichen sieht die Yogalehrerin grossen Bedarf. Etwa bei Themen wie Stressbewältigung, emotionaler Stabilität und Selbstvertrauen. Ein entsprechendes Angebot sei derzeit in Planung.

















