Werbung und Gebühren: Netflix plant Änderungen wegen Nutzer-Einbruch

Zum ersten Mal seit zehn Jahren hat Netflix in einem Quartal Abonnenten verloren. Bereits jetzt sind entsprechend drastische Änderungen geplant.

Auf Grund sinkender Nutzerzahlen, stehen bei Netflix Änderungen an. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Im ersten Quartal 2022 hat Netflix 200'000 Nutzer verloren — der erste Verlust seit 2011.
  • Neben einem Angebot mit Werbung könnten deshalb Gebühren für geteilte Accounts anfallen.
  • Auch das Programm des Streaming-Dienstes soll der Situation entsprechend angepasst werden.

Streaming-Gigant Netflix musste im ersten Quartal 2022 zum ersten Mal seit zehn Jahren einen Nutzerverlust verzeichnen. Statt Millionen neuer Abonnenten sind es jetzt ganze 200'000 weniger. Auch wenn der Dienst noch immer an der Spitze vergleichbarer Angebote steht, wird jetzt bereits über Massnahmen diskutiert. Diese Änderungen stehen jetzt bei Netflix bevor.

Denn Anfang Jahr streamten rund 100 Millionen Haushalte, ohne zu bezahlen. (Symbolbild) - keystone

Netflix mit Werbung — aber immer noch kostenpflichtig

Bereits kurz nach der Bekanntgabe des Verlusts häuften sich die Schlagzeilen um diesen Tabubruch: Werbung beim Streaming. In einem Brief an Aktionäre rechtfertigte Gründer und CEO Reed Hastings die Überlegung wie folgt: «Ein durch Werbung unterstütztes Angebot kann viel Sinn ergeben. Netflix wird in den kommenden ein bis zwei Jahren an einer solchen Lösung arbeiten.»

Gibt es bei Netflix bald Werbung zu sehen? - Pexels

Demnach könnte es schon ab nächstem Jahr ein günstigeres Angebot des Dienstes geben, welches mit Werbeeinspielern daherkommt. Dies könnte ein Versuch sein, neue Kunden zur Streaming-Plattform zu locken. Vor allem, da künftig eventuell einige Millionen Nutzer wohl bald auf ihren geteilten Account verzichten müssen.

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Passwort mit Freunden teilen ist bald nicht mehr

Ein beliebtes Feature bei Netflix ist das Erstellen von mehreren Profilen unter einem Abonnement. Das Unternehmen will es so ermöglichen, dass etwa in einem Haushalt verschiedene Personen ihre eigenen Shows verfolgen können. Diese Funktion wird aber auch gerne von Freundesgruppen genutzt, um sich einen Account zu teilen. Das ist Netflix bekanntlich schon länger ein Dorn im Auge.

Netflix testet Gebühr für geteilte Account-Nutzung - AFP/Archiv

Der Konzern schätzt laut Berichten der «Deadline», dass über 100 Millionen Accounts weltweit geteilt werden. Zumindest für einzelne Haushalte soll dieses Angebot auch so bestehen bleiben. Trotzdem sieht Hastings den Verlust von potenziellen, zahlenden Kunden. Zumindest in gewissem Masse wolle man für die geteilten Accounts bezahlt werden, erklärt er in einem Interview.

Diese geteilten Profile könnten die Nutzerzahlen bei Netflix um knapp einen Drittel vergrössern. Wie genau ein neues Bezahlsystem aussehen könnte, wurde jedoch noch nicht erklärt. Diese Entwicklung könne noch ein Jahr dauern, so der Konzern.

Weniger Musicals, mehr Drama, kürzere Shows

Nicht nur finanziell, sondern auch inhaltlich könnten bei der Plattform einige grosse Änderungen anstehen. So distanziert sich das Unternehmen etwa von weniger populären Formaten wie Musicals oder Talkshows. Beliebtere Inhalte wie Dokumentationen oder ungescriptete Reality-Shows sollen hingegen stärker unterstützt werden.

Netflix-Chef Reed Hastings im Januar 2020. - AFP/Archiv

Auch stünden Diskussionen zu kürzeren Shows im Raum, wie das «Wall Street Journal» ausführt. Künftig sollen Serien gekürzt und mit weniger Episoden pro Staffel produziert werden, um Produktionskosten zu senken. Bei Hit-Shows wie Stranger Things kann eine einzelne Episode bis zu 30 Millionen US-Dollar kosten — nicht wenig. Genaue Zahlen zu oder Pläne kürzeren Serien gibt es bisher noch nicht.