Blackbox und Co.: Neuwagen werden zum Luxus
Werden Neuwagen zum Luxus? Neue EU-Sicherheitsregeln treiben die Autopreise massiv in die Höhe. Günstige Basismodelle und Kleinwagen sterben bald aus.

Kostet Ihr nächster Neuwagen bald ein echtes Vermögen? Neue EU-Sicherheitsregeln zwingen die Autobauer zu technisch extrem aufwendigen und teuren Massnahmen.
Ein fabrikneuer Kleinwagen für unter 20'000 Franken gehört auf dem Schweizer Automarkt damit endgültig der fernen Vergangenheit an. Die Europäische Union diktiert mit ihren strengen gesetzlichen Richtlinien den exakten technischen Mindeststandard moderner Personenwagen.
Moderne elektronische Steuergeräte kommunizieren im Fahrzeug heute bereits wesentlich komplexer als die historische Apollo-11-Fähre bei der ersten Mondlandung. Durch die schrittweise Einführung der neuen Sicherheitsnorm GSR II steigen die reinen Produktionskosten der Hersteller massiv.
Warum Schweizer Autokäufer unfreiwillig mitbezahlen
Schweizer Autofahrer blättern an der Kasse viel Geld für digitale Assistenzsysteme hin, die sie im alltäglichen Strassenverkehr überhaupt nicht wollen. Selbst etablierte und beliebte Basismodelle fliegen wegen dieser enormen wirtschaftlichen Nachrüstungskosten komplett aus den aktuellen Verkaufskatalogen.
Die neuen Cybersecurity-Richtlinien namens UNECE R155 und R156 zwingen die globalen Automobilhersteller zu extrem aufwendigen Software-Audits. Ingenieure müssen dadurch selbst ein bewährtes Volumenmodell wie den VW Golf über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg digital überwachen.
Das schützt den Neuwagen zwar effektiv vor kriminellen Hackern, treibt aber die Entwicklungskosten für die Elektronikarchitektur rasant in die Höhe. Zusätzlich verlangt das Gesetz ab diesem Jahr den technisch erweiterten «Next-Generation-eCall» für vollautomatische Notrufe über das Mobilfunknetz.
Die totale Überwachung durch die Pkw-Blackbox
Neben dem automatischen Notruf sorgt vor allem der gesetzlich vorgeschriebene Unfalldatenspeicher für datenschutzrechtliche Bedenken. Diese bordeigene Blackbox zeichnet im Strassenverkehr sekundengenau jedes relevante Fahrmanöver sowie sensible Telemetriedaten des Fahrzeugs permanent auf.
Das umfangreiche regulatorische GSR-II-Paket verlangt von den Herstellern zudem eine lückenlose sensorische Überwachung der lenkenden Person. Ein intelligenter Geschwindigkeitsassistent bremst das Fahrzeug bei erkannten Tempolimits mittels moderner Verkehrszeichenerkennung selbstständig ab.
Dazu gesellen sich der standardmässige Notbremsassistent mit erweiterter Fussgängererkennung und ein aktiv korrigierender Notfall-Spurhalteassistent. Diese Systeme agieren zwar technisch präzise, bevormunden Autofahrer jedoch auch bei jeder kleinsten Kursabweichung.
Teure Hardware zwingt zum Umdenken
Der nun ebenfalls obligatorische Müdigkeitswarner scannt kontinuierlich die feinen Augenbewegungen über eine sensible Kamera direkt im Cockpit. Für die Autokonzerne bedeuten die Vorgaben den serienmässigen Verbau von zusätzlichen Radarsensoren sowie komplexen Kamerasystemen.
Um gefährliche Auffahrunfälle im dichten Kolonnenverkehr zu minimieren, schreibt die Europäische Union ein adaptives Notbremslicht vor. Dieses auffällige Warnlicht blinkt bei einer Gefahrenbremsung ab 50 Kilometern pro Stunde automatisch in einer hohen Frequenz.
Auch eine hochauflösende Rückfahrkamera sowie ein automatisiertes Reifendrucküberwachungssystem gehören heute zwingend zur Basisausstattung. Die parallel verschärfte Abgasnorm Euro 6e erfordert im Motorraum zudem noch effizientere und damit teurere Katalysatoren.







