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    Jeep Grand Cherokee: US-Mythos seit 1992

    Maia Schmied
    Maia Schmied

    Vom V8-Kult zum Plug-in-Hybrid: Schafft der neue Jeep Grand Cherokee 4xe den Spagat zwischen US-Mythos und Schweizer Alpenalltag?

    Jeep Grand Cherokee L Overlaod
    Drei Sitzreihen: Erstmals in der Modellgeschichte bietet der Grand Cherokee in der Langversion «L» regulär Platz für bis zu sieben Passagiere. - Jeep

    Als Chrysler-Boss Bob Lutz 1992 mit dem ersten Grand Cherokee durch eine Glasscheibe in Detroit fuhr, entstand auf einen Schlag eine Legende. In der Schweiz traf dieser raubeinige Luxus sofort den Nerv der allradbegeisterten Kundschaft.

    Über drei Jahrzehnte hinweg prägte der US-Pionier das Segment der komfortbetonten Geländegänger massgeblich. Gerade in den Schweizer Bergkantonen von Graubünden bis ins Wallis avancierte der Geländewagen rasch zum Statussymbol abseits des europäischen Einerleis.

    Bis heute unvergessen bleibt dabei der spektakuläre Grand Cherokee 5.9 Limited aus dem Modelljahr 1998. Heute muss das amerikanische Flaggschiff in seiner fünften Generation den anspruchsvollen Spagat zwischen urwüchsigem Mythos und strengen CO₂-Vorgaben meistern.

    Radikaler Technologiewechsel unter der Haube

    Mit 241 PS und gewaltigen 468 Newtonmetern Drehmoment galt die damalige Speerspitze als schnellster Geländewagen der Welt. Schweizer Fahrer schätzten den unbändigen Durchzug des V8-Saugmotors an steilen Pässen ebenso wie das üppige Lederinterieur.

    Beachtliche 3.5 Tonnen Anhängelast machten den Achtzylinder überdies zum unverzichtbaren Liebling von Boots- und Pferdebesitzern. Der hubraumstarke V8-Klassiker gehört auf dem Schweizer Markt inzwischen allerdings endgültig der Vergangenheit an.

    Jeep Grand Cherokee
    Spektakulärer Messestart: Bei seiner Weltpremiere auf der Detroit Auto Show 1992 steuerte Chrysler-Chef Bob Lutz den ersten Grand Cherokee filmreif durch eine geschlossene Glasscheibe direkt in die Messehalle. - IFCAR

    Stellantis liefert die fünfte Generation hierzulande ausschliesslich als modernen Plug-in-Hybrid namens 4xe aus. Dabei spannt ein aufgeladener Zweiliter-Vierzylinder mit zwei Elektromotoren und einer 17.3-kWh-Batterie zusammen.

    Alpine Traktion und elektronische Präzision

    Eine imposante Systemleistung von 381 PS sowie 637 Newtonmeter Drehmoment lassen fahrdynamisch kaum Wünsche offen. In nur 6.3 Sekunden wuchtet der Hightech-Antrieb das rund 2.5 Tonnen schwere Dickschiff auf Tempo 100.

    Jeep Grand Cherokee
    Baureihen-Kürzel: Die von 1999 bis 2004 gebaute zweite Generation trägt intern die Bezeichnung WJ – für den europäischen Markt gebaute Modelle führten das Kürzel WG. - Jeep

    Die maximale Durchzugskraft liegt dank der elektrischen Unterstützung ansatzlos und praktisch ohne Verzögerung an den Achsen an. Auf schneebedeckten Passagen am Julierpass oder Gotthard demonstriert das amerikanische Fahrwerk eine verblüffende Souveränität.

    Das ausgeklügelte Quadra-Drive-II-Allradsystem verteilt die Kräfte über ein elektronisches Sperrdifferenzial an der Hinterachse millisekundengenau. Fünf wählbare Fahrmodi stimmen Dämpfung, Gasannahme und Kraftverteilung präzise auf den jeweiligen alpinen Untergrund ab.

    Luftfederung, Komfort und verändertes Lastenheft

    Die adaptive Quadra-Lift-Luftfederung hebt die Karosserie im anspruchsvollen Gelände auf bis zu 275 Millimeter Bodenfreiheit an. Damit bahnt sich der Grand Cherokee selbst durch tief verschneite Forstwege und Furchen unbeirrt seinen Weg.

    Jeep Grand Cherokee
    Gemeinschaftswerk: Unter dem Konzerndach von DaimlerChrysler teilte sich das SUV wesentliche Fahrwerks- und Elektronikkomponenten mit der Mercedes-Benz M-Klasse (W 164). - IFCAR

    Auf langen Autobahnetappen wiederum bügelt das System grobe Fahrbahnunebenheiten mit bemerkenswerter Gelassenheit glatt. Beim traditionsreichen Schweizer Steckenpferd, der maximalen Anhängelast, müssen Nautiker und Reiter mit rund 2.3 Tonnen nun jedoch Zugeständnisse machen.

    Auf dem hiesigen Markt trifft der Amerikaner zudem auf eine extrem stark aufgestellte Premium-Konkurrenz. Mit einem Schweizer Einstiegspreis von rund 86'900 Franken positioniert sich der Jeep auf Augenhöhe mit BMW X5 und Mercedes-Benz GLE.

    Wirtschaftlichkeit und Alltag

    Für die luxuriöse Top-Ausstattung Summit Reserve verlangt der Importeur sogar deutlich über 100'000 Franken. Die rein elektrische Reichweite von praxiseingeschränkten 45 Kilometern nach WLTP limitiert das emissionsfreie Fahren im städtischen Pendleralltag spürbar.

    Jeep Grand Cherokee
    Aktuelle elektrifizierte Kletterpartie: Als 380 PS starker Plug-in-Hybrid 4xe meistert das Dickschiff selbst felsige Offroad-Passagen rein elektrisch und flüsterleise. - IFCAR

    Ausserdem drückt ein historisch bedingt höherer Wertverlust auf die Restwertprognosen der Schweizer Leasingbanken und Flottenpartner. Dies führt dazu, dass die monatlichen Raten trotz des günstigeren Basispreises oft nahe an die deutschen Mitbewerber heranrücken.

    Wer sich heute dennoch für den Grand Cherokee entscheidet, bekommt dafür ein eigenständiges Design, unverkennbaren Charakter und die Aura des amerikanischen Pioniergeists.

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