Lara Gut-Behrami

Lara Gut-Behrami im Karriere-Rückblick: Früh geglänzt, spät gekrönt

Mathias Kainz
Mathias Kainz

Lugano,

Lara Gut-Behrami (35) hat am Mittwoch einen Schlussstrich unter ihre grosse Karriere gezogen. Eine Laufbahn mit mehr Höhen und Tiefen als viele andere.

Lara Gut-Behrami Olympia 2022
Lara Gut-Behrami mit Olympia-Gold 2022 – Die Krönung einer ganz besonderen Karriere. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Als 16-Jährige stand Lara Gut-Behrami erstmals auf dem Weltcup-Podest.
  • Es folgte eine Karriere mit vielen Höhen, aber auch vielen Rückschlägen.
  • Erst spät konnte sich die Tessinerin vergolden – im wahrsten Sinn des Wortes.

Fast 20 Jahre lang war Lara Gut-Behrami im alpinen Ski-Weltcup unterwegs. Am Mittwoch hat die heute 35-Jährige einen Schlussstrich unter ihre grosse Karriere gezogen. Nach der schweren Verletzung im Vorjahr verzichtet die Tessinerin auf ein Comeback.

Wirst du Lara Gut-Behrami im Weltcup vermissen?

Sie beendet ihre Karriere im Ski-Weltcup als Olympiasiegerin, Doppelweltmeisterin, zweifache Gesamtweltcupsiegerin. Mit 48 Weltcupsiegen und 101 Podestplätzen. Grund genug, eine ganz aussergewöhnliche Laufbahn Revue passieren zu lassen.

Die Erfolge von Lara Gut-Behrami im Überblick

Olympia: 1x Gold, 2x Bronze

WM: 2x Gold, 4x Silber, 3x Bronze

Weltcup-Gesamtsiege: 2015/16 & 2023/24

Super-G-Weltcup: 2013/14, 2015/16, 2020/21, 2022/23, 2023/24, 2024/25

Riesenslalom-Weltcup: 2023/24

Weltcup-Siege: 48

Steiler Aufstieg in jungen Jahren

Eine Laufbahn, die schon spektakulär beginnen sollte: Knapp einen Monat nach ihrem Weltcup-Debüt fährt die damals 16-Jährige bei ihrer Abfahrts-Premiere in St. Moritz sensationell auf das Podest und verpasst den Sieg nur durch einen Sturz vor dem Ziel.

Lara Gut-Behrami St. Moritz
Spektakuläres Premieren-Podest: Lara Gut-Behrami – damals noch Lara Gut – stürzt in St. Moritz auf den dritten Platz. - keystone

Es ist der Startschuss für einen steilen Aufstieg: Zehn Monate später folgt im Dezember 2008 an gleicher Stelle im Super-G Der erste Weltcupsieg.

Ziemlich genau ein Jahr nach dem Premieren-Podest der nächste Erfolg: In Val d'Isère lässt Lara Gut-Behrami – damals noch Lara Gut – WM-Silber in der Abfahrt und der Super-Kombination folgen.

Lara Gut-Behrami WM 2009
Auf dem Weg nach ganz oben: Lara Gut-Behrami holt an ihren ersten Weltmeisterschaften 2009 gleich zweimal Silber. - keystone

Zu diesem Zeitpunkt ist die Tessinerin noch keine 18 Jahre alt. Der Stern am Weltcup-Himmel geht gerade erst auf. Doch was folgt, sind schmerzvolle Rückschläge.

Verletzungspech, Trainer-Zoff, Material-Sorgen

Im September 2009, kurz vor dem Saisonbeginn, stürzt Lara Gut-Behrami im Riesen-Training schwer. Die Diagnose: Eine Hüft-Luxation rechts – Die Olympia-Saison ist vorbei, noch bevor sie begonnen hat.

Lara Gut-Behrami Olympia 2009
Lara Gut-Behrami verletzt sich 2009 schwer an der Hüfte und muss die Olympischen Winterspiele in Vancouver auslassen. - keystone

Der Weg zum Comeback ist steinig – und geprägt von Ärger abseits der Piste: Gut-Behrami überwirft sich mit Nationaltrainer Mauro Pini, kritisiert ihren Ex-Privatcoach öffentlich. Obendrein verstösst sie gegen die Kleiderordnung. Swiss-Ski zieht Konsequenzen, sperrt die Tessinerin für zwei Rennen, erst Ende Dezember 2010 gibt es die Versöhnung.

Lara Gut-Behrami meldet sich eindrucksvoll zurück, startet das Jahr 2011 mit ihrem zweiten Weltcupsieg im Zauchensee-Super-G. An der WM in Garmisch-Partenkirchen geht sie mit zwei vierten Plätzen knapp leer aus.

Lara Gut-Behrami
Lara Gut-Behrami gewinnt 2011 den Super-G in Zauchensee. - keystone

Der folgende Winter verläuft nach einem Markenwechsel von Atomic zu Rossignol enttäuschend. Auch das volle Programm mit allen fünf Disziplinen hilft nicht. Nach der Saison 2011/12 verzichtet Gut-Behrami auf den Slalom – die richtige Entscheidung: Im Dezember 2012 gewinnt sie ihre erste Abfahrt, an der WM in Schladming holt sie Super-G-Silber.

Durchbruch und Olympia-Premiere

Zum Saisonauftakt im Oktober 2013 gewinnt Lara Gut-Behrami erstmals einen Riesenslalom und beendet eine elfjährige Schweizer Riesen-Durststrecke. Im gleichen Winter ist sie erstmals auch für die Olympischen Winterspiele nominiert.

Lara Gut-Behrami Olympia 2014
In Sotschi 2014 holt Lara Gut-Behrami ihre erste Olympia-Medaille. - keystone

Doch im Vorfeld der Wettkämpfe in Sotschi sorgt die Tessinerin für Schlagzeilen: Sie übt scharfe Kritik an der Olympia-Vergabe nach Russland. Gut-Behrami kritisiert die Menschenrechtslage und die Instrumentalisierung des Sports.

Bei den Winterspielen selbst feiert Gut-Behrami ihre Premiere: Hinter den Ex-aequo-Siegerinnen Dominique Gisin und Tina Maze wird die Tessinerin Dritte. Bronze ist die erste Olympia-Medaille für die damals 22-Jährige.

Lara Gut-Behrami Olympia 2014
Lara Gut-Behrami wird bei Olympia 2014 in Sotschi Dritte hinter Siegerin Dominique Gisin. - keystone

Nach einem mageren Winter 2014/15 zieht Gut-Behrami dann im Sommer 2015 die Konsequenzen: Sie verlässt ihren Ausrüster Rossignol und wechselt zu Head – ein Wechsel, der grosse Erfolge bringen sollte.

Mit neuem Material nach ganz oben

Mit Head-Skiern an den Füssen schwingt sich Lara Gut-Behrami in die Weltspitze auf. Mit Siegen im Riesenslalom, in der Abfahrt und sogar der Super-Kombi übernimmt sie die Weltcup-Gesamtführung.

Was folgt, ist ein packendes Duell mit Lindsey Vonn, das Anfang März in Soldeu dramatisch endet: Die US-Amerikanerin erleidet einen komplexen Schienbeinkopfbruch, ihre Saison ist gelaufen.

Lara Gut-Behrami
Die Krönung: Lara Gut-Behrami holt sich 2016 erstmals die grosse Kristallkugel im Gesamtweltcup. - keystone

Knappe zwei Wochen später, kurz vor dem Saisonfinal, geht Gut-Behrami im Gesamtweltcup wieder in Führung. Konkurrentinnen gibt es keine mehr – am 13. März 2016 steht Lara Gut-Behrami erstmals als Gesamtweltcup-Siegerin fest.

Verletzungspech, die Zweite

Im folgenden Winter ist Gut-Behrami erneut im Gesamtweltcup in ein Duell mit einer US-Amerikanerin verwickelt: Sie kämpft mit Mikaela Shiffrin, als das Pech ausgerechnet an der Heim-WM in St. Moritz im Februar 2017 zuschlägt.

Beim Einfahren für den Kombinations-Slalom stürzt Gut-Behrami schwer. Die Schock-Diagnose: Kreuzbandriss, Meniskusverletzung – das linke Knie ist ein Totalschaden, die Saison vorbei. Vier Kristallkugel-Chancen und die WM-Träume sind auf einen Schlag dahin.

Lara Gut-Behrami 2017 Kreuzbandriss
Lara Gut-Behrami stürzt beim Einfahren für den Kombi-Slalom an der WM 2017 in St. Moritz schwer. - keystone

Der Weg zurück an die Weltspitze ist langwierig: Zwar steht Gut-Behrami im Dezember 2017 erstmals wieder auf dem Podest und gewinnt Ende Januar sogar «ihren» Super-G in Cortina. Eine Medaille bei den Winterspielen in Pyeongchang bleibt ihr aber verwehrt.

Die späte Krönung einer grossen Karriere

Es dauert bis Februar 2020, bis Gut-Behrami wieder zu ihrer Spitzenform findet. Dann aber ist sie kaum noch zu stoppen: Im Winter 2020/21 schwingt sie sich zur Höchstform auf, feiert unter anderem vier Super-G-Siege in Folge.

Lara Gut-Behrami Cortina Gold
Gold-Glück zum Ersten: In Cortina holt sich Lara Gut-Behrami ihren ersten Weltmeistertitel. - keystone

Erstmals vergolden kann sich die Tessinerin am 11. Februar 2021 bei der WM auf «ihrer» Tofana in Cortina – im Super-G holt sie ihren ersten Weltmeistertitel. Sie lässt Abfahrts-Bronze und Gold im Riesenslalom folgen und ist mit acht Medaillen die erfolgreichste Schweizerin bei Weltmeisterschaften.

Lara Gut-Behrami Olympia 2022
Gold-Glück, die Zweite: Genau ein Jahr nach WM-Gold ist Lara Gut-Behrami auf dem Olymp angekommen. - keystone

Genau ein Jahr nach der ersten WM-Goldenen erreicht Gut-Behrami den Zenit: Im Super-G krönt sie sich an den Winterspielen in Beijing zur Olympiasiegerin. Im Riesenslalom holt sie zudem die Bronze-Medaille. Nach all den Höhen und Tiefen ist Lara Gut-Behrami ganz oben.

Zweite grosse Kristallkugel und eine besondere Marke

Nach dem Olympia-Hoch lässt Gut-Behrami 2024 noch einen Super-Winter folgen: Sie gewinnt nicht nur zum zweiten Mal den Gesamtweltcup, sondern neben der Super-G-Wertung auch erstmals Riesen-Kristall.

Lara Gut-Behrami Kristallkugeln
Lara Gut-Behrami mit ihren drei Kristallkugeln nach der Saison 2023/24. - keystone

In der Folge-Saison erreicht die Tessinerin zudem noch eine Bestmarke, die es zuvor nur bei den Männern gab: Sie gewinnt beim Weltcup-Saisonfinale in Sun Valley nicht nur ihre sechste Super-G-Kristallkugel. Sie triumphiert dort auch im Riesenslalom und gewinnt als erste Frau zehn Weltcup-Rennen in drei verschiedenen Disziplinen.

Lara Gut-Behrami Super-G Kristallkugel
Lara Gut-Behrami holte 2025 nochmals Super-G-Kristall – zum sechsten Mal in ihrer Karriere. - keystone

Die letzte Bestmarke ihrer Karriere stellt Gut-Behrami im Oktober 2025 beim Riesenslalom in Sölden auf: Als Dritte feiert sie Podestplatz Nummer 101 ihrer Karriere und zieht damit mit der Schweizer Rekordhalterin Vreni Schneider gleich.

Rücktritts-Pläne und Verletzungspech, die Dritte

Schon vor dem Saisonstart 2025/26 hatte Gut-Behrami angekündigt, ihre Karriere nach den Winterspielen 2026 beenden zu wollen. Dann aber der Schock: Beim Super-G-Training in Colorado stürzt die Tessinerin schwer.

Die Diagnose: Kreuzbandriss und Innenbandriss im schon einmal so schwer verletzten linken Knie. Die Saison ist vorbei, der Traum vom Olympia-Abschied auf «ihrer» Tofana in Cortina d'Ampezzo geplatzt.

Lara Gut-Behrami
Lara Gut-Behrami beendet ihre grosse Karriere. - keystone

Anfang August 2026 beendet die 35-Jährige dann die Spekulationen: Sie verkündet ihren Rücktritt vom Spitzensport, nimmt Abschied vom Ski-Weltcup. Mit einer ganz, ganz grossen Karriere im Gepäck.

Kommentare

User #6142 (nicht angemeldet)

Es ist mal gut, gibt es keine neuen Themen mehr?

User #4587 (nicht angemeldet)

Gut ohne immer das Behrami dran!

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