Sind Sie in der Form ihres Lebens, Fabian Staudenmann?

Pierre Benoit
Pierre Benoit

Bern,

Fabian Staudenmann ist die klare Nummer 1, dahinter folgen weitere Berner Mitfavoriten. Entsprechend ambitioniert reisen die Berner an den Kilchberg-Schwinget.

Fabian Staudenmann
Ist der grosse Favorit für das Kilchberger Schwinget: Fabian Staudenmann. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit dem Kilchberger Schwinget steigt am Samstag das Highlight der Schwing-Saison.
  • Fabian Staudenmann ist die klare Nummer 1, dahinter folgen weitere Berner Mitfavoriten.

Vor dem Kilchberger Schwinget am Samstag traf sich der BärnerBär mit Topfavorit Fabian Staudenmann und seinem Klubkollegen Michael Ledermann, der sich ebenfalls in Bestform befindet. Staudenmann gewann die letzten fünf Kranzfeste in überlegener Manier; für ihn bedeutet heute Rang 2 bereits eine Enttäuschung.

Ledermann kehrte nach seinem Kreuzbandriss im Juli beim Berner Kantonalen stark zurück, glänzte mit Spitzenplätzen und gewann immer den Kranz.

Staudenmann
Zwei der Berner Trümpfe am Kilchberger: Staudenmann Fabian und Ledermann Michael. - Daniel Zaugg

«Ob ich mich in der besten Form aller Zeiten befinde, ist schwierig zu sagen. Dies wird an den Resultaten gemessen, deshalb wird Kilchberg darüber Aufschluss geben», beantwortet Fabian Staudenmann die entsprechende Frage.

«Ich bin nach der Verletzung unbeschwert zurückgekommen, setzte mich nicht unter Druck. Am Kantonalen im Wankdorf war ich noch etwas verkrampft, musste schauen, ob das Knie hält, doch spätestens seit dem Brünig verschwende ich keine Gedanken mehr daran, weil ich weiss, dass das Knie in Ordnung ist und schwinge deshalb locker», sagt Michael Ledermann.

Die Umstellung im Training

Nach dem Eidgenössischen in Mollis, bei dem Staudenmann um die Schlussgangteilnahme mit einem krassen Fehlurteil betrogen wurde, stellte das Kraftpaket des Schwingklubs Schwarzenburg einiges um.

Staudenmann Fabian
Fabian Staudenmann. - Daniel Zaugg

An Mollis mag er nicht mehr zurückdenken, das Fest hat er nach fünf Tagen abgehakt, nicht so wie seine häufigen Gesprächspartner, die ihn immer wieder darauf ansprechen und noch heute verärgert sind.

Schwingen steht im Vordergrund

«Früher baute ich die Trainings im Schwingkeller rund um die Krafttrainings ein, jetzt mache ich es genau umgekehrt. Schwingen steht an erster Stelle, alles andere wird rund um die technische Arbeit im Sägemehl ins Programm eingebaut», sagt Staudenmann, der an der Uni Bern Volkswirtschaft studiert.

«Ich habe bis zum nächsten Eidgenössischen einen Dreijahresplan erstellt, einige Eckpfeiler gesetzt und werde nach jeder Saison eine genaue Analyse vornehmen.»

Ergänzt hat Staudenmann sein Team mit dem vierfachen Eidgenossen Simon Anderegg, der ihn in technischen Belangen unterstützt.

Anders bei Michael Ledermann. Er arbeitet weiterhin in einem 40-Prozent-Pensum bei der Landi in Schwarzenburg, hilft im elterlichen Bauernbetrieb mit und schwingt und trainiert daneben äusserst seriös.

Nach seinen Glanzresultaten in den vergangenen Jahren kann sich Staudenmann heute stärker denn je auf den Schwingsport fokussieren.

Ledermann dagegen verdient sich mit dem Sport einen schönen Zustupf, sagt aber: «Wenn ich nur arbeiten würde, hätte ich Ende Monat mehr Geld auf dem Konto.»

Ledermann
Wislisauschwinget im Jahr 2025, Schlussgang, Ledermann Michael (o.) – Walther Adrian (u.). - Daniel Zaugg

Ledermann hat, wie es die Beobachter unschwer erkennen können, einen eigenen Schwingstil.

«Ich weiss nach einem Kampf oft nicht, wie ich den Gegner gebodigt habe und muss das zuerst im Video anschauen. Ich schwinge nach ‹Gspüri›, dadurch ist mein Stil spontan, individuell und eher unkonventionell, ich darf einfach nicht zu viel überlegen.»

PERSÖNLICH

Fabian Staudenmann wurde am 15. April 2000 in Bern geboren. Er wohnt in Bern. Er hat bisher 74 Kränze, 26 Kranzfeste gewonnen und erreichte 2019 in Zug mit 19 Jahren, 2022 in Pratteln und 2025 in Mollis den eidgenössischen Kranz. 2023, 2024 und 2025 war er Schwinger des Jahres. In diesem Jahr gewann er das Bern-Jurassische, das Seeländische, das Kantonale, die Bergschwinget auf der Rigi, dem Brünig und der Schwägalp. Er ist nach Martin Grab der zweite Schwinger, der alle sechs Bergfeste gewinnen konnte. Er gewann 2021 den Kilchberg-Schwinget, der nur alle sechs Jahre stattfindet und 2024 das Jubiläums-Schwingfest 125 Jahre ESV.

Michael Ledermann wurde am 10. Oktober 2000 in Bern geboren. Er gewann bisher drei Kranzfeste (das Mittelländische 2022 und das Seeländische 2022 und 2025) und 40 Kränze. Er ist zweifacher Eidgenosse und belegte in Mollis im vergangenen Jahr trotz eines gerissenen Kreuzbandes ohne eine Niederlage und vier Siegen am Sonntag

den hervorragenden 4. Platz. In die neue Saison startete er nach überstandener Verletzung erst am Bernisch Kantonalen und erreichte mit den Rängen 8., 5., 2., 4. und 5) bei allen Teilnahmen den Kranz. Am Seeländischen stand er gegen seinen Klubkollegen Fabian Staudenmann im Schlussgang.

Dass er sich trotz seiner hervorragenden Leistungen stets ein wenig im Schatten seines Kollegen Staudenmann bewegt, ist für den zweifachen Eidgenossen kein Problem.

«In der Regel gewinnt der Beste, und das ist meist Fäbu. Um zu gewinnen, muss man alle nehmen», sagt er, genauso wie sich der dreifache König Ruedi Hunsperger vor Jahrzehnten geäussert hat. «Die Stimmung unter uns Bernern ist hervorragend, jeder gönnt dem anderen den Erfolg, Der Teamgeist könnte besser nicht sein.»

Staudenmann unterstreicht diese Aussage mit der Bemerkung: «Als wir am Vortag gemeinsam auf die Schwägalp fuhren, haben wir während der ganzen Reise gesungen, gelacht und uns bestens unterhalten, wir sind eine geschlossene Einheit.»

Gibt es am Kilchberger Schwinget einen Berner Sieger?

Im Fokus steht ganz klar das Kilchberg-Schwinget am kommenden Samstag, doch im Hinterkopf haben Staudenmann und Ledermann auch das Eidgenössische 2028 in Thun.

«Klar denke ich oft an Thun», sagt Staudenmann und Ledermann ergänzt: «Das ist bei mir omnipräsent».

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