Schwingerkönig Armon Orlik: «Brauche wohl professionelle Hilfe»
Vor einem Jahr krönte sich Armon Orlik am ESAF in Mollis GL zum Schwingerkönig. Das habe auch neue Herausforderungen mit sich gebracht, gesteht er nun ein.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Alltag als Schwingerkönig hat Armon Orlik (31) mit neuen Herausforderungen konfrontiert.
- Der Druck sei gewachsen, die Last sei eine andere, gibt der Bündner ein Jahr nach dem ESAF-Triumph zu.
- Bislang war Orlik sein eigener Mentaltrainer. Sucht er sich für 2027 professionelle Hilfe?
Ein Jahr ist vergangen, seit Armon Orlik in Mollis GL den wohl wichtigsten Wurf seiner Karriere landete: 2025 krönte der Bündner am ESAF im Schlussgang gegen Pirmin Reichmuth seine Schwinger-Laufbahn. Doch einfach war die Zeit seither für den Schwingerkönig nicht immer.
In einem umfassenden Interview mit dem «Blick» gibt Orlik offen zu, dass er seit dem ESAF ein wenig anders lebe. «Ich bin etwas lockerer geworden», verrät der 31-Jährige im Hinblick auf seinen Alltag. «Das widerspiegelt sich auch in meinem Privatleben.»

Vor der Krönung als Schwingerkönig habe es «kein Links und kein Rechts» gegeben, so Orlik. «Vor einem Jahr suchte ich jeden Tag das perfekte Erholungsprogramm. Heute gehe ich auch einmal mit meiner Freundin auswärts essen oder am Wochenende mit Kollegen grillieren. Das tut mir gut und ist mir wichtig.»
Armon Orlik «muss in absoluter Topform sein»
Weniger professionell sei er deswegen aber nicht geworden, betont der Bündner. «Die Woche vor einem Schwingfest ist weiterhin durchgetaktet. Das war schon immer so und wird sich auch nicht ändern. Bei mir muss alles perfekt zusammenpassen, sonst wird es schwierig.»
«Wenn ich nicht in absoluter Topform bin, muss ich gegen viele Konkurrenten hart arbeiten. Dann können die Gänge auch schon einmal fünf, sechs Minuten dauern», weiss Armon Orlik. Das war auch 2026 schon ein Thema – und dann kommt schnell Kritik auf.

Mit der befasst sich Orlik aber nach Möglichkeit nicht. «Ich schaue und lese nicht immer alles, das hilft sicher. Mit gewissen Dingen und damit, wie sie gesagt werden, bin ich nicht einverstanden. Teilweise ist es überspitzt und zielt an der Realität vorbei.»
«Ich brauche wohl professionelle Hilfe»
Zugleich weiss der Schwingerkönig aber auch, dass der Druck gewachsen ist. «Ich war wie in den Jahren zuvor mein eigener Mentaltrainer. Das funktionierte sehr gut. Deshalb habe ich auch in diesem Jahr auf externe Hilfe verzichtet.»

Dass das die richtige Herangehensweise ist, bezweifelt Orlik mittlerweile aber. «Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es für mich der beste Weg ist, alles allein zu bewältigen. Ich brauche wohl professionelle Hilfe. Als Schwingerkönig bin ich in Situationen geraten, die ich so vorher nicht kannte.»
Ob er sich tatsächlich einen Mentaltrainer sucht, will Armon Orlik aber erst nach der Saison entscheiden. «Dann habe ich die nötige Ruhe, um mir darüber Gedanken zu machen und alles zu analysieren. Ich muss herausfinden, wo das Problem genau lag.»

Jetzt gilt der Fokus dem Saisonhighlight in Kilchberg. 2014 war Orlik das erste Mal dabei, mit «null Druck», wie er im Rückblick sagt. Jetzt reist er als Schwingerkönig an und will die Nordostschweizer zum Festsieg führen: «Ich möchte mit meiner Leistung dazu beitragen, dass wir als NOS am Ende ganz zuoberst stehen.»












