Radsport

Wie geht es mit dem deutschen Radsport nach der WM weiter?

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Italien,

Mehrere Spitzenfahrer setzen ihre Prioritäten anders, in Imola fehlen der letzte Schuss Glück und Power. Ein Jahr vor Tokio haben die deutschen Radfahrer noch viel zu tun. Doch die Lage ist bei weitem nicht so dramatisch, wie es die medaillenlose WM vermuten lässt.

Für ganz vorne und damit Edelmetall hat es für die deutschen Radsportler an vier Wettkampftagen nicht gereicht. Foto: Andrew Medichini/AP/dpa
Für ganz vorne und damit Edelmetall hat es für die deutschen Radsportler an vier Wettkampftagen nicht gereicht. Foto: Andrew Medichini/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit Dreck auf der Stirn und Schweiss im Gesicht lieferte Simon Geschke die passende Zusammenfassung der Tage von Imola.

«Wenn man so knapp dran ist, will man natürlich schon vorn sein.»

Knapp dran waren die deutschen Strassenrad-Asse in der Emilia Romagna, für ganz vorne und damit Edelmetall hat es an vier Wettkampftagen nicht gereicht. Inmitten eines hektischen Radsport-Herbsts und ein Jahr vor den Olympischen Spielen von Tokio stellt sich nun die Frage nach den aktuellen Perspektiven des Teams vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR).

Ist die medaillenlose WM so schlimm, wie es klingt?

Nein. Wegen der Corona-Pandemie wurde das WM-Programm von zuletzt elf auf diesmal vier Entscheidungen reduziert. Die Junioren-Wettbewerbe entfielen komplett. Die erste medaillenlose WM seit der deutschen Wiedervereinigung klingt daher nach einem Stück Negativ-Geschichte, ist aber auch den Umständen geschuldet. Ohne die Junioren-Rennen wäre der BDR bei der WM auch in der jüngeren Vergangenheit ab und an leer ausgegangen. Zumal insgesamt fünf Top-Ten-Plätze durch Maximilian Schachmann, Liane Lippert, zweimal Lisa Brennauer und Mieke Kröger eine ordentliche Bilanz sind.

Was macht Hoffnung für das Olympia-Jahr 2021?

Die neue Generation um Schachmann, den letztjährigen Tour-Vierten Emanuel Buchmann und den diesjährigen Etappensieger Lennard Kämna. Dem BDR stehen Talente und Optionen für unterschiedlichste WM-Kurse und Profile in den kommenden Jahren zur Verfügung. Buchmann ist der Mann für das ganz schwere Terrain, er dürfte auch in Tokio kommendes Jahr gefragt sein. Bei hügeligen Klassikerprofilen gibt es in Schachmann, Kämna und dem Paris-Roubaix-Zweiten Nils Politt drei Joker. Am besten dürften die deutschen WM-Chancen auf die erste Strassenrennen-Medaille seit 2011 aber stehen, wenn der Kurs mal wieder flach und schnell ist: Da zählt der endschnelle Pascal Ackermann zur absoluten Weltelite.

Ist der Generationswechsel im Team schon vollzogen?

Definitiv ja. Aus der älteren Generation hat Super-Sprinter Marcel Kittel bereits aufgehört, André Greipel seine schnellsten Zeiten hinter sich und John Degenkolb die Rolle von Kapitän auf Helfer gewechselt. Stattdessen überzeugen Ackermann, Schachmann, Kämna und Co. auch auf der World Tour mit Einzelsiegen und beherzten Attacken. Ob der 35 Jahre alte Tony Martin noch einmal für eine Medaille im Einzelzeitfahren gut ist, bleibt abzuwarten.

Welche Chancen bieten sich den deutschen Profis in diesem Jahr noch?

Vor allem bei den Klassikern gibt es noch Siegchancen. «Es ist schon ein straffes Programm, vier solche 250-Kilometer-Rennen nacheinander zu fahren», sagte Schachmann, der nach Schlüsselbeinbruch, Tour und WM-Teilnahme nun auch noch drei lange Eintagesrennen ins Visier nimmt. Vor allem bei Lüttich-Bastogne-Lüttich gilt der Berliner als einer der Favoriten. Bergfahrer Buchmann könnte nach missglückter Tour noch einmal einen Angriff bei der Vuelta ab Ende Oktober wagen.

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