YB U21 – Magnin: «Sprung von Promotion in Super League ist riesig»
Bei Trainer-Entlassungen greift YB schnell auf bewährte interne Kräfte zurück – nach dem Motto: «Das Gute liegt so nah», frei nach Goethe.

Wird bei den Young Boys ein Trainer entlassen und gilt es, innert kürzester Zeit eine Lösung zu finden, braucht die sportliche Leitung unter Christoph Spycher nicht lange zu suchen. «Warum denn in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah», lautet dann das Motto, frei nach Johann Wolfgang Goethe.
Als Raphael Wicky im März 2024 entlassen wurde, stand Joël Magnin, der sich als Coach lieber mit jungen Talenten beschäftigt, bereit, als Feuerwehrmann zu helfen.
«Als mich Sportchef Steve von Bergen anfragte, ob ich einspringen würde, überlegte ich kurz und sagte zu. Für mich war klar, dass ich dem Verein, der mir so viel gegeben hatte, etwas zurückgeben und die Herausforderung annehmen wollte.»

Magnin, der aus seiner Zeit als Xamax-Cheftrainer Erfahrung aus der Super League mitbrachte, reüssierte – Ende Saison feierte YB den 17. Meistertitel der Klubgeschichte.
Im Oktober 2024 sah sich YB nach einem missglückten Saisonstart gezwungen, den Vertrag mit Trainer Patrick Rahmen aufzulösen. Wiederum wurde nicht lange über eine Nachfolgelösung diskutiert. Magnin übernahm zum zweiten Mal und stabilisierte das Team, ehe Giorgio Contini verpflichtet wurde.
Magnin lieber im Nachwuchs
Magnin, der Neuenburger, der einst beim FC Boudry seine Spielerkarriere startete, ist kein Mann, der das Rampenlicht sucht. Er fühlt sich als Ausbildner und Trainer bei den hoffnungsvollsten Nachwuchsspielern wohl und in seinem Element, denn er liebt langfristige Projekte.
Seine Aufgabe ist äusserst anspruchsvoll. Er betreut ein Kader von rund 20 Spielern, alle mit dem Ehrgeiz, möglichst rasch den Sprung zu schaffen und in der Super League Fuss zu fassen.
Im Gegensatz zum Fanionteam sind kurzfristige Resultate hier weniger gefragt, es gilt, einerseits die Spieler in ihrer Entwicklung weiterzubringen, andererseits auch Jahr für Jahr den Klassenerhalt in der 1. Liga Promotion zu schaffen.
«Der Sprung von der dritthöchsten in die oberste Spielklasse ist riesig, aus einer tieferen Liga wäre er fast unmöglich», sagt Magnin.

Bei YB weiss man um die Wichtigkeit der Nachwuchsteams, die U19 und die U21 bilden für die Spieler das Sprungbrett. Neben Chef Magnin: «Ich bin sozusagen der Manager, der chef d’orchestre, der den Überblick behält», kümmern sich mit Fabian Lustenberger als Defensivtrainer, Lorenzo Guerrero (Assistenz- und Stürmertrainer), sowie Remo Burri (Goalietrainer) ausgewiesene Spezialisten um die einzelnen Mannschaftsteile.
Die Verbindung mit Gerardo Seoane ist eng, der ständige Austausch fruchtbar. Immer wieder werden Spieler der U21 aufgrund von Verletzungen oder Sperren in der 1. Mannschaft benötigt; in dieser Saison kamen mit Olivier Mambwa (seit Oktober 2025 im Kader der 1. Mannschaft) und Benjamin Kabeya bereits zwei Spieler der U21 in Seoanes Team zum Einsatz.
Der Teamgedanke stimmt
Bei einer Gruppe von 20 ambitionierten Spielern, alle mit dem Traum, im Fussball Karriere zu machen, kann man sich vorstellen, dass der Konkurrenzkampf dermassen gross ist, dass ein Zusammenhalt im Team zu einer Unmöglichkeit wird.
Doch Joël Magnin widerspricht. «Diese Spieler sind seit der U15 grösstenteils immer zusammen, sie kennen sich, unternehmen auch privat etwas gemeinsam. Klar ist, dass jeder Karriere machen will, doch das ändert nichts daran, dass der Teamgeist stimmt. Ich darf sagen, dass es Spass macht, mit ihnen zu trainieren und Spiele zu bestreiten.»
Nicht alle schaffen den Sprung in die erste YB-Mannschaft ohne Umweg. Viele machen bei einem Challenge-League-Klub eine Zwischenstation, um dann in der Super League aufzutauchen, denn nicht jeder ist ein Fabian Rieder oder ein Aurèle Amenda.
Magnin nennt das Beispiel von Verteidiger Joël Schmid. «Er schaffte es bei YB nicht direkt aus dem Nachwuchs in die 1. Mannschaft. Über die Stationen Breitenrain, Rapperswil, Wil, Vaduz und Sion spielt er heute in der Bundesliga beim 1. FC Köln, ein Beweis, dass auch dies möglich ist.»
Das Engagement von Christian Schneuwly
Mit Christian Schneuwly, einem ehemaligen YB-Spieler, der auch für Thun, Zürich, Luzern und Lausanne in der Super League aktiv war, verpflichtete YB zu Beginn der laufenden Saison einen Mann, der sich als Talentmanager um alle Nachwuchsteams kümmert.

«Er ist eine Art Schnittstelle zwischen sämtlichen Teams und das Bindeglied, eine äusserst wichtige Funktion», so Magnin.
Magnins beeindruckende Laufbahn
Als Spieler weist Joël Magnin eine beeindruckende Laufbahn auf. Begonnen hat seine Karriere beim FC Boudry, nahe des Neuenburgersees, wo er von GC entdeckt wurde. Mit den Zürchern feierte er einen Meistertitel.
Weitere Stationen waren Lugano, wiederum GC und Lugano. Schliesslich landete er bei YB, spielte von 2002-06 als Mittelstürmer oder offensiver Mittelfeldspieler und beendete hier seine Karriere als Spieler.
Der Inhaber der UEFA-Pro-Lizenz (der höchsten Auszeichnung), bestritt unter Trainer Enzo Trossero am 2. Juni 2001 sein einziges Länderspiel beim 1:0-Sieg in der WM-Qualifikation auf den Färöer Inseln, als er acht Minuten vor Schluss für Alex Frei eingewechselt wurde.












