BSC Young Boys

    YB – starke Nicht-Wechsel: Hier kommt die grosse Transferbilanz

    Christoph Böhlen
    Christoph Böhlen

    Bern,

    YB hat einen arbeitsreichen Sommer hinter sich. Wir haben das neue Kader unter die Lupe genommen: Hier kommt die grosse Nau.ch-Transferbilanz.

    YB
    Gerardo Seoane ist mit YB in dieser Saison noch ungeschlagen. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Young Boys haben ihr Kader auf 25 Namen reduziert – zwei «Baustellen» sind noch offen.
    • Die Berner sorgen auch mit den Nicht-Transfers von Alvyn Sanches und Lewin Blum für starke Signale.

    Nach Platz 6 in der Vorsaison ist bei YB klar: Im Sommer müssen Veränderungen her. Der Umbruch, den man schon im Vorjahr mit den Transfers von Wüthrich, Edimilson und Essende lancierte, soll weitergehen.

    YB
    YB (hier mit Sport-Boss Christoph Spycher) hat sein Team neu aufgestellt. - keystone

    Die Krux: Qualität und Mentalität im Team sollen steigen – wegen dem Verpassen des Europacups muss das Kader aber auch verkleinert werden. Wie ist das der sportlichen Leitung um Christoph Spycher und Mathieu Béda gelungen? Hier kommt die Übersicht.

    Tor

    WM-Fahrer Marvin Keller (24) bleibt die Nummer 1, als neue Nummer 2 folgt Routinier Joël Mall (35) auf Heinz Lindner (neu beim FCZ). Dario Marzino (29, seit 2013 im Club) bleibt die treue und teamintern beliebte Nummer 3.

    Fazit: Im Tor ist YB stärker aufgestellt! Mit Mall holt YB eine Nummer 2, die bei vielen Super-League-Clubs gesetzt wäre. Die Hierarchie ist klar. Dass der Nationalgoalie Zyperns Keller aber problemlos ersetzen kann, zeigt er beim Saisonstart und im Cup. Mit Ruben Salchli haben die Berner zudem ein grosses Talent an Kriens ausgeliehen.

    Innenverteidigung

    Das Herz der Abwehr stand (und steht) bei YB in den letzten Monaten in der Kritik. Grund sind die vielen Gegentore, die allerdings nicht nur den Innenverteidigern anzulasten sind.

    Mit Cédric Zesiger gelingt YB ein Königstransfer: Der Augsburg-Rückkehrer bringt nicht nur Mentalität und Leadership mit, sondern erhöht auch die Qualität. Bleibt aus YB-Sicht zu hoffen, dass der neue Abwehrchef und Captain «1b» nicht zu lange ausfällt.

    Neben Zesiger komplettieren Captain Loris Benito, Sandro Lauper und Gregory Wüthrich das «Innenverteidiger-Kleeblatt».

    Auf dem Papier dürfte Wüthrich die optimale Ergänzung neben Zesiger sein, ist zuletzt aber angeschlagen. Überhaupt hat der YB-Junior seit seiner Rückkehr noch nicht durchgehend überzeugt. Daher ist Sandro Lauper aktuell in der Pole-Position als rechter Innenverteidiger – auch wenn alle fit wären.

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    Tanguy Zoukrou hat YB verlassen. - keystone

    Tanguy Zoukrou hat die Berner in Richtung Türkei verlassen. Der Franzose bringt physisch zwar vieles mit, kann aber bei YB nicht regelmässig überzeugen. Das von Verletzungen geplagte Talent Mats Seiler wechelt definitiv zum FC Thun.

    Fazit: Individuell hat die Innenverteidigung an Qualität zugelegt, Zesigers Rückkehr ist ein Glücksfall. Ob die Innenverteidigung sattelfester ist, darf man eigentlich erst beurteilen, wenn der Seeländer wieder fit ist und die Abwehr mehrere Spiele am Stück dirigieren und stabilisieren darf.

    Bei den vier Innenverteidigern setzt YB in dieser Saison auf Routine. In der Vorbereitung hinterlässt U21-Spieler Silas Ubaka (17) aber einen guten Eindruck.

    Aussenverteidigung

    Keine YB-Position wird in den letzten Wochen so intensiv besprochen. Mit Isaac Schmidt gelingt es den Bernern, einen Nationalspieler in die Schweiz zurück zu holen.

    Zwar wird kommuniziert, dass der 26-Jährige für hinten rechts eingeplant ist. Da hat man aber offenbar noch nicht damit gerechnet, wie stark Lewin Blum aus seinem Belgien-Aufenthalt zurückkehrt.

    Statt Blum zu verkaufen, legt man ihm ein Vertragsangebot vor – sehr zur Freude vieler Fans, bei denen er als Publikumsliebling gilt. Gut möglich, dass Schmidt nun doch hinten links auflaufen wird, wo man mit Jaouen Hadjam einen WM-Fahrer für einen zweistelligen Millionenbetrag in die Premier League verkaufen konnte.

    Mit Stefan Bukinac findet ein weiterer Linksverteidiger immer besser in die Spur. Dieses Trio dürfte die beiden Stammplätze unter sich ausmachen.

    Rechtsverteidiger Ryan Andrews kämpft sich derzeit nach seinem Kreuzbandriss zurück, Talent Olivier Mambwa (links) wird ohne Kaufoption an den FC Thun verliehen. Zudem wird U21-Captain Benjamin Kabeya mit einem Profivertrag belohnt. Er wird sich nicht über die Backup-Rolle beklagen.

    Fazit: Dass sich YB gegen einen Transfer von Lewin Blum stellt, ist clever. Der Roggwiler überzeugt und sorgt auch für Identifikation. Das Trio mit Blum, Schmidt und Bukinac bringt sehr viel Qualität auf den Platz.

    Bleiben noch die beiden letzten «Baustellen» im YB-Transferfenster: Für Linksverteidiger Rhodri Smith wird ein Leihclub gesucht – bei Routinier Saidy Janko dürfte ein definitiver Wechsel angestrebt werden.

    Zentrales Mittelfeld

    Keinen Zuzug gibt es bei YB im Zentrum: Edimilson Fernandes blidet derzeit zusammen mit Bosniens WM-Fahrer Armin Gigovic das Stamm-Duo, Dominik Pech ist der Herausforderer. Der junge Tscheche wird von YB definitiv übernommen und zeigt in den ersten Spielen, dass sich Edimilson und Gigovic nicht ausruhen dürfen.

    In der Abstimmung zwischen Offensive und Defensive hat YB in diesem Mannschaftsteil noch Luft nach oben. Fernandes und Gigovic überzeugen im Spiel nach vorne – können den Raum vor der Abwehr aber (noch) nicht wie gewünscht abdecken. Aktuelle Beispiele: Das FCZ-Tor von Reichmuth, der FCB-Ausgleich durch Victory.

    Fazit: Transferseitig hat YB auch hier die Aufgaben gemacht: Pech dürfte im Zentrum die Zukunft gehören. Für Rayan Raveloson konnte ein Abnehmer gefunden werden. Der belgische Club Leuven hat zudem die Kaufoption bei Lukasz Lakomy gezogen.

    Mit Elio Rufener wird ein Talent zwecks Spielpraxis an Kriens ausgeliehen. Nach sechs Spielen in der Challenge League steht er bereits bei vier Toren und einem Assist.

    Flügelspieler

    Nach fünf Jahren bei YB stimmt das Timing bei Joël Monteiro in diesem Transfersommer: Der Natispieler wechselt zu Lecce in die Serie A.

    Zudem wird Darian Males, dessen Rolle zulezt immer kleiner wurde, nach Polen verkauft. Ebrima Colley wechselt (mit Kaufpflicht) in die Türkei und der zuletzt häufig verliehene Malik Deme wechselt fix nach Rapperswil-Jona.

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    Joël Monteiro schafft den Sprung von YB in eine Topliga. - keystone

    YB hat aber direkt nachgelegt und für Ersatz gesorgt: Mit Herba Guirassy (20) kommt ein wirbliger Spieler aus Nantes, der bereits eine Saison Ligue-1-Erfahrung mitbringt. Zudem debütiert er Anfang Jahr in Frankreichs U21-Nationalteam.

    Und: Mit Edin Etoski (19) wird ein hoffnungsvolles Talent zum Profi befördert. Beim 4:2 gegen den FCZ kommt er zum zweiten Liga-Einsatz und trifft sogar. Allerdings zählt der Treffer wegen Abseits nicht. Seine Tor-Premiere dürfte aber eher früher als später folgen.

    Fazit: Die YB-Offensive überzeugt bisher seit dem ersten Spieltag. Zudem ist viel Flexibilität vorhanden (siehe Offensives Mittelfeld und Sturm). Mit Alan Virginius bleibt ein schneller Flügel, dessen Entwicklung in den letzten Monaten nach oben zeigt.

    WM-Fahrer Christian Fassnacht hat seinen Status mit seinem Hattrick gegen den FCZ zementiert. Die Einsatzchancen bei Edin Etoski sind durch die Abgänge ebenfalls gestiegen – und auf Guirassy darf man gespannt sein.

    Offensives Mittelfeld

    Bei den Young Boys ist der Übergang von Flügelspielern, Stürmer und offensiven Mittelfeldspielern oft fliessend.

    Trotzdem wird die Kategorie aus aktuellem Anlass separat geführt: Alvyn Sanches bleibt bei YB! Der 23-Jährige zeigt zu Saisonbeginn, dass er das Nicht-Aufgebot für die WM verdaut hat. Sanches ist eine Attraktion – seinen Nicht-Wechsel darf YB als «Transfer-Coup» verbuchen.

    YB
    Alvyn Sanches ist bei YB der Dreh- und Angelpunkt in der Offensive. - keystone

    Bis zu seiner Verletzung überzeugt auch Kastriot Imeri im Zusammenspiel mit dem Ex-Lausanner. Vor allem die Standards des Thuner Meisterspielers sind ein Mehrwert für die Young Boys.

    Hier müssen jetzt andere in die Bresche springen: Imeri versucht sein Glück in der Bundesliga und wechselt zu Mauro Lustrinellis Union Berlin.

    Kastriot Imeri YB Union
    Kastriot Imeri wechselt von YB zur Union Berlin. - Union Berlin

    Die dritte spannende Personalie im offensiven Mittelfeld heisst Lutfi Dalipi. YB leiht den 20-jährigen Fribourger an Aufsteiger Vaduz aus – und dort startet Dalipi bislang durch. Zwei Tore und fünf Assists gelingen dem starken Techniker.

    YB
    Bei Vaduz überzeugt YB-Leihgabe Lutfi Dalipi (rechts) zu Saisonbeginn. - keystone

    Fazit: Sanches zu halten ist ein kleiner Coup, der Abgang von Imeri ist nachvollziehbar. Und mit Dalipi könnten die Berner ein Juwel in der Hinterhand haben, das schon bald in den Startlöchern stehen wird.

    Sturm

    Die Entscheidung für Essende und gegen Bedia erweist sich als richtig. Samuel Essende ist das Element im Sturmzentrum, das YB gefehlt hat. Ein physisch starker Arbeiter mit guter Mentalität, der kaum ein Duell verliert. Sei es am Boden oder in der Luft.

    Im Vergleich zu seinem Start bei YB klappt es jetzt auch mit den Toren: Mit fünf Treffern in sechs Spielen führt er die Torjägerliste an. Sein neuer Sturmpartner, der auch auf dem Flügel spielen kann, heisst Kaly Sène.

    Mit diesem Transfer holt sich YB nicht nur Qualität, sondern sendet eine Duftmarke an die Konkurrenz. Und: Irgendwann wird auch Facinet Conte mehr als zwei Jahre nach seiner Ankunft bei YB noch sein Debüt feiern. Der Verletzungs-Pechvogel stieg in der Vorbereitung ins Training ein – er wird aber genügend Zeit erhalten.

    YB
    Sergio Cordova wechselt von YB in die Türkei. - keystone

    Auf der Abgangsliste: «Missverständnis» Sergio Cordova kann in die Türkei abgegeben werden. Emmanuel Tsimba nutzt seine Chance auch bei GC nicht und wechselt fix nach Belgien. Pechvogel des Sommers ist Talent Janis Lüthi, der sich bei Leihclub Xamax Mitte August die Achillessehne reisst.

    Fazit: Wie die restliche Offensive ist auch das Angriffszentrum bei YB breit aufgestellt. Tempo, Physis, Abschlussqualität: 23 Tore in sechs Spielen kommen nicht von ungefähr. Einziger «Mini»-Zweifel: Kann Sène Essende als Anker im Sturmzentrum ersetzen, sollte dieser einmal ausfallen?

    Schlussfazit

    YB hat bisher ein beinahe optimales Transferfenster hinter sich. Auf Abgänge ist man im Wankdorf entweder vorbereitet – oder kalkuliert sie ein.

    YB
    Mathieu Béda, Technischer Direktor bei YB, hatte mit seinem Team einen strengen Transfer-Sommer. - keystone

    Das Kader wird verkleinert und wirkt trotzdem stärker als in der Vorsaison. Zudem wird Raum für Talent Edin Etoski geschaffen, Dalipi und Rufener dürfen in Vaduz und Kriens den nächsten Schritt machen.

    Die Nicht-Transfers von Lewin Blum und Alvyn Sanches kommen auch bei den Fans gut an. Und sollte die Verletzungshexe nicht wieder ganz verrückt spielen, gilt YB mit diesem Kader als Titelfavorit Nummer 1.

    Traust du YB den Meistertitel zu?

    Am Samstag geht es für YB in der englischen Woche zuhause weiter: Um 18 Uhr empfangen die Berner den FC Luzern.

    Super League (22.10.2026)SpSNUTorePkt
    1.FC Lugano LogoFC Lugano1090131:728
    2.BSC Young Boys LogoBSC Young Boys1060433:1822
    3.FC Sion LogoFC Sion1063123:1719
    4.FC St. Gallen LogoFC St. Gallen1054117:1916
    5.FC Zürich LogoFC Zürich1044218:2214
    6.Servette LogoServette1045114:1313
    7.FC Basel LogoFC Basel1045117:2013
    8.FC Luzern LogoFC Luzern1034317:2212
    9.FC Thun Berner Oberland LogoFC Thun Berner Oberland1036117:2710
    10.FC Vaduz LogoFC Vaduz1037021:219
    11.Grasshopper Club Zürich LogoGrasshopper Club Zürich1026213:268
    12.Lausanne-Sport LogoLausanne-Sport101637:166
    Super League (22.10.2026)SpPkt
    1.FC Lugano LogoFC Lugano1028
    2.BSC Young Boys LogoBSC Young Boys1022
    3.FC Sion LogoFC Sion1019
    4.FC St. Gallen LogoFC St. Gallen1016
    5.FC Zürich LogoFC Zürich1014
    6.Servette LogoServette1013
    7.FC Basel LogoFC Basel1013
    8.FC Luzern LogoFC Luzern1012
    9.FC Thun Berner Oberland LogoFC Thun Berner Oberland1010
    10.FC Vaduz LogoFC Vaduz109
    11.Grasshopper Club Zürich LogoGrasshopper Club Zürich108
    12.Lausanne-Sport LogoLausanne-Sport106

    Kommentare

    User #4314 (nicht angemeldet)

    Nachdem die YB Führung in den letzten Jahren kläglich versagt hat, ist es schön zu sehen, dass sie dazulernen können. Vor allem auch, dass man den eigenen Nachwuchs ernst nimmt. Und dass Lauper wieder eine echte Stütze geworden ist, hatte ich nicht mehr zu hoffen gewagt. In Zukunft dann einfach am richtigen Ort sparen, wenn es aufwärts geht: Einen guten Spieler zu halten mag Geld kosten, ist aber oft die bessere Investition als das nächste "Schnäppchen" aus der Ligue 2. Und wenn es auch noch mit dem Naturrasen klappt, sieht die Zukunft für YB gut aus!

    User #3895 (nicht angemeldet)

    YB ist klar die beste Mannschaft in der Schweiz, die können sich nur selber schlagen.

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