YB-Sportchef Christoph Spycher gibt sein Amt an Steve von Bergen ab – und wechselt in den Verwaltungsrat. Das macht durchaus Sinn. Ein Kommentar.
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Christoph Spycher ist der Baumeister des YB-Erfolges in den letzten Jahren. Er wird bei YB zum Delegierten des Verwaltungsrates und entscheidet über das Sportliche. . - screenshot/yb

Das Wichtigste in Kürze

  • YB-Sportchef Christoph Spycher (44) wird Mitglied des Verwaltungsrats.
  • Neuer Sportchef bei den Bernern wird Steve von Bergen (38).
  • Es ist ein kluger Entscheid, findet Nau.ch-Chefredaktor Micha Zbinden.

Als 15-Jähriger durfte ich einmal in der Berner Fussballauswahl vorspielen. Als ich auf dem Spielfeld als rechter Mittelfeldspieler nach hinten blickte, sah ich Christoph Spycher vom FC Sternenberg. Ich wusste: Wenn Spycher hinter mir spielt, dann kommt keiner vorbei. So war es schon früher: Auf «Wuschu» ist Verlass!

Im Gegensatz zu mir spielte Spycher dann erfolgreich in der Schweizer Nati und in der Bundesliga.

Nach seiner sportlichen Karriere coachte Spycher bei YB die Talente. Das Fanionteam blieb sportlich weiter titellos. Die YB-Verantwortlichen baten Spycher nach einem riesigen Knatsch im Verein (Fredy Bickel und Urs Siegenthaler gingen) im Herbst 2016, den Posten als Sportchef zu übernehmen.

Micha Zbinden
Micha Zbinden, Chefredaktor Nau.ch - Nau.ch

Spycher zögerte, handelte sich clever bessere Strukturen aus – und übernahm den kriselnden Laden. Clever, zurückhaltend und überlegt. Er avancierte in der Folge zum Baumeister der fünf (!) YB-Titel in den letzten Jahren. «In Wuschu we trust», heisst es seither in Bern.

«Heute ist ein wunderschöner Tag für mich»

Nun gibt Spycher sein Amt als Sportchef freiwillig ab. Auch jetzt hat er sich mit viel Fleiss – und dank seines Erfolges – bessere Strukturen verschafft. «Heute ist ein wunderschöner Tag für mich», sagt Spycher. Das ist ihm zu gönnen.

Denn: Die vergangenen Jahre haben viel Kraft gekostet, das Sportchef-Amt ist ein extremer Verschleissjob. Wenn Spieler und Fans Ferien machten, fädelte er die letzten Transfers ein. Erholung und genügend Zeit für die Familie? Denkste.

Würde Spycher in dieser unglaublichen Pace weiterarbeiten, käme es wohl nicht gut. Deshalb ist sein Entscheid, künftig bei YB die Rolle als Mitglied des Verwaltungsrats und Sport-Schnittstelle zu übernehmen, klug und weitsichtig. Für beide Seiten.

Auf «Wuschu» ist bei YB auch so Verlass.

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