Murat Yakin – Halbbruder verrät: So hat sich Muri verändert!
Ertan Irizik (61) ist der Halbbruder von Nati-Coach Murat Yakin (51). Der Wahl-St. Galler und Ex-FCSG-Spieler erklärt seinen Bruder.

Das Wichtigste in Kürze
- Murat Yakin (51) weilt aktuell mit der Nationalmannschaft an der WM.
- Sein Halbbruder Ertan Irizik erklärt, wie der Nati-Coach tickt.
- «Ich merke, dass Muri in letzter Zeit viel konsequenter geworden ist», so der 61-Jährige.
Ertan Irizik, gelernter Metallbauschlosser und seit 40 Jahren Küchenbauer in der Ostschweiz, blickt aus seiner Eigentumswohnung im Erdgeschoss auf den Bodensee. 1986 verliess er die Sippschaft Yakin/Irizik in Basel und heuerte beim FC St. Gallen als Rechtsverteidiger an.

Trainer im damaligen Stadion Espenmoos war der als Peitschenknaller verschriene Deutsche Uwe Klimaschefski. Irizik erinnert sich: «Ich hatte es gut mit Klimaschefski. Aber er hat schon derbe Sprüche gemacht. Bei seinem Amtsantritt sagte er: Ihr Bergler habt keine Ahnung von Fussball, ich bin nur wegen des Geldes hier.»
Entwicklung aus Ferne mitverfolgt
Als Irizik 22-jährig Richtung St. Gallen zog, war Iriziks Mutter Emine in zweiter Ehe mit dem türkischen Schweisser Mustafa Yakin verheiratet. Neben den sechs Kindern aus erster Ehe kamen Murat und Hakan Yakin dazu.
Der heutige Nati-Coach Murat Yakin war bei Iriziks Abschied knapp zwölf, musste auch wegen sprachlicher Hindernisse für seinen zweieinhalb Jahre jüngeren Bruder Hakan in die Vaterrolle schlüpfen. Irizik verfolgte die Entwicklung der beiden jüngeren Halbbrüder meist aus der Ferne.

Ertan Irizik: «Ich fuhr öfter nach Basel runter, die ersten beiden Jahre jedes Wochenende nach den Spielen. Und die ganze Sippschaft, Schwester, Brüder waren ja auch dort, die beiden Jungs waren nicht ganz allein.»
Ertan Irizik war auch involviert, als 1992 der legendäre GC-Manager Erich Vogel (87) den älteren Yakin vom FC Concordia Basel nach Zürich lotsen wollte. Als 17-Jähriger unterschrieb Murat Yakin seinen ersten Profivertrag.
Irizik hingegen musste neben dem Fussball täglich arbeiten. «Zwischendurch auch als Übersetzer bei der Polizei.»
Irizik hielt dem FCSG die Stange
Yakin spielte später für den VfB Stuttgart, Fenerbahce Istanbul, den 1. FC Kaiserslautern und den FC Basel. Irizik hielt dem FCSG – mit Ausnahme eines halbjährigen Abstechers zu TuS Celle – bis 1995 die Stange. Zum Karrierenende spielte der bullige Verteidiger beim FC Gossau und dem SC Brühl St. Gallen.
«Wird ihm nicht mehr passieren»
Auf die Frage, wie Murat Yakin tickt, sagt sein Halbbruder: «Muri ist ein Phänomen. Wenn er in einen Raum kommt, füllt er diesen sofort aus. Er besitzt eine Ausstrahlung, wie sie nur wenige haben. Sein Lächeln, sein schlendernder Gang, seine innere Ruhe. So war er eigentlich schon immer.»
Nach einer kurzen Denkpause mit Blick auf den Bodensee sagt Yakins Halbbruder: «Ich merke, dass Muri in letzter Zeit viel konsequenter geworden ist.»

Wohl auch eine Folge der schmerzlichen 1:6-Niederlage der Schweiz im WM-Achtelfinale 2022 in Katar, als mehrere Schweizer Spieler angeschlagen waren und Yakin sie trotzdem spielen liess. Irizik: «Das war ein Fehler, das wird ihm nicht mehr passieren.»
Vor drei Jahren verstarb Emine Yakin, Mutter von Ertan Irizik, Murat Yakin und sechs weiteren Kindern, im Alter von 89 Jahren. 60 Personen umfasst die Sippschaft heute.
Irizik: «Muri und ich haben den Lead. Und die ganze Familie ist stolz auf Muri. Er ist da, wenn man ihn braucht. Er ist sehr grosszügig, ohne dass er jeweils eine Gegen-leistung erwartet.»
Oft im Kontakt miteinander
Am Samstag, 21 Uhr MEZ, geht es für die Nati in Kalifornien mit dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Katar los.
Was kann Murat Yakin mit der Nati an diesem Weltturnier erreichen?
Irizik: «Ich glaube, Weltmeisterschaften werden immer schwieriger. Die Underdogs sind nicht mehr so schwach. Die grösste Gefahr ist, wenn sich die Schweiz überschätzen würde. Wenn sie gegen Deutschland spielen müssten, würde dies nicht passieren. Ich hoffe, die Schweiz übersteht die Gruppenphase. Und wenn, dann werden sie recht weit kommen.»

Irizik wird nicht in die USA fliegen. Zuletzt getroffen haben sich die beiden Brüder am Sonntag vergangener Woche beim Testländerspiel gegen Jordanien (4:1) in Iriziks zweiter Heimat St. Gallen.
Ertan Irizik: «Muri und ich haben regen Kontakt.»
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.












