BSC Young Boys

Das sind die wahren Baustellen bei YB

Matthias Neuhaus
Matthias Neuhaus

Bern,

YB muss sich im Derby gegen Thun geschlagen geben. Einmal mehr wirft der Auftritt von Gelbschwarz Fragen auf. Woran liegt es? Eine Analyse.

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YB und Trainer Gerardo Seoane zeigen in der Super League nicht die beste Saison. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • YB verliert das Berner Derby gegen Thun nach Pausenführung.
  • Die Seoane-Elf baut in der zweiten Hälfte gehörig ab.
  • Das Spiel steht symptomatisch für die ganze YB-Saison. Eine Analyse.

YB hat im Derby gegen Thun (1:2) lange alles im Griff. Die Young Boys könnten die Partie genauso gut gewinnen. Am Ende müssen sie aber einmal mehr als Verlierer vom Feld.

Der Frust nach der 1:2-Niederlage ist gross. Wirklich erklären kann man sich den Einbruch in der zweiten Halbzeit aufseiten von Gelbschwarz nicht.

Schliesst YB die Meisterschaft in den Top 6 ab?

Fakt ist: Das Spiel ist ein Spiegelbild der bisherigen YB-Saison – und zeigt die aktuellen Baustellen bei den Bernern.

1. Defensive Schwächen

55 Gegentore in 29 Liga-Spielen. Diese Statistik spricht eigentlich schon Bände. Zum Vergleich: Den zweitschlechtesten Wert der Top-6-Teams weist der FCB mit 38 Gegentreffern auf.

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Valmir Matoshi gleicht zum 1:1 aus. Die YB-Abwehr sieht dabei nicht gut aus. - SRF

Ein Paradebeispiel für die defensiven Schwächen von YB ist der Thuner Ausgleich vom Sonntag (Video oben).

Ein einziger Ball in die Tiefe reicht, um die ganze Berner Abwehr auszuhebeln. Gigovic kommt seinem Gegenspieler nicht hinterher, dann lässt sich Wüthrich austanzen. Am Ende schiebt Matoshi unbedrängt ein.

Fazit: YB ist hinten schon die ganze Saison sehr anfällig. Sowohl lange Bälle als auch Zuspiele in die Tiefe stellen die Defensive vor grosse Probleme. Die Berner tun gut daran, im Sommer das Abwehrzentrum zu stabilisieren.

2. Chemie im Team

«Wir hatten einen grossen Umbruch im Sommer. Die Mannschaft hat sich nicht so schnell gefunden, wie wir uns das erhofft haben.» Das sagte Sport-Boss Christoph Spycher Ende Februar beim Auswärtsspiel gegen Sion im «blue»-Interview.

Nur: Hat sich die Mannschaft denn überhaupt gefunden?

Auf dem Platz macht es aktuell nicht den Anschein. Und in der Garderobe wohl auch nicht. Während bei Thun jeder für den anderen rennt, lässt YB das Gefühl einer Einheit vermissen. Es sind offensichtlich (zu) viele Einzelkämpfer am Werk, jeder schaut für sich.

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YB muss im Saisonendspurt noch um die Top-6 kämpfen. - keystone

Es fehlen Leadertypen wie früher Steve von Bergen oder Guillaume Hoarau, die vorangehen und die Kabine im Griff haben. Eine klare Hierarchie ist bei Gelbschwarz jedenfalls nicht zu erkennen.

Thun hat sich im Winter in einer Berghütte auf dem Brünig auf die Rückrunde vorbereitet und ist als Mannschaft zusammengewachsen. Diesen Teamspirit – auch abseits des Spielfeldes – weist YB aktuell leider nicht auf.

Fazit: Egal ob Amateur- oder Profi-Bereich: Um erfolgreich zu sein, muss die Chemie im Team stimmen. Zusammengewachsen ist diese YB-Mannschaft (noch) nicht.

3. Keine Konstanz

Hier gilt es, zwei verschiedene Aspekte zu differenzieren.

Zum einen hat YB (wettbewerbsübergreifend) seit Mitte September 2025 nie mehr als zwei Spiele hintereinander gewonnen. Das hängt sicher auch mit der Anzahl Gegentore zusammen. Auf einen Schritt vorwärts folgt meistens wieder einer zurück.

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Hängende Köpfe bei YB nach der Derbyniederlage gegen Thun. - keystone

Andererseits gelingt es Gelbschwarz ebenso selten, eine Leistung konstant über 90 Minuten abzurufen. Auch hier ist das Thun-Spiel vom Wochenende das beste Beispiel.

YB beginnt druckvoll, geht früh in Führung und hat eigentlich alles im Griff. Dennoch verliert das Team im zweiten Durchgang den Faden und gibt die Partie noch aus der Hand. Die beiden Halbzeiten hätten unterschiedlicher nicht sein können.

Fazit: YB kann froh sein, dass es zumindest mit dem Toreschiessen klappt. Mit der Konstanz dieser Saison wäre ein Top-6-Finish ansonsten ausser Reichweite.

4. Mentalität

Die fehlende Konstanz wirft die Frage auf: Scheitert es bei YB an der Mentalität? Phasenweise zeigen die Berner ja guten Fussball – wie zum Beispiel in der ersten halben Stunde gegen Thun.

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Thun-Trainer Mauro Lustrinelli: «Seit ich Thun-Trainer bin haben wir noch nie auf Unentschieden gespielt.» - Nau.ch

An der Pressekonferenz nach dem Derby macht Thun-Trainer Mauro Lustrinelli eine spannende Aussage (Video oben). «Seit ich hier Trainer bin, haben wir noch nie auf Unentschieden gespielt», sagt der Coach.

Symptomatisch dafür: Die Thuner Spieler holen den Ball nach dem Ausgleich umgehend aus dem Tor und rennen zur Mittellinie. Sie machen klar: Mit dem Remis sind wir nicht zufrieden...

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YB-Trainer Gerardo Seoane: «Habe nicht das Gefühl, dass es fehlender Spirit ist.» - Nau.ch

Vor einigen Jahren war dieser unbedingte Siegeswille bei YB an der Tagesordnung. Aktuell kommen bezüglich Erfolgshunger aber Zweifel auf.

Fazit: Während Thun das Derby nach Rückstand und verschossenem Penalty dreht, gibt es YB vor heimischer Kulisse aus der Hand. Das Team mit der besseren Mentalität hat die Partie gewonnen.

5. Physis

Klar hat YB im Derby eine englische Woche hinter sich. Selbiges gilt aber auch für Thun. Die Lustrinelli-Elf spielt sogar erst am Donnerstag und reist mit einem Tag weniger Erholung ins Wankdorf.

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Die Thuner jubeln im Wankdorf gegen YB. - keystone

Dennoch sind es die Thuner, welche in der zweiten Halbzeit physisch zulegen können. Während bei YB die Kräfte schwinden, schaltet der Leader in den zweiten Gang.

Fazit: Nicht zum ersten Mal in dieser Saison bauen die Young Boys in der Schlussphase ab. Im direkten Vergleich mit Tabellenführer Thun werden die physischen Defizite offensichtlich.

Kommentare

User #6487 (nicht angemeldet)

....seit 4 Hahren, deutsche Sprache - schwierige Sprache !!!!!!!!!!!!

User #6524 (nicht angemeldet)

Es ist genau so wie es ist ! Harmlose Ausdrücke, im Gegensatz zu dem, was sich die Spieler von ihren Kontrahenten während des Spiels anhören müssen..!

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