Kohli: «Stadt Bern: Schwarze Null – rote Zahlen im Hinterkopf»

Philip Kohli
Philip Kohli

Bern,

Die schwarze Null täuscht – die Stadt Bern braucht eine nachhaltige Finanzpolitik. Ein Gastbeitrag von Philip Kohli, Geschäftsleiter der HIV-Sektion Bern.

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Philip Kohli ist Rechtsanwalt und Geschäftsleiter der HIV-Sektion Bern. - zVg

Mit der Medienmitteilung vom 2. April 2026 informierte der Gemeinderat der Stadt Bern über die Rechnung 2025. Das Resultat: eine «schwarze Null», konkret ein Überschuss von 1,7 Millionen Franken – statt eines budgetierten Defizits von knapp 30 Millionen.

Das klingt nach einem Erfolg. Doch ist es mehr als ein Achtungserfolg? Denn der Abschluss ist vor allem auf ausserordentlich hohe Steuereinnahmen zurückzuführen.

Insgesamt lagen diese rund 37 Millionen Franken über Budget – ein grosser Teil davon einmalig. Mit anderen Worten: Ohne Sondereffekte wäre die Rechnung 2025 im Minus.

Ist die aktuelle Finanzlage der Stadt Bern nachhaltig?

Gleichzeitig bleibt die strukturelle Realität bestehen. Die Stadt investiert weiterhin auf sehr hohem Niveau, während die Verschuldung bei rund 1,5 Milliarden Franken verharrt und finanzpolitische Ziele klar verfehlt werden.

Und wie reagieren die Parteien, welche im Stadtrat die Mehrheit stellen? Rot-Grün eröffnet bereits die nächste Verteilungsdebatte: Wer bekommt mehr, wo wird ausgebaut, wer wird entlastet?

Weniger im Fokus steht die entscheidende Frage: Wie sichern wir langfristig unsere wirtschaftliche Basis? Denn klar ist: Ohne Wertschöpfung keine Steuereinnahmen.

Steuern
Insgesamt lagen die Steuereinnahmen rund 37 Millionen Franken über dem Budget. - Keystone

Und ohne attraktive Rahmenbedingungen keine Wertschöpfung. Die schwarze Null ist deshalb keine Trendwende – was auch der Gemeinderat in seiner Medienmitteilung festhält. Immerhin will Finanzdirektorin Mettler künftig keine Defizite mehr budgetieren.

Ein ehrwürdiges Ziel, das grundsätzlich zum Schuldenabbau beitragen könnte – wären da nicht jene Kräfte, die im Stadtrat die Mehrheit stellen.

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Philip Kohli (*1991) ist Rechtsanwalt und Geschäftsleiter der HIV-Sektion Bern.

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