Berner begeistert als Futsal-Schiri und Zauberer

Pierre Benoit
Pierre Benoit

Bern,

Daniel Matkovic aus Bern sorgt an der Futsal-Euro als Schiedsrichter für klare Entscheidungen – und begeistert als Zauberer «MagicMaD» mit verblüffenden Tricks.

BärnerBär Schiedsrichter Matkovic Bern
Daniel Matkovic aus Bern ist bei der Futsal-Euro als Schiedsrichter im Einsatz. - zVg

Derzeit läuft in Lettland, Litauen und Slowenien die Futsal-Euro. Die Schweiz ist zwar nicht mit der Mannschaft, aber mit zwei Schiedsrichtern vertreten.

Einer davon ist der Berner Daniel Matkovic, in der Schweiz nicht nur als Unparteiischer, sondern ebenso unter dem Künstlernamen «MagicMaD» als genialer Zauberer mit Lachgarantie bekannt und beliebt.

Für den in der Bundesstadt geborenen Mann mit kroatischen Wurzeln sind es im Alter von 36 Jahren bereits die zweiten Europameisterschaften bei den Aktiven. Bei Weltmeisterschaften und EUROs der U19 stand er ebenfalls schon je zweimal im Einsatz.

Hast du schon einmal Futsal gespielt?

Doch als Höhepunkt seiner Karriere bezeichnet Matkovic nicht einen dieser sechs Grossanlässe, sondern die Champions League. «An den Finals, den ‹Final Four› im Einsatz gewesen zu sein, war für mich bis heute der absolute Glanzpunkt, nicht nur, weil die weltbesten Spieler auf dem Feld standen, sondern auch weil meine Eltern in den Zuschauerrängen sassen.»

Statt auf der «Frohe Aussicht» in Zollikofen oder dem «Hirzenfeld» in Münchenbuchsee – wo er als Junior spielte – dem Ball hinterherzujagen, pfeift Matkovic seit 15 Jahren Futsal-Partien, seit zehn Jahren als FIFA-Referee auf den Weltbühnen.

Nachdem er auf Rasen die Testpartie zwischen dem FC Thun und dem FC Lugano gepfiffen und bereits der Talentgruppe angehört hatte, wechselte er in die Halle.

«Ich habe in den Ferien in Novi Vinodolski in Kroatien Futsal-Partien verfolgt und war von der Atmosphäre, der Schnelligkeit und der technischen Souplesse der Spieler derart fasziniert, dass für mich klar war, dass ich diese Emotionen als Schiedsrichter hautnah miterleben wollte und wechselte deshalb vom Feld in die Halle.»

Raketenhafter Aufstieg

2010 leitete Matkovic erstmals Futsal-Spiele, bereits fünf Jahre später wurde er aufgrund seiner konstant guten Leistungen zum FIFA-Schiedsrichter «befördert». Doch dieser rasante Aufstieg ändert nichts daran, dass der zweifache Familienvater nach wie vor auch Partien im Nachwuchs arbitriert.

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Nicht nur im Pfeifen, auch im Zaubern ist Matkovic ein wahres Talent. - zVg

«Ich habe so viel Schönes erlebt, dass ich der Sportart etwas zurückgeben will», begründet Matkovic seine Einsätze an der Basis. Die Stars auf dem Feld sind dann nicht die Spieler, sondern der Schiedsrichter.

Dieser Feststellung widerspricht Matkovic vehement. «Ob ich als Schiedsrichter oder Zauberer unterwegs bin, ändert nichts daran, dass im Futsal die Spieler und in der Zauberei die Gäste die Stars sind. Gibt meine Leistung in der Halle zu keinen Diskussionen Anlass und bringe ich auf der Bühne die Zuschauer zum Lachen, bin ich glücklich.»

Der Schicksalsschlag

Wer diese Zeilen liest, könnte meinen, Matkovics bisheriges Leben sei ein wahres «Mousse au Chocolat» gewesen, er sei seit Geburt nur vom Erfolg verwöhnt. Doch dem ist leider nicht so. Vor gut drei Jahren fiel er im Alter von erst 33 Jahren in ein tiefes Loch.

Von einer Sekunde auf die andere waren sämtliche Glücksgefühle verschwunden. Nach langem Zögern hatte er sich, weil er Blut im Urin festgestellt hatte, doch in ärztliche Behandlung begeben und erhielt just vor Weihnachten die niederschmetternde Diagnose Blasenkrebs.

«Meine schlimmste Befürchtung in diesem Moment war, meine Kinder nicht aufwachsen zu sehen. Lange behielt ich das Urteil geheim, weihte zuerst meine Frau und später auch die Familie ein.» Doch ein operativer Eingriff und eine Chemotherapie verliefen erfolgreich.

Persönlich

Daniel Matkovic wurde am 2. November 1989 in Bern geboren. Er ist FIFA-Futsal-Schiedsrichter, Zauberer, zweifacher Familienvater und Teamleiter an der Ausgleichskasse des Kantons Bern.

Derzeit steht er zum siebenten Mal an einem Grossturnier im Einsatz.

Diese Situation zog zwar eine vorübergehende Gewichtszunahme nach sich, aber heute ist Matkovic wieder – wie durch ein Wunder – zu hundert Prozent fit, geht seinem Beruf nach, pfeift und zaubert, als ob dazwischen nichts gewesen wäre.

Doch Spuren hinterlassen hat die Krankheit dennoch. «Ich kann nicht alles vergessen, was passiert ist. Ich hatte mit meiner Karriere bereits abgeschlossen, das alles hat sich bis heute tief in meinen Gedanken verankert.»

Trotzdem ist Matkovic heute wieder ein glücklicher Mann, der in jeder freien Minute mit seinen Kindern herumtollt. «Zuhause sprechen wir deutsch, spanisch und kroatisch, weil meine Frau Spanierin ist, die Kinder verstehen alles.»

Schwieriger als auf dem Feld

Wer sowohl Spiele auf dem Rasen als auch in der Halle verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass es schwieriger ist, Futsal als Fussball zu pfeifen. Der Schiedsrichter befindet sich nahe der Spielerbank und erlebt hautnah die Emotionen der Betreuer mit.

Das Feld ist kleiner, das Spiel schneller und intensiver, die Zuschauer in der Halle sitzen auf engem Raum beisammen. Der Schiedsrichter wird so auch zum Manager eines Spiels.

In der Hektik gilt es Ruhe und Übersicht zu bewahren und sich durch nichts beeinflussen zu lassen, was nicht immer eine leichte Aufgabe ist.

Denkst du auch, dass Futsal schwieriger zu pfeifen ist als Fussball?

Mit all diesen Herausforderungen muss Matkovic aktuell auch in Riga, Kaunas und Ljubljana fertig werden, wenn er zusammen mit David Schärli die Schweizer Farben vertritt.

Doch Matkovic ist überzeugt, dass der Tag, an dem sich auch die Schweiz für eine EURO qualifiziert, nicht mehr fern ist.

«Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Die entsprechende Infrastruktur ist in der Schweiz vorhanden, die Teams erzielen Fortschritte, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Schritt in die europäische Spitzenklasse gelingt.»

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