Jürgen Klopp: Drei Baustellen nach der DFB-Trainer-Premiere
Jürgen Klopp muss sich bei seiner DFB-Premiere mit einem 1:1-Remis begnügen. Einige Baustellen werden dabei offensichtlich – jetzt muss Klopp reagieren.

Das Wichtigste in Kürze
- Das erste Spiel unter Bundestrainer Jürgen Klopp endet für Deutschland in Amsterdam mit einem 1:1-Remis.
- Die DFB-Elf führt lange, kassiert in der Schlussphase aber noch einen leistungsgerechten Ausgleich.
- Der erste Auftritt offenbart – wie von Klopp angekündigt – noch einige Schwachstellen.
Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr erstes Spiel unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp absolviert. Die erhoffte Zeitenwende für den deutschen Fussball war der erste Auftritt unter «Kloppo» noch nicht. Und das, obwohl die DFB-Elf vor allem zu Beginn gute Ansätze zeigte.
Ein verschlafener Start der Holländer liess vor allem die deutsche Offensive zunächst spürbar zur Geltung kommen. Doch spätestens nach dem – etwas strittigen – Führungstreffer liess sich die DFB-Auswahl das Heft aus der Hand nehmen.

Drei Baustellen haben sich im ersten Klopp-Spiel erkennbar gemacht.
1) Die Torhüter-Frage
Jürgen Klopp hat Marc-André ter Stegen zur neuen deutschen Nummer 1 erklärt. Der Auftritt des Routiniers in Amsterdam war aber kein reines Empfehlungsschreiben. Und das, obwohl ter Stegen in Hälfte zwei gegen Summerville und van Bommel überragend parierte.
Aber der DFB-Schlussmann leistete sich auch gleich zwei kapitale Fehlpässe aus dem eigenen Sechzehner heraus. Beide Male spielte ter Stegen die Kugel zielgenau zum Gegner, beide Male wurde es brandgefährlich. Solche Fehler darf sich ein Nationaltorhüter auf diesem Niveau nicht erlauben.

Und auch bei den beiden nicht gegebenen Holland-Toren sah ter Stegen nicht gut aus: Beim vermeintlichen 1:0 griff er – bedrängt durch Brobbey – an einer Eckball-Flanke vorbei. Das Gleiche wiederholte sich dann beim aberkannten 1:1-Ausgleich in Hälfte zwei. Die Torhüter-Frage ist Jürgen Klopp also nicht los …
2) Die Zehner-Frage
Jürgen Klopp schenkte in seinem ersten Spiel als Bundestrainer im offensiven Mittelfeld Nadiem Amiri das Vertrauen. Nicht ganz freiwillig – der eigentlich vorgesehene Jamal Musiala musste kurzfristig mit muskulären Problemen aussetzen.
Stattdessen kam Amiri auf der Zehner-Position zum Zug. Kurz gesagt: Der Mainzer konnte Klopps Vertrauen nicht ansatzweise zurückzahlen. Allerdings steht auch ausser Frage, dass Amiri nicht die bevorzugte Lösung auf dieser Position ist.

In dieser Rolle werden wir in naher Zukunft wohl vor allem Bayern-Superstar Musiala sehen. Auch Florian Wirtz oder Jungstar Lennart Karl wären für diese Position ein Thema. Für Amiri könnte es hingegen langfristig schwieriger werden.
3) Die Stürmer-Frage
Ein Caveat vorweg: Die deutsche Offensive spielte in Amsterdam nur eine knappe halbe Stunde in der von Jürgen Klopp vorgesehenen Besetzung. Dann musste Sturmspitze Kai Havertz angeschlagen vom Feld, für ihn kam Younes Ebnoutalib zum Einsatz. Der machte seine Sache solide, vor allem für einen Debütanten.
Ein Schwachpunkt im deutschen Offensivspiel war aber – überraschenderweise – Karim Adeyemi: Der quirlige rechte Flügel war eigentlich gut im Spiel, brachte sich in der Offensive immer wieder gefährlich ein. Über seine rechte Seite wurde es immer wieder gefährlich. Doch ausgerechnet die 100-Prozentige zum 2:0 liess er geradezu kläglich liegen.

Im Sturmzentrum wird Jürgen Klopp in den anstehenden drei Länderspielen noch fleissig herumprobieren, unter anderem mit Nick Woltemade. Auch Jonathan Burkardt wird seine Chance bekommen. Die Suche nach dem nächsten deutschen Superstürmer geht aber wohl weiter.
















